„Ois vü leichta“ verspricht das neue Album von Martin Spengler & den foischn Wienerinnen. Der gebürtige Linzer suhlt sich darauf wieder erfolgreich im Regionalen und wärmt das Herz mit dunkelhellen Geschichten über die Liebe und das Leben. Bald auch live quer durch Österreich.
Wenn man nicht mit der Zeit geht, dann geht man mit der Zeit. Frei nach diesem gültigen Motto hat der gebürtige Linzer Martin Spengler seine Band nun gegendert. Martin Spengler & Die foischn Wienerinnen lautet der gewählte Terminus jetzt, obwohl Weiblichkeit im musikalischen Korsett auch schon vor der neuen Platte ein wichtiges Merkmal war. „Ois vü leichta“ nennt sich die brandneue Scheibe des rustikalen, aber keinesfalls eingerosteten Quartetts, das sich einmal mehr der musikalischen Zartheit hingibt, um sich zwischen Wienerlied, Schrammelkultur, Jazz-Anflügen und Bossa Nova zu suhlen und ganz bewusst keine Richtung einzuschlagen, die auch nur irgendwie nach Genre-Zugehörigkeit duftet.
Die Liebe und das Leben
Weit mehr als ein Jahrzehnt musiziert die Truppe mittlerweile durch die Konzertsäle und lässt dabei Heurigenstimmung ohne den Mief des Verquer-Traditionellen aufkommen zu lassen. „Ois vü leichta“ kann dabei als Auftrag, wie auch Empfehlung herangezogen werden – Leichtigkeit ist jedenfalls eine Kernkompetenz des Komponisten, der sich in seinen handgemachten Liedern aber bewusst von jedweder Form der Naivität entfernt. Nichts wirkt hier gekünstelt oder auf dem Reißbrett entworfen, dafür steckt viel zu viel Liebe und Herzblut in den einzelnen Songkapiteln, die sich im Großen und Ganzen um die verschiedenen Facetten der Liebe und das Leben drehen, wie man es nicht nur, aber besonders in Wien oft erlebt.
Da zeigt man sich für das Gegenüber gerne einmal „Gschneizt & kampelt“, huldigt dem kultigen Ottakringer Weinhaus „Sittl“ in fast schon ehrfürchtiger Art und Weise und gibt augenzwinkernde Tipps, wie sich das Leben bestreiten ließe, „Waun i du waa“. Die dunklen Abgründe des Seins reflektieren die helle Grundausrichtung der Songs. Wie immer, wenn man Österreich generell und Wien im Speziellen besingt und beschreibt, mischt sich eine kräftige Portion Schwermut in die Leichtigkeit des Daseins. Das entschlackte „Baba“ ist etwa ein Songkapitel, das sich grazil in die Gehörgänge schleicht und dabei eine Vielzahl an unterschiedlichen Emotionen im Hörer evoziert. Politisches streift man nur im „Buberl-Partie“-kritischen „Ollas geht“, das angesichts der Rasanz innenpolitischer Zerwürfnisse fast schon wieder wie ein Mahnmal von vorgestern wirkt. In „Weida geh“ wird es sogar international, denn dort werden die zwei grantigsten Nicht-Wiener gesungen: die Gallaghers von Oasis.
Release-Konzerte in Österreich
Die foischn Wienerinnen lassen den Kontrabass brummen, die Knopfharmonika singen und das Rhodes Piano schmachten – neben Spengler gibt Percussionistin Bibiane Zimba einen stimmlich interessanten Gegensatz, der sich wunderbar in die offen zur Schau gestellte Gemächlichkeit einstellt. Zuweilen würde man sich hie und da etwas mehr Tempo und Mut zum Ausbruch wünschen, aber das würde möglicherweise das träumerische Grundkorsett zu sehr verwässern. Live kann man Martin Spengler & Die foischn Wienerinnen bei diversen Release-Konzerten sehen. Etwa am 31. Jänner im Linzer Brucknerhaus, am 7. Februar im Stadtsaal Wien oder am 14. Februar im Salzburger Oval. Unter www.martingspengler.at gibt es alle weiteren Informationen zu den Konzerten.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.