Die Kult-Künstlerin Chiharu Shiota entführt in ihrer ersten Ausstellung in Tschechien die Besucher mit magischen Räumen auf die Suche nach der unbeständigen Seele.
Erstaunliche 400 Kilometer an Fäden ziehen sich derzeit durch die Kunsthalle Prag, sind in ihr versponnen, hängen von Decken. Die Länge reicht locker bis nach Berlin. Dort lebt seit 1996 die 1972 in Japan geborene Künstlerin Chiharu Shiota.
In Österreich hat sie zuletzt für die Kulturhauptstadt Salzkammergut im KZ Ebensee eine viel beachtete Arbeit geschaffen.2022 faszinierten ihre in der Landesgalerie Niederösterreich in Krems in rote Wolle eingesponnenen Donau-Zillen.
Die durch Prag fließende Moldau inspirierte eine von vier raumfüllenden, begehbaren Installationen, die jetzt in der 2022 eröffneten Kunsthalle Prag zu sehen ist, in Shiotas erster Schau in Tschechien. Die Kunsthalle ist eine private Institution, die in einem Architekturjuwel vom Beginn der 1930er-Jahre, der Zenger-Transformationsstation, eingerichtet wurde, um in Prag vor allem zeitgenössische Kunstimpulse zu setzen.
Mit der Shiota-Personale „The Unsettled Soul“ (etwa „unbeständige Seele“)gelingt das eindrucksvoll. Man durchwandert fasziniert die Kunsthalle, in die Shiota wundersame, die Wahrnehmung weitende Orte implementiert hat. Poetische Seelen- und Stimmungsräume, die Fragen zu Existenz, Vergänglichkeit, Vergangenheit und Gegenwartaufwerfen wollen.
Wie eine Regenwand hängen da etwa die Fäden in „Crossing Paths with Fate“ von der Decke. Der Raum scheint sich aufzulösen, bis aus dem roten Nebel schwebende Boote hervorstechen.
Denn wie die Donau ist auch die Moldau für Shiota ein Durchgangsweg, der den Austausch zwischen Menschen und Kulturen ermöglicht, ein „Träger unserer Hoffnungen und Träume“. Das Rot steht bei Shiota dabei für Leben, sorgt gleich Blutgefäßen für menschliche Verbindungen.
Kleider, eines ihrer wiederkehrenden Motive, wirbeln schwebend im nächsten Raum, als Sinnbild der „Zweiten Haut“, als Reminiszenz an den eigenen Körper. Neben den rezenten Installationen gibt es auch einen Einblick in frühere Arbeiten, aktionistische Fotoserien und Videos.
Schwarz spannt sich bei Shiota schließlich die Unendlichkeit des Kosmos auf, geht es in die Tiefen des Unbewussten. Zu erleben in „Silent Concert“, wo ein verbrannter Flügel im gewaltigen Raumgeflecht gefangen ist. Das Instrument muss hier schweigen, denn so sagt Chiharu Shiota: „Meine wahre Stimme hat keinen Klang.“
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