Spiele-Persiflage

“Saints Row IV”: Da bleibt kein Auge trocken

Spiele
19.08.2013 13:05
Unter Freunden schräger und politisch nicht immer ganz korrekter Unterhaltung genießt die "Saints Row"-Serie von Volition Kultstatus. Nachdem die Zukunft der Open-World-Serie durch die Pleite des Spiele-Publishers THQ eine Weile ungewiss war, wurde der vierte Teil der Saga rund um den schrägen Helden-Trupp nun unter dem Dach von Deep Silver fertig gestellt. Ob das absurde Open-World-Game, das am 23. August erscheint, trotz dieser Turbulenzen spielerisch zu überzeugen weiß, klärt unser Test.

Wie absurd die Story von "Saints Row IV" ist, erahnt man bereits nach den ersten Spielminuten. Der Spieler, seines Zeichens Nationalheld und Mitglied der legendären "Saints"-Truppe, ist nämlich niemand Geringerer als der US-Präsident. Als solcher trifft er folgenschwere Entscheidungen – etwa, ob er lieber Krebs heilen oder den Welthunger besiegen möchte - und gibt verhasste Pressekonferenzen.

Absurder Schmäh gegen böse Aliens
Bei einer solchen Pressekonferenz passiert es dann auch: Die Erde wird von einem außerirdischen Feind, dem bösartigen Zin-Imperium, angegriffen. Die Kompagnons des Spielers werden entführt, der Anführer der Aliens versohlt uns gründlich den Hintern – und sperrt den vom Spieler selbst designten Helden in eine computergenerierte Welt, die das Ego des Spielers brechen soll. Wer sich jetzt an Filme wie "Independence Day" und "Matrix" erinnert fühlt, der liegt nicht ganz falsch.

Letztlich ist "Saints Row IV" nämlich eine witzige Aneinanderreihung von Anspielungen zu Filmen, Spielen und Popkultur der vergangenen Jahrzehnte. Da kommt "Mass Effect" ebenso zum Handkuss wie die "Matrix"-Trilogie, der "Terminator", Valves "Portal" oder die "Call of Duty"-Reihe. Auch der aktuelle Trend zu Dubstep-Musik wird von den Entwicklern auf die Schippe genommen. Kurzum: "Saints Row IV" lässt keine Klischees aus und bietet Fans politisch nicht ganz korrekten Humors reichlich Futter.

"Prototype"-Gameplay in Steelport
Aber auch spielerisch macht "Saints Row IV" durchaus Spaß. Der Großteil des Spiels findet in der bereits aus dem Vorgänger bekannten Stadt Steelport statt – beziehungsweise dem virtuellen Abbild selbiger, aus dem wir durch das Erledigen von Aufträgen und Aliens zu fliehen versuchen. Der Vorteil an der virtuellen Stadt: Wie schon in den "Matrix"-Filmen darf der Spieler allerlei Superkräfte einsetzen, die ihm in der Realität verwehrt bleiben würden.

So kommt es, dass man schon nach relativ kurzer Zeit in bester "Prototype"-Manier senkrechte Hauswände emporläuft, mit Riesensätzen von Dach zu Dach springt und zwischendurch durch Häuserschluchten gleitet. Super-Sprint-Fähigkeiten und etliche Offensiv-Fertigkeiten runden die freischaltbaren Superkräfte des Spielers ab. So kommt es auch, dass trotz der bereits aus dem Vorgänger bekannten Stadt so schnell keine Langeweile aufkommt, schließlich erlebt man sie oft aus ganz neuen Perspektiven.

Superkräfte machen manches überflüssig
Neben den Superkräften steht dem Spieler bei seinem Versuch, der Computersimulation zu entfliehen, ein ganzes Arsenal witziger Wummen zur Verfügung. Unser besonderer Liebling: Die "Dubstep-Kanone", die Gegner durch unangenehme Melodien in die ewigen Jagdgründe schickt. Es gibt aber freilich auch jede Menge "normaler" Pistolen, Maschinenpistolen und Schrotflinten. 

