17.07.2013 10:30 |

Ohne Geld und Arbeit

Cleveland-Held: "Der Ruhm hat mein Leben zerstört"

Noch im Mai war er der große Star und wurde nicht nur in Cleveland, sondern auf der ganzen Welt für seine Taten gefeiert, jetzt ist er laut eigenen Aussagen arbeits- und obdachlos. Der Ruhm habe sein Leben zerstört, meint Charles Ramsey, der drei seit zehn Jahren gefangenen Frauen die Flucht ermöglichte (siehe auch Infobox). An dieser Heldentat hegen Nachbarn mittlerweile allerdings starke Zweifel. Ramsey habe sich damals nur in den Vordergrund gedrängt, den Frauen geholfen hätten andere.

Mit markigen Sagern wurde der 45-jährige Ramsey über Nacht ein Star und zum "Nationalhelden" hochstilisiert. Eine Medaille, die aber auch eine Schattenseite hatte, wie er nun im Interview mit der britischen "Daily Mail" beklagt: "Ich bin pleite, Bruder. Das ist die ganze Wahrheit." Wegen seines Ruhms bekomme er mittlerweile nirgends mehr Arbeit als Küchenhilfe. Jedes Restaurant, das ihn anstelle, sei danach von Kunden gestürmt worden - aber lediglich, um ihm für seine Heldentat zu gratulieren. Daher würde ihn nun niemand mehr anstellen.

Um sich der ganzen Aufmerksamkeit zu entziehen, sei er kurz nach seinem legendären TV-Auftritt auch aus dem Haus direkt neben jenem des Entführers Ariel Castro ausgezogen und habe eine Zeit in einem Hotel außerhalb von Cleveland gelebt. Seitdem er sich dies nicht mehr leisten könne, habe er zeitweise in seinem - für 8.000 Dollar frisch gekauften - BMW und dann bei Bekannten geschlafen.

Ramsey: "Neider haben kleine Gehirne"
Viele würden nun glauben, dass er jede Menge Geld durch seine Bekanntheit verdient habe, dem sei aber nicht so. Insgesamt habe er 15.000 Dollar durch seine Taten und Auftritte lukriert, mit einem Teil davon habe er sich auch das neue Auto gekauft. "Ja, ich habe mir ein Auto gekauft, so wie viele andere Menschen auch. Wir wollen halt nicht zu Fuß gehen oder mit dem Bus fahren. Wir kaufen uns Autos." Nun sei von dem Geld aber nichts mehr da.

"Er ist reich, er hat alles", macht Ramsey sich über seine Neider, denen er "lediglich kleine Gehirne" unterstellt, lustig. "Wirklich? Nein, ich borge mir Geld von meinen Verwandten. Ich hebe nicht mal mehr ab, wenn meine Kreditgeber anrufen." Kein Geld, keine Arbeit, keine Wohnung, und dennoch will Ramsey weiterhin berühmt sein: "Würde ich mir wünschen, dass ich nicht mehr berühmt bin? Natürlich nicht, das würde ich nie und nimmer gerne aufgeben. Aber ich würde gerne zumindest so weit zurück zur Normalität, dass ich nicht überall immer im Mittelpunkt stehe."

Nachbarn zweifeln Ramseys Heldentat an
Dass er seit Mai so sehr im Mittelpunkt steht, ist aber nicht nur dem 45-Jährigen selbst ein Dorn im Auge. In den letzten Wochen haben sich vermehrt ehemalige Nachbarn bei Medien gemeldet, die Ramseys Version der Befreiungsaktion stark in Zweifel ziehen. Angeblich hätte nämlich nicht er, sondern der ursprünglich aus der Dominikanischen Republik stammende Angel Cordero die Tür zum "Horror-Haus" eingetreten, nachdem ihn eine Nachbarin auf die an der Tür weinende Amanda Berry aufmerksam gemacht hatte.

Die ebenfalls bei der Rettungsaktion anwesende Aurora Marti erinnert sich so an den damaligen Tag: "Charles (Ramsey, Anm.) hat überhaupt nichts gemacht, um Amanda zu helfen. Ich und zwei andere Menschen haben das getan, Angel Cordero und Altagracia Tejera." Ramsey sei erst aufgetaucht, als Amanda bereits in Freiheit war - die Frau hätte ihn aber, entgegen seinen Aussagen, damals auch nicht umarmt, sondern sich in die Arme eines Polizeibeamten geworfen.

Legendäres Interview nur, weil er Englisch konnte?
Warum Charles Ramsey dann jedoch den ganzen Ruhm einstecken konnte, erklärt sich die "Daily Mail" vor allem damit, dass er im Gegensatz zu den drei oben genannten Personen Englisch sprach und auf seine lockere Art gern Interviews gab. Die angeblich wahren Helden der Geschichte wurden aufgrund der Tatsache, dass sie lediglich Spanisch sprachen, hingegen nicht beachtet.

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