Letztendlich führte ein Tipp der „Krone“-Tierecke die ungarische Polizei auf die richtige Spur. Brigitta M. gilt als mutmaßlicher Kopf einer länderübergreifenden Welpen-Mafia. Sie flüchtete nach einer Großrazzia – wir haben berichtet – auf ihren ungarischen „Horror-Höfen“ in die Heimat Österreich.
Die „Krone“ machte am Dienstag die mutmaßliche Betrügerin und Tierquälerin in der Steiermark ausfindig und lieferte damit den Behörden in Ungarn den entscheidenden Hinweis.
Der Haftbefehl wurde daraufhin auf die gesamte EU ausgeweitet, um das Einschreiten der hiesigen Behörden zu ermöglichen. Die Polizei stattete Brigitta M. noch am selben Abend einen Besuch ab. Doch wer jetzt hofft, dass ein gültiger Haftbefehl gleichzeitig auch eine Vollstreckung bedeutet, wird nun enttäuscht.
Haftbefehl muss erst geprüft werden
Die Staatsanwaltschaft Graz muss noch prüfen, ob die Gesuchte überhaupt haftfähig ist und ob sie nach Ungarn ausgeliefert werden soll. Denn derzeit befindet sie sich in medizinischer Behandlung und entzieht sich damit vorerst weiteren Ermittlungen.
Abseits des schrecklichen Tierleids, das in ihrer „Vermehrungsstation“ – von Zucht kann hier keine Rede mehr sein – stattgefunden hat, ist Frau M. auch hierzulande mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Gegen die Frau wurde von der Staatsanwaltschaft Eisenstadt im Dezember 2023 ein Strafantrag eingebracht. Da sie zur Hauptverhandlung am Landesgericht nicht erschienen war, ist eine Personenfahndung ergangen, hieß es am Mittwoch auf Anfrage der APA.
Schwerer gewerbsmäßiger Betrug
Vorgeworfen wird ihr vom Landesgericht Eisenstadt schwerer gewerbsmäßiger Betrug in insgesamt 53 Fällen, erklärte die Staatsanwaltschaft. In 49 Fällen soll die Gesuchte falsche Angaben über den Gesundheitszustand der Welpen gemacht und in vier Fällen eine Reinrassigkeit behauptet haben. Es ist noch offen, ob sich nun noch weitere Geschädigte melden und Anzeige erstatten.
Der Fall Brigitta M. entwickelt sich zu einem regelrechten Krimi, der nicht nur die Aufmerksamkeit von Tierfreunden erhält. Viele Leser wühlen die gezeigten Bilder der „Vermehrungsstationen“ auf und fragen sich, wie ein Mensch zu so einer Grausamkeit fähig sein kann. Auch die „Krone“-Tierecke ist auf der Suche nach Antworten und steht mit Brigitta M. per SMS in Kontakt.
„Wir geben Frau M. die Gelegenheit, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Es kann auch ein heilender Prozess sein, wenn man sich zu Vorwürfen oder Anschuldigungen äußern kann“, so Tierecke-Chefin Maggie Entenfellner in einer Nachricht an die Beschuldigte. Brigitta M. hat sich Bedenkzeit erbeten.
Das System Welpenmafia
So dramatisch dieser Fall ist, es ist nur die Spitze eines Eisberges. „Den Handel mit Hunden aus unbekannten oder dubiosen Quellen in Österreich schätzen wir auf 38 Millionen Euro“, weiß „Vier Pfoten“-Expertin Julia Eppinger, die sich intensiv mit dieser Problematik auseinandersetzt.
Das zeigt einmal mehr, wie arglos viele Menschen beim Hundekauf agieren. Es ist nun der Punkt erreicht, wo man sich auch als Käufer eines Hundes aus solchen Quellen nicht mehr aus der Verantwortung nehmen kann.
Jeder, der nicht gewissenhaft über die Herkunft seines zukünftigen Begleiters recherchiert, macht sich automatisch mitschuldig an diesem großen Leid in den „Vermehrungsstationen“.
Wann wird endlich gegengesteuert?
Die „Krone“-Tierecke fordert einmal mehr, dass von gesetzlicher Seite zu mehr Transparenz verpflichtet werden muss. Die Welpen und auch ihre Elterntiere müssen lückenlos in der Heimtierdatenbank eingetragen sein, damit die Herkunft nachvollziehbar ist.
„Gewissenhafte Käufer sollen bei Züchtern oder Behörden prüfen können, ob der zukünftige Begleiter auf vier Pfoten von unbedenklicher Herkunft ist. Alle anderen, die nicht diese entsprechende Sorgfalt beim Tierkauf walten lassen, sollten genauso belangt werden wie die illegalen Händler!“, so Maggie Entenfellner kämpferisch!
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