Ihn hatte keiner auf der Rechnung: Christian Stocker wird der nächste Bundeskanzler. Wie der Mann lebt und tickt, der in Jeans und Pulli zur Vorstandssitzung kam, weil er eigentlich zurücktreten wollte.
Es ist der 4. Jänner. Karl Nehammer ist als ÖVP-Kanzler zurückgetreten. In den späten Abendstunden verlässt Christian Stocker das Kanzleramt. Auf der majestätischen Treppe gibt sich Stocker fest entschlossen: „Wenn der Kanzler zurücktritt, dann geht auch sein Generalsekretär. Ich werde morgen meinen Abgang bekannt geben.“
Er kam in Pulli und Jeans – wollte zurücktreten
Zur ÖVP-Vorstandssitzung am 5. Jänner, wo über Nehammers Nachfolge beraten wurde, kam er in Jeans und Pullover – quasi schon als Privatmann. Doch es kam anders: Wenige Stunden später wurde der Wiener Neustädter Vizebürgermeister zum ÖVP-Chef gekürt – mit der Auflage, eine unrühmliche 180-Grad-Drehung zu vollziehen und doch mit Herbert Kickl zu verhandeln. Dafür musste er sein Anti-Kickl-Versprechen brechen.
Für die erste Pressekonferenz musste der Anzug extra nach Wien geliefert werden. Sieben Wochen später tritt Plan B in Kraft: Stocker wird am Ballhausplatz einziehen – als neuer ÖVP-Kanzler, den niemand auf der Rechnung hatte.
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