Politaffäre in Paris

Berater schnitt Sarkozy-Gespräche geheim mit

Ausland
05.03.2014 14:27
Die konservative französische Oppositionspartei UMP von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy wird derzeit von einem Skandal erschüttert: Der enge Sarkozy-Berater Patrick Buisson hatte Gespräche des damaligen Staatschefs heimlich mit einem Diktiergerät aufgezeichnet. Am Mittwoch wurden Auszüge aus dem offenbar Hunderte Stunden umfassenden Audiomaterial in der Presse veröffentlicht.

In der UMP löste dies einen Sturm der Entrüstung aus, auch weil Sarkozy mit abfälligen Bemerkungen über Parteifreunde zitiert wurde. Die Enthüllung erfolgte wenige Tage nach einer Finanzaffäre um UMP-Chef Jean-Francois Cope und rund drei Wochen vor den französischen Kommunalwahlen.

Der einstige Sarkozy-Berater und Politologe Buisson (kleines Bild), der früher der rechtsextremen Front National nahestand und für den Rechtsruck in Sarkozys Wahlkampf 2012 verantwortlich gemacht wird, räumte die Existenz der Aufzeichnungen ein. Es seien "Arbeitsdokumente", erklärte sein Anwalt. Buisson habe keine schriftlichen Notizen machen können, um die nächsten Treffen vorzubereiten.

Sarkozy hat "Gefühl, verraten worden zu sein"
Laut Henri Guaino, dem einstigen Redenschreiber und Vertrauten von Sarkozy, hat der Ex-Präsident "das Gefühl, verraten worden zu sein". Es gebe offenbar "Hunderte Stunden Aufzeichnungen, das ist krank", erklärte Guaino. UMP-Fraktionschef Christian Jacob sprach im französischen Fernsehen von "verabscheuungswürdigen Methoden".

Die regierenden Sozialisten erwägen, einen Untersuchungsausschuss im Parlament zu beantragen, falls Sarkozy keine Klage einreicht. Es gehe um eine "Gefährdung der Funktionsweise des Staates und der Demokratie".

Harte Kritik an Innenminister dokumentiert
Ein Enthüllungsblatt und ein Internetdienst veröffentlichten am Mittwoch Auszüge der Aufzeichnungen von Buisson. Dabei geht es insbesondere um ein Treffen kurz vor einer Regierungsumbildung im Februar 2011. Darin wird Sarkozy unter anderem mit Kritik am damaligen Innenminister Brice Hortefeux zitiert, der später sein Ressort verlor. "Brice sagt, das Gefühl der Unsicherheit sei zurückgegangen - alle Studien zeigen aber, dass das nicht wahr ist", stellte Sarkozy demnach fest. "Bei Einwanderungsfragen ist Brice gehemmt", fügte Buisson damals hinzu.

Buisson versicherte in der von seinem Anwalt verbreiteten Stellungnahme, er habe die meisten Aufzeichnungen von Gesprächen mit Sarkozy gelöscht - außer einigen, die seinem Mandanten "offenbar gestohlen worden waren" und von denen derzeit "pervers" Gebrauch gemacht werde. Zu den aufgezeichneten Gesprächen zählen auch Unterhaltungen Buissons im Auto mit anderen Beratern Sarkozys. In einem werden auch abfällige Kommentare über Sarkozys Ehefrau Carla Bruni gemacht.

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