„Krone“-Interview

Fritz Karl: Mehr Leben und weniger Leistungssport

Unterhaltung
20.11.2025 06:00

Publikumsliebling Fritz Karl schlüpft in „Tod am See“ (22. November, 20.15 Uhr) und „Der Marionettenmörder“ (29. November, 20.15 Uhr) in gleich zwei abendfüllenden Filmen auf ServusTV in die Rolle des Kriminalpsychologen Thomas Meiberger. Im großen „Krone“-Talk spricht er über die Veränderung seiner Figur, Unsicherheiten im Schauspielerberuf und die stete Angst vor einer neuen Rolle.

„Krone“: Herr Karl, Sie treten für zwei neue 90-Minuten-Filme wieder in die Rolle des Kriminalpsychologen Thomas Meiberger. Sind Sie froh, ein bereits jahrelang etablierter Schauspieler in der Branche zu sein?
Fritz Karl:
 Jede Zeit hat ihre eigenen Herausforderungen, aber ich möchte heute kein junger Schauspieler mehr sein. Jetzt anzufangen würde ich wirklich hart finden. Ich mache das, seit ich 17 bin und von einem künstlerischen Beruf leben und eine Familie ernähren zu können, ist ein großer Erfolg. Dafür muss man sich breit aufstellen und das habe ich gemacht. Man kann ja alles nutzen, was seinem gegeben ist: das Sein, die Stimme, den Körper und auch die neuen Medien.

Man muss sich breit aufstellen und darf auch keine Angst davor haben, neue Territorien zu betreten?
Genau, das ist irrsinnig wichtig. Neben all der Herausforderung muss man aber auch Spaß haben – das ist das Allerwichtigste. Wenn du keinen Spaß mehr hast, dann musst du etwas anderes machen. Ein künstlerischer Beruf ist nicht von Anfang an mit Erfolg auf dem roten Teppich und Gucci-Taschen verbunden. Das kann manchmal sehr haarig sein und sehr lange dauern. Manche Sachen gehen dir auf, manche nicht, aber solange man Spaß am Tun hat, kommt man auch gut durch die Täler.

In die Welt von Kunst und Kultur einzutauchen, war immer ein Schritt ins Ungewisse. Sucht man im Leben nach Sicherheit, macht man per se etwas anderes.
Ehrlich gesagt hat sich bei mir überhaupt nie die Frage nach dem Beruf gestellt. Das darf man auch nicht, denn sobald man sich diese Frage stellt, wird es haarig und man hinterfragt, ob sich damit ein Leben und eine Familie ausgehen. So braucht man gar nicht erst anzufangen. Für mich gab es nie einen Plan B, aber natürlich hat man oft Existenzängste. Ich kann mich noch gut an die Zeit am Anfang in Wien erinnern, wo zur Hälfte oder gegen Ende des Monats kein Geld mehr da war. Dann gab es viel Reis und Nudeln. Das gehört aber auch dazu und ist nicht unbedingt nur schlecht.

Wenn so viel Ungewissheit herrscht, braucht man auch besonders viel Biss. Ist es schwierig, sich diesen Biss zu erhalten, wenn man erfolgreich ist und es gut läuft?
Ein guter Gedanke. Ich habe viel mit Otto Schenk am Theater in der Josefstadt gespielt und er sagte mir stets: „Man muss immer ein bisschen mit angeschissenen Hosen spielen“. Was er damit meinte: Man muss keine Angst, aber Respekt haben und hungrig bleiben. Ist man nicht mehr hungrig, dann wird es schnell fad. Ich bin noch heute vor jeder Vorstellung nervös und schlafe schlecht vor jedem ersten Drehtag. Das Blöde ist, dass je älter ich werde, umso nervöser werde ich. Mein Sohn Aaron ist viel cooler. Wenn wir gemeinsam eine Lesung haben, dann weiß er schon vorher, dass der Alte jetzt wieder durchdreht und fünfmal im Kreis läuft, bis sein Text sitzt. Meine Frau leidet darunter auch, aber was soll man dagegen machen?

Ein Charakteristikum Ihrer Persönlichkeit.
Es ist schrecklich, weil es für die anderen nicht angenehm ist. Manchmal würde ich mir wünschen, ich könnte anders mit meiner Aufgeregtheit umgehen, weil ich den Drang habe, so perfekt wie möglich zu sein. Ich war schon sehr früh bei den Wiener Sängerknaben, das war auch eine prägende Schule.

Fritz Karl im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.
Fritz Karl im Gespräch mit „Krone“-Redakteur Robert Fröwein.(Bild: Eva Manhart)

Kommen wir zu Ihrer Rolle als Thomas Meiberger – die ist Ihnen nach so vielen Jahren wohl in Fleisch und Blut übergegangen. Steckt in jedem neuen ersten Drehtag trotzdem wieder Verunsicherung?
Ja, aber das liegt auch daran, dass wir den Meiberger ein bisschen neu aufgestellt und gestaltet haben. Es gibt auch eine neue Kommissarin an seiner Seite, mit der er sich erst einmal auseinandersetzen muss. Ich schlüpfe nicht einfach in diese Schuhe und weiß sofort, wie das ist. Meiberger ist ein Zauberer, allein deshalb waren die Fälle immer sehr unterschiedlich, weil er stets andere Herausforderungen zu meistern hatte. Ich kam nie in die Gefahr, dass ich in der Rolle in eine Routine hineingerate.

Ist es nicht schön, wenn man einen Charakter nach drei Staffeln Serie und jetzt auch Spielfilmen noch nuancieren und neu ausstatten kann?
Ich weiß nicht, vielleicht ist das auch eine Schwäche.

Aber dadurch bleibt es in jedem Fall spannend.
Für mich schon. Mir ist nicht fad, weil es jedes Mal was ganz anderes ist. Es gibt ständig neue Situationen und Namen um ihn herum, er muss immer wieder reagieren und zeigt dabei neue Seiten. Aber wie gesagt: Vielleicht ist es auch eine Schwäche, wenn man nicht in eine Routine reinkommt, weil stets eine Unsicherheit mitschwingt, diese Figur ständig neu zu bauen. Wir machen jetzt 90-Minüter und da ist viel Zeit zwischen den Dreharbeiten. Natürlich weiß ich, wie Meiberger redet, ausschaut und sich verhält, aber ich habe für „Tod am See“ selbst ein Drehbuch geschrieben und dabei gemerkt, dass er aus mir spricht.

Wenn man sich selbst ein Drehbuch auf den Leib schreibt, biegt man sich den Charakter dann passend zurecht?
Nein, so würde ich das nicht sagen. Ich hatte die Genesis, ein Buch zu schreiben. Für Schauspieler ist es ein weitverbreitetes Phänomen, dass sie mit Drehbüchern hadern und sich denken: warum? Je mehr Drehbücher man gelesen hat, umso mehr glaubt man, man weiß es selber am besten – was natürlich auch ein Irrtum sein kann. Ich hatte trotzdem die wahnwitzige Idee, meinem Produzenten Thomas Hroch und dem Sender zu sagen, ich würde jetzt selbst ein Drehbuch schreiben, weil nur herummosern kann es auch nicht sein. Ich bin kein Drehbuchautor und nicht darauf angewiesen, ich hatte also wenig Druck. Wir hatten keinen Vertrag, nichts. Frei nach dem Motto: Ich schreibe ein fertiges Buch, ihr schaut, ob euch das gefällt. Ich hatte den Film im Kopf und es fiel mir sehr leicht, das Buch umzusetzen. Ein Bild davon zu haben, wer was wo und wann sagt.

Wenn man so eine klare Vision hat, dann schreibt sich das Buch wie von selbst?
Ich habe beim Schreiben gemerkt, wie viel ich über diesen Meiberger weiß und für mich waren seine Dialoge, die Mimik und die Gestik ganz klar. Von daher musste ich ihn nicht zurechtbiegen, weil er einfach schon da war. Ich habe dann das fertige Buch abgegeben und gesagt, ich hätte keine Lust auf endlose Diskussionen mit Redakteuren und Redaktionen, wie es üblicherweise vorkommt. Das Buch machte eine Kontrollrunde, es wurde kaum etwas geändert und alle waren glücklich. Also haben wir das dann auch umgesetzt.

Macht so ein Feedback nicht Lust auf mehr?
Ja, aber das Drehbuchschreiben ist irrsinnig anstrengend. Mein Problem ist ein zeitliches. Ich habe den Film im Kopf, aber viel zu wenig Zeit, die Handlung niederzuschreiben. Ich habe Kinder, die was wollen, ich habe Aufführungen und andere Drehs, dann muss ich kochen und allen das Frühstück machen. Und irgendwo dazwischen im Leben muss ich versuchen, mir die Zeit zu nehmen, um bei Zugfahrten zu Vorstellungen zu schreiben oder mich irgendwo dafür einzusperren.

Meiberger scheint zunehmend Gefallen daran zu finden, selbst Polizist sein zu wollen.
Das stimmt. Ursprünglich ist er ein Gerichtspsychologe und seiner Polizeikollegin gegenüber beruflich sehr grenzüberschreitend. Er mischt sich gerne ein, fährt seinen eigenen Stiefel und geht über gewohnte Berufsgrenzen hinweg. In der Realität würde das so natürlich nicht gehen, aber wir befinden uns ja im Fiktionalen. Dort, wo sich Realität und Märchen treffen.

Der Meiberger ist die Konstante in der Reihe, der unzählige Kolleginnen und Kollegen an seiner Seite hat. Wie verändert man denn den Charakter, wenn neue Figuren auftauchen und den Drive eines neuen Projekts wieder verändern?
Franz Josef Danner als Kevin Gansliger ist eine weitere Konstante, auch die Gerichtsmedizinerin ist immer dabei, aber ansonsten tut sich viel. Nur – das ist auch das Interessante an diesem Beruf und deshalb wollte ich damals auch vom Theater weg. Ich wollte immer neue Geschichten erzählen, mit wechselnden Kolleginnen und Kollegen, mit einer neuen Drehfamilie. Es ist wahnsinnig spannend, sich in einer neuen Drehfamilie immer wieder aufs Neue beweisen zu müssen und sich mit derselben Figur dahinter auseinanderzusetzen. Es ist wie im richtigen Leben: Wir sind dieselben, treffen aber ständig auf andere und verhalten uns dabei auch anders. Jeder Mensch löst etwas anderes in uns aus oder signalisiert uns etwas anderes. Dahingehend arbeite ich auch viel mehr aus dem Bauch heraus und weniger mit dem Kopf. Es ist schön, wenn man sich einer Rolle hingeben kann.

Gut gelaunt: Fritz Karl hatte beim Interviewtermin zu den beiden neuen Meiberger-Fällen viel zu ...
Gut gelaunt: Fritz Karl hatte beim Interviewtermin zu den beiden neuen Meiberger-Fällen viel zu lachen.(Bild: Eva Manhart)

Ist es schön, mit dem Meiberger eine Figur zu haben, die Ihnen eine gewisse Sicherheit in einem unsteten Beruf bringt? 
Sie sprechen jetzt vom Pekuniären? Also ich bin weder „Tatort“-Kommissar, noch sonst wo in einer besonders beliebten Reihe engagiert, wo man weiß, es werden pro Jahr zwei bis drei neue Folgen produziert. Das war auch beim Meiberger nicht so. Anfangs gab es ihn in Serienform, das war eine Konstante über 44 Folgen – daraufhin gab es einen Bruch. Dann wurde entschieden, ihn auf Spielfilmlänge auszuweiten, aber dazwischen war lange Pause. Ehrlich gesagt weiß ich nie, was passiert, aber ich hoffe, dass wir nächstes Jahr wieder zwei Filme machen. Das wäre schön, aber wie Sie wissen – in unserem Beruf ist nichts in Stein gemeißelt. Ich habe schon Projekte gesehen, da waren Verträge unterschrieben, aber kein Film da. Wenn ich am ersten Drehtag am Set stehe, dann drehen wir wirklich. Von dem gehe ich immer aus.

Das klingt fast schon fatalistisch, ist aber wohl nicht anders möglich?
Trotzdem muss ich immer vorbereitet sein. Ich muss davon ausgehen, dass etwas nicht passiert, das hat mir meine eigene Geschichte gezeigt. Ich hatte eine Phase in meinem Leben, da war ich zwei, drei Jahre lang ausgebucht und ich wusste genau, wann ich wo auftrete und welchen Film ich machen werde. Da dachte ich mir auch: „Oh, das nächste Jahr wird aber toll.“ Aber mit einfach Skifahren oder surfen gehen ist es dann auch nicht, weil plötzlich war alles anders. Es kann immer eine Förderung platzen, ein Sender absagen oder sich sonst was tun und das Projekt verpufft. Das Gefühl von Sicherheit habe ich insofern nie.

Die spüren sie auch nicht beim Meiberger? Obwohl es ihn seit 2018 gibt und die Quoten passen?
Das ist schön, dass Sie das sagen, aber trotzdem bin ich zutiefst verunsichert.

