Uraufführung: In „Am Fluss“ von Mazlum Nergiz bittet das Schauspielhaus an den Hudson River – und lässt ein tolles Ensemble allzu richtungslos mäandern.
Irgendwo in der Porzellangasse muss derzeit der Hudson River fließen. Aus New York wurde sein alter Hafen hinter einem Bretterverschlag ins Schauspielhaus übersiedelt. Denn Mazlum Nergiz hat in „Am Fluss“ abgeklopft, was der Hudson, sein alter Hafen, ein großer Strom generell alles so hergibt.
Etwa Sexualforscher Wilhelm Reich, dessen Bücher 1956 am Hudson-Ufer verbrannt wurden. Er schreit seine Wut hinter dem Bretterverhau hervor. Den wird dann 1975 Künstler Gordon Matta Clark niederreißen, um mit der Motorsäge Löcher in die alten Hafengebäude zu schneiden.
Dort, wo sich inzwischen Schwule zum Sex treffen. Auch die zwei am stärksten ausgearbeiteten Charaktere in diesem doch eher wässrig mäandernden Theatertext: Christopher und Dan.
Dazwischen hat noch Aktionskünstlerin Ana Mendieta ihren Auftritt. 1985 stürzte sie wenige Kilometer vom Hafen entfernt unter bis heute ungeklärten Umständen aus dem 38. Stock in den Tod.
Der kommt auch mit Aids ins Spiel. Dan stirbt daran. Davor lässt die um Form bemühte Regisseurin Christiane Pohle noch ein schrill campes Defilee über die Bühne wirbeln. Die große Stärke des in Deutsch, Slowakisch und Übertiteln gespielten Abends sind die großartigen Akteure. Und dass es sich um eine Koproduktion mit dem arg von Rechts bedrängten Slowakischen Nationaltheaters handelt.
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