Wahlen in Paraguay

Konservativer Horacio Cartes neuer Präsident

Ausland
22.04.2013 07:44
In Paraguay ist der nationalkonservative Unternehmer Horacio Cartes zum Nachfolger des abgesetzten Staatschefs Fernando Lugo gewählt worden. Der Vorsitzende des Wahlgerichts Alberto Ramirez Zambonini erklärte am Sonntagabend (Ortszeit) den Kandidaten der Colorado-Partei zum Gewinner der Wahlen. Sein schärfster Kontrahent Efrain Alegre von der "Authentischen Radikalliberalen Partei" (PLRA) erkannte auf einer Pressekonferenz in Asuncion seine Niederlage an.

Nach Auszählung von 92 Prozent der Stimmen führte der 56-jährige Cartes mit 45,9 Prozent der Stimmen gegen 36,9 Prozent für Alegre, wie die Wahlbehörde mitteilte. Mit weitem Abstand kam an dritter Stelle der Journalist Mario Ferreira, Kandidat einer linken Koalition, mit 5,8 Prozent.

Mit dem Tabak-Tycoon und politischen Neuling kehrt in Paraguay die Colorado-Partei des ehemaligen Diktators Alfredo Stroessner (1954 bis 1989) wieder an die Macht zurück. Die Colorados sind eine aus mehreren konservativen Bewegungen zusammengesetzte Partei, die auf Patriotismus und Nationalismus setzt. Ein Flügel ist die Bewegung für den national-republikanischen Wiederaufbau von Alfredo Dominguez Stroessner, dem Enkel von Alfredo Stroessner.

Lugo 2012 des Amtes enthoben
Fernando Lugos Wahlsieg hatte 2008 die Colorados erstmals in über einem halben Jahrhundert in die Opposition getrieben. Im Juni 2012 wurde der "Bischof der Armen" vom Parlament des Amtes enthoben. Er wurde für den Tod von elf Landbesetzern und sechs Polizisten bei einem bisher ungeklärten Zusammenstoß in Curuguaty, 200 Kilometer von Asuncion, verantwortlich gemacht.

Nach der Absetzung Lugos wurde Paraguay sowohl vom gemeinsamen Markt Mercosur als auch von der südamerikanischen Staatenunion Unasur ausgeschlossen. Nach Ansicht der Nachbarn war die Amtsenthebung ein "institutioneller Staatsstreich". Spätestens nach der Amtsübernahme des neu gewählten Präsidenten wird Paraguay voraussichtlich wieder in beide Gemeinschaften aufgenommen werden.

Die Wahlen an sich verliefen ohne größere Zwischenfälle. Zwei Männer wurden jedoch nach Angaben von Innenminister Carmelo Caballero unter dem Verdacht festgenommen, einen Anschlag während der Wahlen geplant zu haben. Es bestehe der begründete Verdacht, dass sie einen Politiker ermorden wollten, um den Wahlprozess zu stören. Die Staatsanwaltschaft leitete jedoch gegen die Inhaftierten nur ein Verfahren wegen Waffenschmuggels ein. Die Zeitung "ABC Color" berichtete, Vertreter von Cartes hätten einen Anschlagsplan gegen den konservativen Kandidaten bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

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