Soll jetzt auf Krim

Kühne Moderatorin kritisiert Russland im Staats-TV

Ausland
05.03.2014 11:20
Eine US-Moderatorin, die für den russischen Staatssender Russia Today arbeitet, hat sich offen gegen die Besetzung der Krim ausgesprochen. Was Russland tue, sei falsch: "Ich werde nicht hier sitzen und militärische Aggression entschuldigen oder verteidigen", so Abby Martin. Die russischen Medien beschuldigte sie der Desinformation. Der Sender hat inzwischen reagiert: Man werde Martin auf die Krim schicken, damit sie sich vor Ort selbst ein Bild von der Lage machen könne.

Russia Today (RT) wird vom Kreml finanziert. Das hat Abby Martin aber nicht davon abgehalten, ihren Zuschauern ihre Meinung zu den Vorgängen rund um den russischen Einmarsch in der Ukraine zu sagen (siehe Video auf YouTube). Sie moderiert in Washington für die englischsprachige Ausgabe des Senders das Programm "Breaking the Set".

"Bevor ich die Show abschließe, möchte ich von Herzen etwas über die laufende politische Krise in der Ukraine und Russlands militärische Besetzung der Krim sagen", wandte sich Martin am Montag ans Publikum. "Nur weil ich hier arbeite, für RT, heißt das nicht, dass ich keine redaktionelle Unabhängigkeit habe, und ich kann nicht genug betonen, wie sehr ich gegen irgendeine Militärintervention in die Belange unabhängiger Staaten bin." Was Russland getan habe, sei falsch.

Kritik an russischen Medien
Sie wisse nicht genug über die Geschichte der Ukraine und die kulturelle Dynamik der Region, gab Martin zu, aber "ich weiß, dass eine Militärintervention nie die Antwort ist". Sie werde das Vorgehen Russlands daher weder entschuldigen noch verteidigen. "Darüber hinaus ist die Berichterstattung, die ich über die Ukraine gesehen habe, wirklich enttäuschend - von allen Seiten des Medienspektrums, und voller Desinformation", klagte Martin ihre Branche an.

"Vor allem fühle ich mit den Ukrainern, die nun als Pfand eingezwängt sind, mitten in einem globalen Schachspiel um Macht. Sie sind die echten Verlierer hier", so Martin. Man könne nur auf eine friedliche Lösung hoffen und dass "ein weiterer ausgewachsener Kalter Krieg zwischen mehreren Supermächten" verhindert werde.

TV-Sender will Martin auf die Krim schicken
Martins Arbeitgeber Russia Today hat sich nach dem Ausbruch der Moderatorin überraschend offen gezeigt - was freilich auch an der Tatsache liegen könnte, dass Martin in den USA residiert. RT ließ wissen, dass der Sender "entgegen der gängigen Meinung keine Journalisten in die Unterwerfung prügelt", sie könnten ihre Meinung frei äußern - "nicht nur privat, sondern auch auf Sendung". Es werde keinen Tadel für die Moderatorin geben, man respektiere ihre Ansichten.

Doch um ihr ungenügendes Wissen über die Ukraine zu vervollständigen, werde man Martin auf die Krim schicken. Das werde ihr die Möglichkeit geben, sich selbst ein Bild von der Lage zu machen - im "Epizentrum der Story". Ob die widerspenstige Moderatorin darauf eingehen wird, ist bisher nicht bekannt.

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