Während man die gerade anfangs noch recht häufig nutzt, vermöbelt man Feinde im fortschreitenden Spielverlauf immer öfter mithilfe der Superkräfte. Das nimmt den Waffen – ebenso wie den steuerbaren Fahrzeugen in der offenen Spielwelt – teilweise ein wenig die Daseinsberechtigung, schadet dem Spiel unserer Ansicht nach aber nicht.

Optisch nicht mehr auf der Höhe der Zeit
Unangenehmer fällt da schon die mittlerweile etwas altbackene Optik auf. "Saints Row IV" sieht im Grunde nicht viel anders aus als der Vorgänger. Die Texturen könnten hochauflösender sein und auch die Charaktere könnten etwas mehr Details vertragen. 

Hübsch anzusehen sind dafür die Licht- und Explosionseffekte, die die betagte Optik ein bisschen aufhübschen. Weil das Game keine High-End-Grafik bietet, läuft es auch auf älteren Rechnern vernünftig. Wir konnten es sogar mit einer betagten Radeon HD 5750 in Full-HD-Qualität spielen.

Sehr gute Sprachausgabe, professionelle Sprecher
Während sich "Saints Row IV" optisch nicht vollends mit Ruhm bekleckert, weiß es akustisch durchaus zu gefallen. Das fängt bei der gelungenen englischen Sprachausgabe mit durchwegs gut gewählten Sprechern an, setzt sich beim teils aus den veräppelten Filmen entlehnten Soundtrack fort und endet bei der schönen Vertonung der Hintergrundgeräusche Steelports. Deutsche Untertitel sorgen dafür, dass man keinen Gag verpasst.

Nettes Detail: Der Spieler darf in "Saints Row IV" nicht nur seinen eigenen abgedrehten Charakter designen, sondern auch dessen Stimme bestimmen. Zur Auswahl stehen verschiedene Männer- und Frauenstimmen und eine vom Synchronsprecher-Urgestein Nolan North ("Assassin's Creed", "Call of Duty", "Dragon Age") eingesprochene Variante.

Steuerung gelungen, auf Gamepad optimiert
Bei der Steuerung lässt sich "Saints Row IV" nichts zu Schulden kommen. Der Protagonist reagiert zügig auf Eingaben, wenngleich man gerade beim Reisen mit Superheldengeschwindigkeit hin und wieder zu langsam reagiert. 

Das liegt aber am extremen Tempo, mit dem sich der Spieler durch Steelport bewegt und nicht an einer missratenen Steuerung. Am PC kann das Spiel mit Maus und Tastatur gespielt werden, spaßiger ist es aber mit dem Gamepad, zumal die Steuerung vom Entwickler auch auf diese Eingabemethode optimiert wurde.

Zu zweit durch Steelport im Coop-Multiplayer
Einen Mehrspieler-Modus gibt's ebenfalls. Wer mag, kann die schrägen Aufträge in "Saints Row IV" gemeinsam mit einem Freund im Coop-Modus absolvieren – sowohl im LAN, als auch online. Die Aufträge unterscheiden sich dabei nicht groß von jenen im Einzelspielermodus. Zu zweit Unruhe auf den Straßen von Steelport zu stiften, macht dann aber doch noch ein Stück mehr Spaß als alleine.

Fazit: Mit "Saints Row IV" liefert Deep Silver einen witzigen "GTA"-Konkurrenten, der sich selbst nicht ganz ernst nimmt und mit seinen vielen Anspielungen auf populäre Spiele und Filme für weit mehr als nur den einen oder anderen Lacher gut ist. Klar nimmt das Game Anleihen bei anderen Open-World-Games, insbesondere bei der "Prototype"-Serie haben sich die "Saints Row"-Macher dieses Mal recht ungeniert bedient. Weil aber das Endprodukt zu gefallen weiß und sich nur bei der Optik Schwächen leistet, sehen wir gerne darüber hinweg. Wer nach einem völlig abgedrehten Open-World-Game sucht, um sich die Wartezeit auf "GTA V" zu vertreiben, der ist bei den "Saints" an der richtigen Adresse.

Plattform: PC (getestet), PS3, Xbox 360
Publisher: Deep Silver

krone.at-Wertung: 8/10

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Spiele
19.08.2013 13:05
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

KMM
krone.at
krone.at
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung