Die Story zu "Cloudberry Kingdom" ist eine amüsante Parodie auf die Prinzessinnen-Rettungsmissionen aus den "Super Mario"-Games. Unser Held Bob wähnt sich im Intro bereits am Ziel seiner Reise, gibt dem Bösewicht Kobbler eines auf die Mütze und macht sich an die Rettung der Prinzessin, wie sich das in Jump'n'Runs nun einmal gehört.
Unglücklicherweise ist der böse Kobbler allerdings nicht so bewusstlos, wie zunächst vermutet, und schmeißt unseren Helden von jenem hohen Berg, auf dem kurz zuvor die Entscheidungsschlacht getobt hat. Die Folge: Bob darf sich aufs Neue zur Prinzessin durchkämpfen. Dabei stößt er auf völlig abgedrehte Levels, die zwar nicht mit Unmengen an Gegnern aufwarten, dafür aber die Geschicklichkeit des Spielers extrem fordern.
Spieler darf den Helden selbst designen
Den Helden Bob darf der Spieler dabei nach Belieben gestalten. Ein Bob mit Ninja-Kostüm, Schnauzbart und Hasenohren ist ebenso möglich wie ein knallbunter Harlekin mit Federkopfschmuck. Wie der Held letztlich aussieht, ist zwar für den Spielverlauf egal, die Idee an sich ist aber witzig umgesetzt. Nach der Charaktererstellung geht es auch schon ins Spiel.
Das besteht Jump'n'Run-typisch aus mehreren in Abschnitte unterteilten Gebieten, durch die sich Bob kämpfen muss, während er nebenbei Münzen sammelt. Und die einzelnen Levels haben es wirklich in sich. Nachdem sich der Spieler in den ersten Abschnitten mit der Steuerung vertraut gemacht hat, legt das Spiel richtig los und wirft Bob in einen Spießrutenlauf, bei dem man sich mehr als nur einmal die Frage stellt, ob und wie das denn überhaupt zu schaffen ist.
Zum Glück hat der Held bei seinem Hürdenlauf durch die mit Hindernissen und Todesfallen gespickten Levels einige Spezialfähigkeiten in petto. Diese Fertigkeiten – man darf unter anderem ein Jetpack, eine Hüpfstange und einen Raketenwagen benutzen – werden im Spielverlauf in unregelmäßigen Abständen freigeschaltet und bringen reichlich Abwechslung ins Game, weil sich Bob mit jeder Fähigkeit ein bisschen anders steuert und die Levels an die gerade aktuelle Spezialfähigkeit angepasst werden.
Spießrutenlauf-Levels mit Wiederspielwert
Gegner bekämpft man in "Cloudberry Kingdom" kaum. Muss auch nicht sein, sind doch die mit tödlichen Lasern, aus dem Boden hervorschießenden Dornen, an Ketten baumelnden Morgensternen und allerlei sonstigen Folterinstrumenten gespickten computergenerierten Landschaften schon Feind genug. Dass die Levels vom Computer gemacht werden, erhöht den Wiederspielwert. Sie sehen sich so zwar alle recht ähnlich, es gleicht jedoch auch keiner dem anderen.
Gelegentlich gilt es auch, einen Abschnitt trotz Hindernissen möglichst schnell abzuschließen. Dass der Spieler einen Spielabschnitt da manchmal erst nach einigen Dutzend Versuchen hinter sich hat, kommt vor. Das sorgt für reichlich Frust, im Fall eines Erfolgs aber auch für ein umso erhebenderes Gefühl.
Optisch nicht besonders abwechslungsreich
Während "Cloudberry Kingdom" spielerisch trotz oder gerade wegen des brachialen Schwierigkeitsgrades durchaus zu gefallen weiß, reißt es optisch keine Bäume aus, was vermutlich auch dem schmalen Budget des Entwicklers geschuldet ist.
Die einzelnen Levels innerhalb eines größeren Gebietes sehen oft weitgehend ident aus, das Gleiche gilt für die Hindernisse. Optische Abwechslung gibt es meist nur beim Wechsel von einem Gebiet ins nächste. Dann gleichen sich die einzelnen Levels jedoch abermals bis zum nächsten Gebietswechsel.
Hörenswerter Soundtrack, "Hercules"-Sprecher
Was dem Spiel an optischer Opulenz fehlt, macht es dafür durch seinen tollen Sound wieder wett. Wer auf elektronische Musik steht, wird dem treibenden Drum'n'Bass-Soundtrack womöglich sogar Ohrwurmqualitäten attestieren.
Aber auch wenn man kein Freund der Musikrichtung ist, bietet der Soundtrack eine gelungene Untermalung für das Spiel. An den Umgebungsgeräuschen gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Und dass die Entwickler trotz des begrenzten Budgets den aus den TV-Serien "Hercules" und "Andromeda" bekannten Schauspieler Kevin Sorbo als Sprecher gewinnen konnten, erstaunt.
Im Koop-Modus ärgert man sich doppelt
Wer sich gemeinsam über die fiesen Levels in "Cloudberry Kingdom" ärgern mag, kann das in einem kooperativen Mehrspielermodus für bis zu vier Spieler tun, dessen Frustpotenzial allerdings noch größer ist als jenes der Einzelspielervariante. In den ohnehin schon mit Hindernissen und winzigen Plattformen gespickten Levels, wird es mit jedem weiteren Spieler gleich noch mal ein Stück hektischer.
Alternativ darf sich der Spieler nach Abschluss des Einzelspielerabenteuers aber auch in einigen anderen Modi beweisen. Besonders fies: Der Arcade-Modus, bei dem der Spieler im Gegensatz zum normalen Abenteuer bei jedem virtuellen Tod ein Leben verliert und entsprechend schnell den Schriftzug "Game Over" erblickt. Wer es ganz extrem mag, der kann "Cloudberry Kingdom" auch gegen die Zeit spielen.
Fazit: Für Masochisten und Pro-Gamer
"Cloudberry Kingdom" sorgte bei unserem Test für ein Wechselbad der Gefühle. Mal hasst man das Spiel für den schlicht perversen Schwierigkeitsgrad, der in manchen Levels vorherrscht. Mal liebt man es dann aber wieder, weil einen nach einem geschafften Spießrutenlauf ein Gefühl maßlosen Stolzes überkommt.
Für Einsteiger ist das Budget-Game, das es in den einschlägigen Download-Shops für rund zehn Euro zu kaufen gibt, wahrscheinlich äußerst frustrierend. Wer aber emotional stabil und auf der Suche nach neuen Herausforderungen ist, der kann ruhig einen Blick auf "Cloudberry Kingdom" werfen. Für zerstörte Eingabegeräte übernehmen wir allerdings keine Verantwortung.
Plattform: PS3, PC, Wii U (getestet), Xbox 360
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 7/10
Übrigens: Der Entwickler hat Versionen für die PS Vita, MacOS und Linux angekündigt. Auf diesen Plattformen soll das Game im Herbst erscheinen.
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