Wir wissen auch nicht, ob Sie nicht doch ein Wiener „Tatort“-Kommissar werden …
Jetzt ist der große Moment, wo ich es sagen kann: Ich werde es nicht. (lacht)

Zurück zum Meiberger – er ist längst eine Marke geworden. Viele Zuseher begleiten Sie in dieser Rolle seit sieben Jahren und wurden treue Fans. Macht das was mit Ihnen als Schauspieler, wenn man weiß, es gibt eine Erwartungshaltung von außen und man kann nicht mehr so frei agieren wie ganz am Anfang?
Das ist ein interessantes Phänomen, das man als Schauspieler gar nicht so stark wahrnimmt. Ich spiele verschiedene Rollen, letztes Jahr zum Beispiel Adolf Hitler in „Führer und Verführer“ und unlängst habe ich einen Film mit Götz Spielmann gedreht. Wie sehr eine Rolle zu einer Marke wird, merkt man dann im realen Leben, wenn irgendwo in Salzburg beim Skifahren jemand mich als Meiberger grüßt und nicht als Fritz Karl. Ich spüre das ja auch. Der Meiberger agiert in der Salzburger Gegend, man erkennt ihn also. Es freut einen, wenn die Arbeit so wertgeschätzt wird, aber man sieht sich als Handwerker, Künstler oder Kreativer, dessen Aufgabe es ist, unterschiedliche Charaktere darzustellen. So eine Marke kann Fluch und Segen zugleich sein. Meiberger empfinde ich bislang aber nicht als Fluch. Mir geht es damit nicht so wie anderen Kollegen, die Ärzte spielen und dann nach vielen Jahren irgendwann selbst im Krankenhaus liegen und glauben, sie müssten sich untersuchen, operieren oder auf Visite gehen.

Haben Sie auch schon Figuren gespielt, vor denen Sie Angst haben? Wo Zweifel herrschten, ob Sie diese Rolle annehmen sollten?
Als ich mit Robert Stadlober in „Führer und Verführer“ Hitler dargestellt habe, war das schon gespenstisch. In dem Moment, als ich in der Maske war, der Bart, die Frisur, die Kontaktlinsen und die Uniform da waren, war ich drin. Ich wurde von den Leuten am Set und auch den Statisten sofort ganz anders behandelt. Es gab Leute, die Angst vor mir hatten. Meine Kinder wollten auch nicht, dass ich diesen bösen Mann spiele und meine Frau hat das lange verdrängt. Sie hat sich überhaupt nicht damit auseinandergesetzt und mich erst bei der Premiere unterstützt. Sie ist förmlich zusammengebrochen, weil sie jüdische Vorfahren und viel mit dieser Geschichte zu tun hat. Sie hat so getan, als würde ich diese Rolle nicht spielen und hat alles von sich weggeschoben.

Hitler zu spielen, ist in unseren Breitengraden wohl auch die prekärste aller Rollen.
Ich musste auch die Sprache üben. Es gibt einen Originalton von Adolf Hitler, wo er privat gesprochen hat. Das hat überhaupt nichts mit diesem schreienden Reden zu tun, wie man es von seinen martialischen Ansprachen kennt. Er war ein Oberösterreicher mit Braunauer und leicht niederbayrischem Einschlag im Dialekt, ganz weich und ruhig. Von diesem Mitschnitt sind nur elf Minuten überliefert und ich habe es mir phonetisch immer und immer wieder angehört, bis es mir daheim verboten wurde. Als ich diese Figur spielte, merkte ich zum ersten Mal, dass das Kreise zieht. Das ist ganz anders, als wenn du einen Rechtsanwalt oder einen Arzt spielst.

„Ich muss immer davon ausgehen, dass etwas nicht passiert“ – Fritz Karl über die Unsicherheit ...
„Ich muss immer davon ausgehen, dass etwas nicht passiert“ – Fritz Karl über die Unsicherheit des Schauspielerberufs.(Bild: Eva Manhart)

Wenn man das Gute daraus herausfiltern will: Eine viel ärgere Rolle können Sie in Ihrem Leben wohl kaum noch spielen.
Es gibt schon ein paar wirklich interessante Geschöpfe auf dieser Erde, wo man in einen tiefen Abgrund hineinschaut, der einen nach unten ziehen möchte. Zum Beispiel die Netflix-Serie „Monster“ über Ed Gein. Das war sicher auch keine leichte Arbeit für den Schauspieler.

