Das Mercosur-Abkommen steht kurz vor dem Abschluss – und sorgt in Europa weiterhin für heftige Debatten. Während Wirtschaft und Exportindustrie auf neue Chancen und Märkte hoffen, wächst bei vielen Landwirten die Sorge: Sie befürchten Billigimporte, Preisdruck und einen unfairen Wettbewerb. Im krone.tv-Talk erklärt EU-Abgeordneter Alexander Bernhuber (ÖVP), worum es jetzt geht.
Eine Mehrheit der EU-Mitgliedsstaaten habe dem Abkommen bereits zugestimmt – Österreich bleibt jedoch beim klaren Nein, nicht zuletzt aufgrund des Drucks aus der Landwirtschaft und eines aufrechten Parlamentsbeschlusses aus dem Jahr 2019, so Bernhuber. Der nächste große Schritt sei nun die Zustimmung im Europäischen Parlament, die in den kommenden Monaten erwartet wird. Wenn es dort grünes Licht gibt, könnte das Abkommen teilweise bereits vorläufig in Kraft treten – die größten Auswirkungen würden sich jedoch erst über die nächsten Jahre zeigen, weil Zölle auf bestimmte Produkte schrittweise abgebaut werden.
Edelteile könnten Markt überschwemmen
Besonders kritisch sieht Bernhuber mögliche Folgen für die heimische Landwirtschaft – vor allem beim Thema Fleischimporte. Denn künftig könnten bis zu 99.000 Tonnen Rindfleisch zusätzlich nach Europa kommen. Die Sorge: Nicht günstige Massenware, sondern vor allem hochwertige Edelteile könnten den Markt überschwemmen und damit genau jene Bereiche treffen, in denen heimische Betriebe ihre höchste Wertschöpfung erzielen.
Bernhuber: „Importfleisch nur nach EU-Standards“
Ein zentraler Punkt sei laut Bernhuber die Frage der Produktionsstandards. Während europäische Bauern strengere Regeln einhalten müssen, seien in südamerikanischen Ländern oft Bedingungen erlaubt, die in Europa längst verboten sind – etwa bestimmte Pflanzenschutzmittel, der Einsatz von Antibiotika oder in der Vergangenheit sogar Wachstumshormone. Für ihn ist klar: Wenn Fleisch nach Europa importiert wird, müsse auch garantiert sein, dass es nach denselben Regeln produziert wurde – sonst könne von fairem Wettbewerb keine Rede sein.
Fehlende Transparenz für Konsumenten
Zusätzlich fordert Bernhuber mehr Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten. Viele Supermärkte hätten zwar angekündigt, kein Mercosur-Fleisch anzubieten – doch besonders in der Gastronomie könne Herkunft leichter „unsichtbar“ werden. Deshalb brauche es eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung auch in Restaurants und bei verarbeiteten Produkten, nicht nur bei Frischfleisch.
„Lage ist insgesamt angespannt“
Auch der Druck auf die Landwirtschaft sei insgesamt enorm, betont Bernhuber: Hohe Produktionskosten, steigende Auflagen und gleichzeitig sinkende Erzeugerpreise würden viele Betriebe in die roten Zahlen drücken. „Die Lage ist insgesamt angespannt.“ Kein Wunder also, dass Landwirte in mehreren EU-Ländern zuletzt lautstark protestierten. Sein Appell: Europa müsse die Versorgungssicherheit ernst nehmen und verhindern, dass immer mehr Höfe zusperren.
Bernhubers Fazit im Talk: Handel sei wichtig – aber nicht um den Preis, dass heimische Bauern die Verlierer sind. Entscheidend sei jetzt, dass die Politik nachschärft, Standards absichert und der Landwirtschaft echte Unterstützung bietet.
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