Peter McDonald warnt

ÖGK-Chef: „Werden nicht alle Spitäler halten“

Innenpolitik
17.01.2026 20:15

Die Gastpatienten-Debatte sei „unwürdig“ und zeige auf, wie dringend eine Neuaufstellung des österreichischen Gesundheitssystems ist, sagt Peter McDonald, der mit Jänner wieder den Vorsitz in der ÖGK übernommen hat. Im Gespräch mit der „Krone“ sagt er klar: Ohne Spitalschließungen werde es nicht gehen.

„Der Zugang zur Spitzenmedizin auf E-Card kann nicht von der Hausnummer abhängen“, hält Peter McDonald zum Streit zwischen Wien und Niederösterreich um die Gastpatienten fest. „Die Wiener Ketzergasse ist das beste Beispiel dafür: Menschen mit gerader Hausnummer werden in Wien behandelt, aber Menschen mit ungerader Nummer sind Niederösterreicher und bekommen keinen Termin. Das Denken nach Grenzen zerstört das Vertrauen in die österreichische Versorgungssicherheit“, mahnt McDonald ein Ende der leidigen Debatte ein.

Niederösterreich und Wien sind in einem heftigen Patientenstreit.
Niederösterreich und Wien sind in einem heftigen Patientenstreit.(Bild: Krone KREATIV/ NLK Khittl/Imre Antal/)

Rund 7,6 Millionen Versicherte und ihre Dienstgeber zahlen österreichweit in die Gesundheitskasse ein und deshalb sollten sie alle überall gleich gut versorgt sein. „Planung, Steuerung und Finanzierung des Gesundheitssystems gehören daher in eine Hand. Diese unwürdige Debatte zeigt ganz klar die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform auf. Es braucht eine Verfassungsänderung, mit der die Gesundheit in die Kompetenz des Bundes kommt“, spricht McDonald Klartext.

„Brauchen weniger Spitäler“
Immer mehr ältere Menschen in der Bevölkerung brauchen immer mehr Medizin. Gleichzeitig sinkt kontinuierlich die Zahl der Beitragszahler – bedingt durch Demographie, Teilzeit und Arbeitslosigkeit. „Um die Versorgung für die Zukunft zu sichern, müssen wir jetzt handeln; aber nicht nur aus finanziellen Überlegungen, sondern auch aus Gründen der Versorgungsqualität. Medizin wird dezentraler, wohnortnäher und damit werden künftig weniger Spitäler brauchen.“

Zusätzliches Geld in das überlastete System zu pumpen, sei nicht die Lösung. „Wir sind ein Hochsteuerland. Wir können Steuern und Lohnnebenkosten nicht weiter erhöhen, wir müssen das Geld österreichweit effizienter einsetzen. Gleichzeitig brauchen wir eine Entpolitisierung der Gesundheit, mit einer Planung und Steuerung auf Bundesebene nach Qualität und Effizienz, mehr expertenorientiert und weniger politikorientiert“, so MacDonald.

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Bei geplanten OPs ist es nicht von besonderer Relevanz, wenn ich da eine halbe Stunde länger zu einem Spital fahren muss.

Peter McDonald

Krankenhäuser müssen sich spezialisieren
„Wir brauchen Schwerpunktbildungen und Spezialisierung bei den Spitälern. Denn je häufiger Operationen gemacht werden, desto besser werden sie ausgeführt. Bei geplanten OPs ist es nicht von besonderer Relevanz, wenn ich da eine halbe Stunde länger zu einem Spital fahren muss, solange dann die Qualität stimmt. Notfallstrukturen wird es immer geben“, so McDonald. Konkrete Zahlen, wie viele Spitäler geschlossen werden könnten, will McDonald nicht nennen, letztlich gehe es darum, eine regionale Versorgung sicherzustellen und die existierenden Spitäler zu entlasten.

Über den Umbau im Gesundheitswesen werde im Zuge der zukünftigen Planung zu diskutieren sein. Wenn man den digitalen und ambulanten Bereich stärken will, komme man daran nicht vorbei. McDonald zeigt sich überzeugt, dass eine Verfassungsreform möglich ist, denn der Druck der Experten, der Bevölkerung und der Finanzen ist groß auf die Politik.

Unsere alternde Gesellschaft bringt das Gesundheitswesen an seine Grenzen.
Unsere alternde Gesellschaft bringt das Gesundheitswesen an seine Grenzen.(Bild: APA/HELMUT FOHRINGER)

In den vergangenen 25 Jahren ist die Zahl der über 65-Jährigen um über 50 Prozent gestiegen. „Und Über-65-Jährige brauchen doppelt so viele Leistungen wie Jüngere“, erklärt der ÖGK-Vorsitzende. Das setze das Gesundheitswesen unter Druck. „Bisher konnten wir das – auch über ein stabiles Wirtschaftswachstum – gut ausgleichen, aber wir haben das dritte Rezessionsjahr hinter uns und in den nächsten 25 Jahren wird der Anteil der Über-65-Jährigen um weitere 50 Prozent steigen.“

Grenzen bringen uns nicht weiter
Ludwigs Vorschlag nach vier Gesundheitsregionen kann McDonald nicht viel abgewinnen. Da hätte man wieder diese Grenzen und man spricht wieder von Gastpatienten, „ein Begriff, den es unserer Ansicht nach nicht geben dürfte“. „Wir brauchen eine österreichweite Lösung und einen Abbau der Grenzen im Gesundheitswesen. Da bringen uns Regionen natürlich auch nicht weiter. Österreich ist gerade klein genug, um das zentral und national steuern zu können. Deswegen braucht es da auch einen großen Wurf bei der Reformpartnerschaft.“

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