Soll es denn manchmal schwer und brutal sein? Ist das wichtig in Ihrer Profession als Schauspieler?
Das ist eigentlich ein Paradox, denn einerseits soll man nicht verkrampft sein, weil es sonst nicht fließt. Ist etwas aber zu einfach und wird man nicht gefordert, dann ist es schnell langweilig. Ich gehöre zu jener Fraktion Schauspieler, die den Berg vor sich sehen und denken: „Gut, da muss ich jetzt rauf“. Regisseure wie Till Franzen, Götz Spielmann oder Andreas Prochaska sind Menschen, die für ihre Projekte brennen und damit auch fordern. Das finde ich super. Ich habe mich an etwas abzuarbeiten, ohne dass es verkrampft wirkt. Das mag ich gerne, ich arbeite nämlich gerne.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen der Theaterbühne und der Filmkamera. Das unmittelbare Publikum beim Theater macht mit einem etwas anderes als Kameras beim Dreh. Wenn was danebengeht, kann man es wiederholen. Das ist auf einer Theaterbühne oder bei einer Lesung nicht möglich.
Natürlich, bei einer Performance auf der Bühne ist man im Moment, es ist eine unmittelbare Show. Mittlerweile stehen wir als Schauspieler aber auch beim Drehen unter unheimlichem Zeitdruck. Die Drehzeiten werden immer kürzer und die Uhr tickt unaufhaltsam. Man muss mittlerweile schon am Punkt liefern. Ungerechterweise wird das von mir auch erwartet.

Im Fall der neuen Meiberger-Filme war es so, dass zwei 90-Minüter in einem Monat gedreht werden mussten. Ist das nicht enorm stressig?
Es ist sportlich. Wenn ich zurückdenke, wie viele Drehtage wir hatten, als ich angefangen habe, Filme zu drehen – ein Wahnsinn. Heutzutage kannst du nach einem Drehtag nicht mehr fortgehen und feiern, denn du musst am nächsten Tag topfit sein. Vielleicht macht das aber auch das Alter mit mir. Ich muss mal mit jüngeren Kollegen darüber reden, wie das heute so machen.

Da kommen wir wieder zurück zum Ausgangspunkt – früher war es offenbar doch angenehmer. 
Ich weiß es nicht, aber letztendlich haben mir, als ich damals jung zum Theater gekommen bin, schon Menschen gesagt, dass es früher besser war. Es hat sich aber sehr viel zum Guten entwickelt. Früher war die Stimmung am Set mit gewissen Regisseuren für manche Menschen nicht angenehm – da wurde mit sehr viel Terror gearbeitet. Das gibt es in dieser Form überhaupt nicht mehr und das ist auch sehr gut so. Früher war aber sicher mehr Leben und weniger Leistungssport. Es war alles ein bisschen lockerer.

Haben Sie sich selbst über die Jahre stark verändert?
Das hoffe ich stark, denn hätte ich mich seit meinem 17. Lebensjahr nicht mehr verändert, wäre das schrecklich. Stellen Sie sich vor, Sie hätten hier einen 17-Jährigen vor sich sitzen, mit dem faltigen Gesicht eines 57-Jährigen.

In Ihrer Branche hat sich in den letzten Jahren sehr viel getan. Muss man da ständig adaptiv und offen sein?
Ich merke, dass der Druck höher geworden ist und versuche, besser mit ihm umzugehen. Das heißt, ich muss mich noch besser vorbereiten. Der Drehtag fängt bei mir mittlerweile um 4.30 Uhr an. Da stehe ich auf, mache meine Tai-Chi- und Dehnungsübungen und bereite meinen Text vor. Wenn ich dann um 6.30 Uhr in der Maske sitze, weil wir um 7 zu drehen beginnen, muss ich fit und auf den Tag fokussiert sein. Das bin ich früher doch ein bisschen lockerer angegangen. Ich habe auch diese Unbefangenheit von früher nicht mehr. Wenn man mich engagiert, erwartet man was von mir. Man engagiert keinen „Noname“, sondern jemand mit einer Vita, der etwas vorzuweisen hat, der auch für etwas steht. So hart ist die Branche mittlerweile.

Den Druck haben Sie sich über all die Jahre aber selbst aufgebaut.
Wahrscheinlich, ja. Man hat sich den eigenen Dampfkessel aufgesetzt, in den man steigt.

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