Krim-Krise

Ukraine ist Putins Armee hoffnungslos unterlegen

Ausland
03.03.2014 17:42
Die Lage auf der Krim spitzt sich von Tag zu Tag zu: Sollte es tatsächlich zum Krieg kommen, so wären die Streitkräfte Kiews den Russen jedenfalls hoffnungslos unterlegen. Die russische Armee verfügt über 845.000 Soldaten, moderne Hubschrauber und Kampfjets. Die Truppenstärke der Ukraine liegt bei 130.000 Mann, die Hälfte sind Wehrpflichtige ohne Kampferfahrung. Ihre Ausrüstung stammt überwiegend aus Sowjetzeiten, die Wartung ist mangelhaft und die Kampfjets haben kaum Flugzeiten absolviert.

Das ukrainische Militär sei jedoch genau für einen konventionellen Landkrieg aufgestellt, der bei einem russischen Einmarsch bevorstünde, gibt Matthew Clements vom Fachblatt "Jane's Intelligence Review" zu bedenken. "Wenn die Truppen geschlossen bleiben, können sie eine russische Invasion eine ganze Weile aufhalten." Das Kräfteungleichgewicht sei nicht so groß wie im Krieg Russland-Georgien 2008.

"Die Moral kann die Truppenstärke wettmachen", meint auch Valentin Badrak, Direktor des Zentrums für Militärstudien, Demilitarisierung und Abrüstung in Kiew. "Wenn die ukrainischen Soldaten Widerstandswillen zeigen, können sie Russland zurückdrängen."

Ex-Verteidigungsminister der Ukraine skeptisch
Der ukrainische Ex-Verteidigungsminister Anatoli Grizenko sieht dafür aber keine Anzeichen - insbesondere mit Blick auf die Krim. Es sei "demütigend", dass ukrainische Truppen dort von russischen Paramilitärs in ihren Kasernen blockiert seien. Wenn sie nicht bald präzise Befehle aus Kiew erhielten, "dann wird ihre Moral zusammenbrechen, weil sie glauben, sie seien aufgegeben worden". Ein Rückschlag ist auch, dass der frisch ernannte Marinekommandant Denis Beresowski am Sonntag auf die Seite der prorussischen Regionalregierung der Krim überlief.

Auf der südukrainischen Halbinsel ist die russische Militärpräsenz schon jetzt frappierend. In der Hafenstadt Sewastopol ist die Schwarzmeerflotte stationiert, die über 25.000 Mann, 388 Kriegsschiffe und 161 Kampfjets verfügt. Und nach ukrainischen Regierungsangaben wurden am Wochenende 6.000 zusätzliche russische Soldaten dorthin verlegt. Auf dem Papier stehen ihnen 15.000 ukrainische Soldaten auf der Krim gegenüber. Aber die meisten von ihnen befanden sich offenkundig nicht in ihren Kasernen, als davor prorussische Paramilitärs aufzogen.

Rechtsextreme rüsten bereits für Invasion der Russen
Der Freibrief des russischen Parlaments für einen Militäreinsatz in der Ukraine ist nicht auf die Krim begrenzt. Viele fürchten deswegen, russische Truppen könnten sogar auch in andere russischsprachige Regionen vordringen, womöglich bis nach Kiew vorrücken. Für den Fall wappnen sich bereits nationalistische Paramilitärs vom Rechten Sektor, der maßgeblich an den blutigen Demonstrationen gegen die moskaufreundliche, inzwischen entmachtete Janukowtisch-Regierung in Kiew beteiligt war. "Wir werden uns Schusswaffen besorgen, um uns russischen Besatzungstruppen entgegenstellen zu können", drohte der Sprecher des Blocks, Artem Skoropadski, am Sonntag.

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