Im "Director's Cut"

Spaltet erneut die Gemüter: “Deadly Premonition”

Spiele
10.05.2013 11:05
Dass Videospiele polarisieren, liegt an der Tagesordnung. Nur selten kommt es allerdings vor, dass sie dafür einen offiziellen Eintrag ins "Guinness-Buch der Rekorde" erhalten. So geschehen bei "Deadly Premonition", einem japanischen Grusel-Game, das nun in einer überarbeiteten Neuauflage vorliegt und den Rekord für das "polarisierendste Survival-Horror-Game" hält. krone.at hat das "beste schlechteste Spiel", wie die Website "GamesRadar" einst titelte, getestet.

"Deadly Premonition" erschien erstmals im Februar 2010 für Xbox 360 und PS3. Letzteres allerdings nur in Japan. Zwei Jahre später kehrt das die Gemüter spaltende Spiel als "Director's Cut" weltweit auf die Sony-Konsole zurück – mit einer neuen Storyline sowie einer überarbeiteten Grafik und Steuerung. So können Gamer nun etwa auch per Move-Bewegungssteuerung in das bizarre Geschehen eintauchen.

In dessen Mittelpunkt steht FBI Special Agent Francis York Morgan. Er rückt aus, einem mysteriösen Mord in dem nicht minder mysteriösen Städtchen Greenvale auf den Grund zu gehen. Dort sind offenbar okkulte Mächte am Werk, die recht bald auch York nach dem Leben trachten. Wehleidig klagende Schatten steigen aus dem Erdreich empor und dann wäre da noch ein ominöser, Axt schwingender Kapuzenmann mit rot glühenden Augen…

Um zu erfahren, was es mit ihm auf sich hat, müssen Spieler die offene Welt des Horror-Krimi-Survival-Adventures unter die Lupe nehmen und bei den großteils skurrilen Bewohnern Greenvales Ermittlungen anstellen. Mit dem Auto, sofern anständig gewartet und voll betankt, geht es dabei von A nach B, den dunklen, bedrohlich wirkenden Wald stets im Blick.

Befragungen von Zeugen und das Sammeln von Beweismaterialien wechseln sich zumeist mit unheimlichen Begegnungen der außergewöhnlichen Art ab, in denen es nach recht typischer Survival-Horror-Manier mit Eisenrohr oder Pistole gegen die Gegner zur Sache geht. Sorgen um den Munitionsvorrat braucht man sich in diesem Fall aber nicht zu machen: Zumindest mit der Standard-Kanone darf ausgiebig geballert werden.

Wurden die Nerven in den Grusel-Passagen über Gebühr strapaziert, wobei die Gründe dafür vielfältig sein können (dazu später mehr), der kann bei Freizeitaktivitäten wie einer Runde Darts oder dem Angeln von Fischen ausspannen. Auch das Reinigen des Anzugs ist möglich, um die Schmeißfliegen auf Abstand zu halten. Und wem gar nichts mehr einfällt, der legt sich aufs Ohr, um neue Energie zu tanken und den Kaffeekonsum in Grenzen zu halten.

Story hui, Optik pfui
Was "Deadly Premonition" jedoch so besonders und letzten Endes ambivalent macht, sind zwei Dinge: die Erzählweise auf der einen, und die Technik, Präsentation sowie das Gameplay auf der anderen Seite. In Bezug auf die audiovisuelle Aufbereitung lässt sich trotz diverser Optimierungen leider auch 2013 nur festhalten, dass das Spiel grottig aussieht und – mit Ausnahme des Soundtracks – auch so klingt. Die Steuerung wurde zwar verbessert, doch zu behaupten, dass es sich nun besonders einfach damit zielen ließe, wäre übertrieben, und auch die Kamera bereitet in den oftmals engen Gängen und Räumen häufiger Probleme.

Dies allein für sich bewertet, "Deadly Premonition" hätte wohl kaum einen Punkt verdient. Doch dem Titel gelingt, woran andere Spiele vielfach scheitern: Die im positiven Sinne bizarre Geschichte und ihre Dialoge sind derart spannend und fesselnd, dass man nicht umhinkommt, als über die technischen Versäumnisse hinwegzusehen und die Ermittlungen fortzusetzen, selbst wenn es Augen und Ohren teilweise noch so weh tut. Wer Spiele wie das 2006 erschienene "Fahrenheit", das übrigens bereits damals besser aussah, oder "Heavy Rain" liebt, kommt hier definitiv auf seine Kosten.

Fazit: Seinen Rekord hat sich "Deadly Premonition" redlich verdient. Selten sah ein Spiel nach heutigen Maßstäben schlechter aus und wusste dabei zugleich besser zu unterhalten als hier. Ein für alle Spielernaturen gleichermaßen befriedigendes Fazit zu ziehen, fällt daher schwer. Uns hat "Deadly Premonition" schon alleine deshalb gut gefallen, weil es zeigt, wie sehr sich Computer- und Videospiele inzwischen optisch wie spielerisch zum Positiven weiterentwickelt haben. Im selben Atemzug beweist "Deadly Premonition" aber auch, wie unbedeutend das Erscheinungsbild eines Spiels sein kann, solange dessen Geschichte zu fesseln weiß – und dies ist hier eindeutig der Fall. Ein Blick darauf lohnt sich also allemal.

Plattform: PS3 (getestet)
Publisher: Koch Media
krone.at-Wertung: 5/10

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