Bis zu 1.000 Kubikzentimeter Hubraum und rund 250 Pferdestärken leisten die Motorräder, die in der Königsdisziplin des Zweiradsports von wahren Teufelskerlen in die Kurven gedrückt werden. Quietschende Reifen, rasante Überholmanöver, der Rausch der Geschwindigkeit und spektakuläre Stürze stehen an der Tagesordnung. Einen Eindruck dieser nervenaufreibenden Renn-Action liefert Publisher Milestone mit seinem aktuellen "MotoGP 13".
Originalschauplätze und bekannte Fahrer
Während viele andere Rennspiele mittlerweile auf eine Story, zugängliches Fahrverhalten und spektakuläre Rennen setzen, ist "MotoGP 13" im Kern mehr Höllenstuhlsimulation als Arcade-Racer. Das zeigt sich schon zu Beginn des Spiels recht deutlich. Wo andere aktuelle Rennspiele versuchen, den Spieler mit mäßig spannenden Hintergrundgeschichten ins Spiel einzuführen, verzichtet "MotoGP 13" auf jegliche Handlung und schmeißt den Spieler ins kalte Wasser.
Sofortrennen für kurzweiligen Rennspaß, verschiedene Turniere gegen die Abbilder realer Fahrer auf digitalen Versionen der MotoGP-Originalstrecken, ein witziger Mehrspielermodus mit Split-Screen-Option – das sind die Stärken von "MotoGP 13". Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Untermalt wird das Spiel durch zahlreiche kurze Videoclips, in denen die Schauplätze und Strecken näher vorgestellt werden, das war's dann aber auch schon ziemlich mit den Dreingaben.
Mehr Simulation als kurzweiliges Rennspiel
"MotoGP 13" ist nämlich vor allem eines: eine schnörkellose, puristische Motorrad-Rennsimulation mit realistischem Fahrverhalten, großen Namen und Originalschauplätzen. Das merkt man als Spieler beim Start des ersten Rennens, spätestens in der ersten Kurve. Haudrauf-Rennfahrer, die in anderen Games gerne mal an der Leitplanke Schwung holen, sind hier völlig falsch. Wer vorne mitfahren will, muss behutsam vorgehen.
Auf Geraden das Maximum an Geschwindigkeit herausholen, vor Kurven rechtzeitig auf ein gesundes Tempo herunterbremsen und in extremer Schräglage am Limit in Ideallinie um die Kurve huschen, nur um danach sofort wieder am Gasgriff zu drehen und auf 200 Kilometer pro Stunde und mehr zu beschleunigen, das ist der wahre Spielinhalt von "MotoGP 13". Dass man dabei versuchen sollte, Ausflüge in die Botanik und Kollisionen mit anderen Fahrern zu vermeiden, versteht sich von selbst. Wer das nicht beherzigt, fliegt erbarmungslos von seiner Maschine.
Realistisches Fahrverhalten macht es Anfängern schwer
Dabei dürfte das Fahrverhalten besonders Motorrad-Enthusiasten Freude bereiten. Allzu enge Kurven sind mit den schnellen, schweren Maschinen wegen des großen Wendekreises eine echte Herausforderung. Es gilt, vorausschauend zu fahren und die Ideallinie zu nutzen, um am Feld vorbeizuziehen. Aus Sicht des wahren MotoGP-Fans dürfte das goldrichtig sein, die Zugänglichkeit des Spiels für Motorrad-Neulinge leidet jedoch unter dem Realitätsanspruch. Das träge Fahrverhalten und die weiten Wendekreise können bei Einsteigern durchaus für Frust sorgen.
Abgesehen vom für Motorrad-Freaks sicherlich lobenswert realistischen Fahrverhalten bietet die Steuerung von "MotoGP 13" in der PC-Version allerdings wenig Anlass zur Freude. Die Tastaturbelegung wirkt zufällig, von PC-Spielern für Renn-Games gern genutzte Controller wie das Xbox 360-Gamepad werden nicht zuverlässig erkannt und mussten im Test erst von Hand eingestellt werden.
Altbackene Optik und unpassender Sprecher
Und auch optisch bekleckert sich Milestone nicht gerade mit Ruhm. Die Fahrer und Maschinen sind zwar allesamt gut und detailliert umgesetzt, die Strecken wirken allerdings statisch und ohne Leben. Im Vergleich zu aktuellen Rennspielen wie dem kürzlich getesteten "GRID 2" wirkt die Grafik, als hinke sie mehrere Jahre hinterher. Dass "MotoGP 13" während der Installation auf das Aufspielen von DirectX 9 und einen anschließenden Neustart besteht, lässt schon vor dem ersten Spielstart wenig Gutes erahnen.
Die Strecken wirken schlicht steril, ein Mittendrin-Gefühl kommt so nicht auf – am ehesten fühlt man den Rausch der Geschwindigkeit noch in der anwählbaren Ego-Perspektive. Die grafische Umsetzung, das muss man in aller Deutlichkeit feststellen, ist nicht die Stärke des italienischen Entwicklerstudios.
Dafür gibt's am Sound nur wenig zu meckern. Das hochfrequente Heulen der 250-PS-Motoren ist gut getroffen, der deutsche Sprecher vermittelt allerdings nicht unbedingt den Eindruck, im Motorrad-Zirkus zu Hause zu sein.
Fazit: Für Motorrad-Enthusiasten, die Wert auf realistisches Fahrverhalten legen und über andere Schwächen hinwegsehen können, ist "MotoGP 13" sicherlich eine Überlegung wert. Wer aber vor allem ein zugängliches Rennspiel sucht, das auch mal einen Fehler verzeiht und bei dem Realismus nicht oberstes Gebot ist, der wird mit anderen Spielen glücklicher. Auch wenn Milestone beim Gameplay selbst vieles richtig macht und Fans der Königsklasse des Motorradsports mit der aktuellen Lizenz, bekannten Fahrern und Strecken verwöhnt, trüben doch einige Schwächen – allen voran die altbackene Optik - den Spielspaß.
Plattform: PC (getestet), PS3, PS Vita, Xbox 360
Publisher: Milestone
krone.at-Wertung: 6/10
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