In Oberösterreich haben derzeit 650 Mädchen und Buben in Pflegefamilien ihr neues Hause gefunden – und hinter jedem dieser „Familienwechsel“ steckt ein langwieriges Prozedere. Der Weg zu einer „neuen“ Familie ist lange und, laut einem Sozialarbeiter, immer der allerletzte Ausweg.
Nur zu oft wird vermeintlich „schlechten Eltern“ mit dem Jugendamt gedroht, ihr Kind würde man ihnen „wegnehmen“. In Wahrheit werden solche Entscheidungen aber nur im Ausnahmefall getroffen. Zurzeit sind es in Oberösterreich 650 Pflegekinder, die bei rund 460 Familien ein neues Zuhause gefunden haben.
„Neue“ Familie ist der letzte Ausweg
So ein „Familienwechsel“ passiert jedoch nicht von heute auf morgen. So wurden auch die rund 60 Kinder, die im Bezirk Vöcklabruck in Pflegefamilien leben, nicht plötzlich von ihren Eltern fortgerissen, erklärt Josef Rücky, Sozialarbeiter bei der Kinder- und Jugendhilfe in Vöcklabruck. Ganz im Gegenteil – eine langfristige Pflegschaft sei nur der letzte Ausweg: „Es wird immer zuerst versucht, den Eltern mit ihren Problemen zu helfen und sie auf den richtigen Weg zu bringen, damit sie die Erziehung selbst in die Hand nehmen können.“ Meistens betreffe das Mütter und Väter, die – etwa wegen Alkohol- und Drogenproblemen oder auf Grund von psychischen Erkrankungen – nicht mit dem Familienleben zurechtkommen.
Wir versuchen immer zuerst, den Eltern so zu helfen, dass sie die Erziehung wieder selbst in die Hand nehmen können.

Josef Rücky, Sozialarbeiter Kinder- und Jugendhilfe Vöcklabruck
Bild: Rücky
„Man nimmt ein Stück Familie auf“
Nur wenn dieser Versuch scheitert und es keine Aussicht mehr auf Besserung gibt, komme eine langfristige „neue“ Familie in Frage. Für Pflegeeltern heißt das jedoch nicht, dass sie ihren Schützling für sich beanspruchen können. Es käme nur ganz selten vor, dass der Kontakt zur Ursprungsfamilie abgebrochen wird: „Als Pflegefamilie nimmt man nicht nur ein Kind auf, sondern ein Stück Familie.“ Man müsse verstehen, dass der Kontakt zu den „Wurzeln“ sehr wichtig für die Entwicklung der Kinder ist und deshalb weiter gepflegt werden muss.
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