Bürgermeister-Gipfel

Staunen über Wiens Holzfenster, Öffis und Wohnbau

Wien
03.07.2025 19:00

Über 100 Städtechefs von allen Kontinenten der Welt sind derzeit zu Gast in Wien. Und selbst Bürgermeister Michael Ludwig ist überrascht, was seine Kollegen hier interessiert und begeistert.

Der Bürgermeister des saudi-arabischen Djidda und der von Boulder im US-Bundesstaat Colorado hätten beinahe den Fototermin versäumt, weil sie so ins Gespräch über Feinheiten von Kommunalsteuern vertieft waren – ein typisches Bild während des „World Mayors Forum“, bei dem Wien Gastgeber für mehr als 100 Stadtchefs aus aller Welt ist. In drei Tagen absolvieren die Kommunalpolitiker ein dicht getaktetes Express-Programm aus Sitzungen, Besichtigungen und Gelegenheiten zum informellen Austausch – und kommen dabei zum Teil aus dem Staunen nicht heraus.

Der Genossenschaftsbau, das unbekannte Wesen
Großen Erklärungsbedarf hatten die Manager der Seestadt etwa, als sie den Gästen den geförderten Wohnbau in Wien zu erklären versuchten: Nein, das seien nicht alles Gemeindebauten oder frei finanzierte Wohnungen. Hier gebe es etwas dazwischen, das nenne man Genossenschaft. Und es gebe sogar geförderte Wohnungen, die man kaufen könne. Ungläubiges Staunen.

Bürgermeister Michael Ludwig mit dem singapurischen Entwicklungsminister Chee Hong Tat, der die ...
Bürgermeister Michael Ludwig mit dem singapurischen Entwicklungsminister Chee Hong Tat, der die „World Cities Summit“-Organisation vertritt, in der Seestadt.(Bild: Imre Antal)

Das Staunen setzte sich bei der Besichtigung des Holzhochhauses in der Seestadt fort: Dass man in einem Gebäude mit 15 Stockwerken Fenster öffnen könne, sorgte für Verwunderung. Und dass auch die Fenster aus Holz sind, gleich noch einmal. Auch die Öffi-Anbindung musste auf Nachfrage genau erklärt werden: Nein, das sei noch Wien, man sei auch in 20 Minuten im Zentrum. Wirklich im Zentrum? Ja, wirklich im Zentrum.

Zum Morgenspaziergang verdonnert
Begeisterung äußerten fast alle Bürgermeister über das Zusammenspiel von alten und neuen Gebäuden in der Stadt. So sanfte Stadterneuerung habe man noch nie gesehen, war öfter zu hören. Dass Wien viel Grün habe, wussten viele – fanden aber erstaunlich, dass man es auch mitten in der Stadt findet. Ein Bürgermeister aus Südostasien verdonnerte dem Vernehmen nach seine Delegation schon seit der Anreise zum allmorgendlichen Spaziergang durch einen jeweils anderen Park.

Im Schnelldurchlauf absolvieren die Gäste ein „Best of“ von Wien: vom Besuch im Karl-Marx-Hof ...
Im Schnelldurchlauf absolvieren die Gäste ein „Best of“ von Wien: vom Besuch im Karl-Marx-Hof ...(Bild: Clemens Schmiedbauer)
... bis zum Heurigen-Abend.
... bis zum Heurigen-Abend.(Bild: Clemens Schmiedbauer)

Bürgermeister Michael Ludwig genoss den Blickwinkel von außen auf die Stadt merkbar und meinte: „Wir als Wiener sind das eben gewohnt und denken oft: Na, wie soll’s denn auch anders sein?“ Neben den Exkursionen und informellem Austausch stehen aber vor allem zwei große inhaltliche Diskussionen aller versammelten Städtechefs im Mittelpunkt des weltweiten Mayors Forum in Wien.

„Speed-Dating“ für demütige Städtechefs
Angesichts von über 100 Teilnehmern ist die Zeit knapp: Jeder Bürgermeister bekommt nur 90 Sekunden Zeit, um die anderen von seinen Ideen zu überzeugen. Die Öffentlichkeit ist dabei nicht zugelassen. Auch Bürgermeister Michael Ludwig als Gastgeber wusste nicht, was ihn erwartet, und zeigte sich umso gespannter auf die Beiträge. Als Ergebnis des Bürgermeister-Forums soll jedoch eine Publikation erscheinen, in der die Ergebnisse der Tagung für jedermann nachzulesen sein werden.

Gegenüber der „Krone“ in die Karten schauen ließ sich nur Jorge Cordero, Vizebürgermeister der venezolanischen Metropole Caracas. Gerade trotz aller dortigen Probleme – Not, Kriminalität – könnten die Stadtchefs auch von ihm etwas lernen, ist er überzeugt: Seit man die Bevölkerung viel tiefer in Entscheidungen auch auf lokalster Ebene einbinde, sei der soziale Friede deutlich gewachsen. Ohnehin sei die wichtigste Eigenschaft für Bürgermeister rund um die Welt klar „Demut“: Nur, wer sich wirklich freue, wenn er mit Bürgern ins Gespräch kommen könne, sei für den Job geeignet.

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