Börse stürzt ab
Krim-Krise wird jetzt auch zum Wirtschaftskrieg
Da in Russland viele Menschen mit einem weiteren Verfall des Rubels rechnen, hat ein regelrechter Ansturm auf den Dollar und auch den Euro eingesetzt. In der Folge rutschte auch die Börse noch weiter ins Minus, viele Oligarchen aus dem Umfeld von Kremlchef Wladimir Putin verloren in kürzester Zeit Milliarden. Auch Raiffeisen International, die stark in der Ukraine präsent ist, verlor 8 Prozent. Und sogar das größte Unternehmen Russlands, die Gazprom, von der auch Österreich im Wesentlichen sein Erdgas bezieht, büßte innerhalb einer Woche ein Sechstel ihres Börsenwertes ein, das entspricht rund 45 Milliarden Euro.
Gazprom: Gaspreise für Ukraine werden nicht erhöht
Mittelbar betrifft das auch den russischen Staat, der an der Gazprom eine Mehrheit von gut 50 Prozent der Aktien hält. Der weltweit größte Gasförderer ist außerdem der wichtigste Arbeitgeber des Landes und unterstützt als wichtiger Devisenbringer den russischen Staatshaushalt jedes Jahr mit Milliardenüberweisungen.
Gazprom teilte am Montagabend mit, dass man die Preise für Lieferungen an die Ukraine nicht erhöhen werde. Die Ukraine steht bei Gazprom gegenwärtig mit rund 1,5 Milliarden Dollar (1,1 Milliarden Euro) in der Schuld. Die Führung in Kiew habe aber versichert, die ausstehenden Zahlungen umgehend zu leisten, so Gazprom.
Europa will Kiew bei Gasrechnungen unter die Arme greifen
Putin lässt die Angelegenheit nach wie vor kalt, er weiß, dass Europa auf russisches Gas angewiesen ist - was auch dadurch erkennbar wird, dass die westlichen Länder am Montag nach Angaben der deutschen Regierung der Ukraine Hilfe bei der Begleichung ihrer offenen Gasrechnung bei Gazprom in Aussicht gestellt haben. Konkret werde es noch im März um die Begleichung einer Gasrechnung gegenüber dem russischen Konzern gehen, erklärte der deutsche Regierungssprecher Steffen Seibert. Darüber sollen in der nächsten Woche Gespräche geführt werden, hieß es.
Westliche Unternehmen unter Druck
Unter Druck gerieten am Montag aber auch westliche Unternehmen mit einem starken Engagement in Russland. Börsenpapiere des Sportartikelherstellers Adidas, europaweite Nummer eins der Branche und Markführer in Russland und der Ukraine, rutschten in Frankfurt zweitwillig um fast 4 Prozent ab. Handelsriese Metro zählt ebenfalls zu den Leittragenden der Krise in der Ukraine: Die Aktie verlor am Montag zeitweise mehr als 6 Prozent. Auch der Pkw-Produzent Skoda Auto teilte mit, dass die Produktion in seinem Montagebetrieb im westukrainischen Solomonowo eingeschränkt werde. "Die Situation in der Ukraine hat negative Auswirkungen auf die gesamte dortige Wirtschaft, einschließlich der Autoindustrie.
Militäraktion gefährdet auch Milliarden-Atomauftrag
Russland könnte zudem wegen seiner Militäraktionen auf der Krim einen Auftrag für den Bau von Reaktoren im tschechischen Atomkraftwerk Temelin verlieren - es geht um 7,32 bis 11 Milliarden Euro. Unter den derzeitigen Umständen sei es unwahrscheinlich, dass ein Konsortium unter Führung des russischen Staatskonzerns Atomstrojexport den Zuschlag erhalte, sagt der tschechische Verteidigungsminister Martin Stropnicky.
Politik auf beiden Seiten hofft auf Deeskalation
Kremlchef Putin setzt unterdessen wohl darauf, dass sich die Situation relativ bald wieder beruhigen wird. Zu Sanktionen gegen Russland kann sich die EU vorerst auch nicht durchringen. Erstens aufgrund der gegenseitigen wirtschaftlichen Abhängigkeiten, andererseits, weil den Politikern in Brüssel bewusst ist, wie gefährlich die momentane Situation ist. Also stehen sie alle auf der Bremse, das Wort des Tages lautet Deeskalation. Und das ist wohl auch gut so, denn die Folgen eines möglichen Krieges sind für die ganze Welt nicht abzusehen.
Putin weiß das sehr gut und lässt daher weiter seine Muskeln spielen. An der östlichen Grenze zur Krim sind Panzer aufgefahren. Es gibt Berichte über Luftraumverletzungen durch russische Kampfjets, und Russland stört die Handynetze.
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