Kunsthalle Prag

Die Stille, aus Rot und Schwarz gesponnen

Kunst
01.12.2024 16:18

Die Kult-Künstlerin Chiharu Shiota entführt in ihrer ersten Ausstellung in Tschechien die Besucher mit magischen Räumen auf die Suche nach der unbeständigen Seele.

kmm

Erstaunliche 400 Kilometer an Fäden ziehen sich derzeit durch die Kunsthalle Prag, sind in ihr versponnen, hängen von Decken. Die Länge reicht locker bis nach Berlin. Dort lebt seit 1996 die 1972 in Japan geborene Künstlerin Chiharu Shiota.

Von der Moldau inspiriert: Schwebende Boote im roten Nebel zeigt die Installation „Crossing ...
Von der Moldau inspiriert: Schwebende Boote im roten Nebel zeigt die Installation „Crossing Paths with Fate“ („Wegkreuzungen mit dem Schicksal“)(Bild: Kunsthalle Prag / Vojtěch Veškrna)

In Österreich hat sie zuletzt für die Kulturhauptstadt Salzkammergut im KZ Ebensee eine viel beachtete Arbeit geschaffen.2022 faszinierten ihre in der Landesgalerie Niederösterreich in Krems in rote Wolle eingesponnenen Donau-Zillen.

Die durch Prag fließende Moldau inspirierte eine von vier raumfüllenden, begehbaren Installationen, die jetzt in der 2022 eröffneten Kunsthalle Prag zu sehen ist, in Shiotas erster Schau in Tschechien. Die Kunsthalle ist eine private Institution, die in einem Architekturjuwel vom Beginn der 1930er-Jahre, der Zenger-Transformationsstation, eingerichtet wurde, um in Prag vor allem zeitgenössische Kunstimpulse zu setzen.

Kleider und Ringe wirbeln bei „Multiple Realities“ durch die Luft.
Kleider und Ringe wirbeln bei „Multiple Realities“ durch die Luft.(Bild: VESKRNA.CZ)

Mit der Shiota-Personale „The Unsettled Soul“ (etwa „unbeständige Seele“)gelingt das eindrucksvoll. Man durchwandert fasziniert die Kunsthalle, in die Shiota wundersame, die Wahrnehmung weitende Orte implementiert hat. Poetische Seelen- und Stimmungsräume, die Fragen zu Existenz, Vergänglichkeit, Vergangenheit und Gegenwartaufwerfen wollen.

Wie eine Regenwand hängen da etwa die Fäden in „Crossing Paths with Fate“ von der Decke. Der Raum scheint sich aufzulösen, bis aus dem roten Nebel schwebende Boote hervorstechen.

Ein verbrannter Flügel wurde in Kilometern von schwarzer Wolle eingesponnen: „Silent Concert“.
Ein verbrannter Flügel wurde in Kilometern von schwarzer Wolle eingesponnen: „Silent Concert“.(Bild: Kunsthalle Prag / Vojtěch Veškrna)

Denn wie die Donau ist auch die Moldau für Shiota ein Durchgangsweg, der den Austausch zwischen Menschen und Kulturen ermöglicht, ein „Träger unserer Hoffnungen und Träume“. Das Rot steht bei Shiota dabei für Leben, sorgt gleich Blutgefäßen für menschliche Verbindungen.

Kleider, eines ihrer wiederkehrenden Motive, wirbeln schwebend im nächsten Raum, als Sinnbild der „Zweiten Haut“, als Reminiszenz an den eigenen Körper. Neben den rezenten Installationen gibt es auch einen Einblick in frühere Arbeiten, aktionistische Fotoserien und Videos.

Chiharu Shiotas frühere Arbeiten aus den 1990er-Jahren.
Chiharu Shiotas frühere Arbeiten aus den 1990er-Jahren.(Bild: Kunsthalle Prag / Vojtěch Veškrna)

Schwarz spannt sich bei Shiota schließlich die Unendlichkeit des Kosmos auf, geht es in die Tiefen des Unbewussten. Zu erleben in „Silent Concert“, wo ein verbrannter Flügel im gewaltigen Raumgeflecht gefangen ist. Das Instrument muss hier schweigen, denn so sagt Chiharu Shiota: „Meine wahre Stimme hat keinen Klang.“

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Kunst
01.12.2024 16:18
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung