Immer mehr organisierte Scheinfirmen und Schwarzunternehmer treiben in Österreich ihr Unwesen. Dabei werden ihre Tricks immer raffinierter. Die Arbeiterkammer Wien fordert schärfere Gesetze wie die Schließung von Schlupflöchern für Schwarzunternehmer.
100-Mann-Baufirmen, die ihren Firmensitz ineiner leeren 30-Quadratmeter-Wohnung haben. Frächter, diefür ihre 25 Lkw als Lenker 19 Praktikanten aus Ungarn beschäftigen."Profis", die in wenigen Monaten 1.000 Ges.m.b.H.s auf Vorratgründen. Die Tricks der organisierten Schwarzunternehmerund Scheinfirmen werden immer raffinierter.
Ging es früher, hauptsächlich in derGastronomie, in erster Linie um nicht angemeldete Arbeitnehmer,läuft - vor allem am Bau - jetzt alles vordergründiglegal ab. Die Baufirmen werden ins Firmenbuch eingetragen, dieArbeitnehmer zu Beginn auch bei der Krankenkasse angemeldet. Beiträgewerden freilich keine bezahlt. Wenn die Arbeiter ihr Geld wollen,heißt es: "Burschen im Moment ist kein Geld da, aber sichernächste Woche...". So geht das über Wochen.
Scheinfirmen boomen Acht von zehn Baufirmen, die Pleite gehen, sind bereitsScheinfirmen. Tendenz steigend. Täglich werden drei solcherFirmen neu gegründet. "Egal ob bei den Frächtern oderam Bau, das sind keine einzelnen schwarzen Schafe - das ist organisierterBetrug im großen Stil", sagt AK Präsident Herbert Tumpel,"da werden Arbeiter um ihren Lohn betrogen, für den sie hartgearbeitet haben, und da werden Millionen an Sozialversicherungund Finanz vorbeigewirtschaftet."
Im Vorjahr hat allein die AK Wien mehr als 1.300Bauarbeiter vor Gericht und 1.115 Arbeiter von 144 Baufirmen vordem Insolvenzfonds vertreten, damit sie zu ihrem Geld kommen."Was wir brauchen sind aber zeitgemäße rechtliche Rahmenbedingungen,damit diesen organisierten Schwarzunternehmern das Handwerk gelegtwerden kann", sagt Tumpel.
Die AK fordert schärfere Gesetze Daher fordert die AK die Schließung aller Schlupflöcherfür Schwarzunternehmer im Gesellschaftsrecht, Anmeldung vonArbeitnehmern bereits vor Beschäftigungsaufnahme bei derSozialversicherung, Haftung der Generalunternehmer für diekorrekte Entrichtung der Sozialabgaben durch Sub-Unternehmer sowiemehr Kontrollen und wirksame Strafen gegen Schwarzunternehmer.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.