Image beschädigt

Leiharbeit-Skandal: Kunden wenden sich von Amazon ab

Wirtschaft
12.04.2013 08:00
Die Kunden von Amazon reagieren auf die Berichte über die teils schlechten Arbeitsbedingungen bei dem Online-Versandhändler: In einer YouGov-Umfrage unter rund tausend Online-Käufern sagten zwölf Prozent, sie wollten nicht mehr bei Amazon einkaufen. Weitere sieben Prozent der Befragten gaben an, sie versuchten wieder häufiger in Geschäften und weniger im Internet einzukaufen. Unterdessen fordert die Gewerkschaft ver.di höhere Löhne - und droht sogar mit Streik.

Auch der von YouGov erhobene Marken-Index ist nach Angaben des Marktforschungsunternehmens stark eingebrochen. Noch im vergangenen Jahr habe Amazon mit 87 Punkten den ersten Platz in dem Marken-Ranking erreicht und zu den beliebtesten Marken der Deutschen überhaupt gezählt, teilte YouGov mit. Seit Mitte Februar habe Amazon innerhalb eines Monats 45 Imagepunkte verloren.

Image nachhaltig beschädigt
Eine schnelle Erholung der Imagewerte sei nicht zu erwarten, erklärte YouGov-Vorstand Holger Geißler. Die von der Gewerkschaft ver.di angedrohten Streiks bei Amazon "dürften das Problem sicherlich noch verschärfen". Viele Kunden seien enttäuscht: "Wünsche über Nacht erfüllen und die schlechte Behandlung von Leiharbeitern passen für viele Menschen nicht zusammen", erklärte Geißler.

Im Februar war eine ARD-Fernsehreportage (siehe Infobox) über die Arbeits- und Lebensbedingungen von Leiharbeitern am Amazon-Standort in Bad Hersfeld ausgestrahlt worden. Die Saisonarbeiter sollen dem Bericht zufolge von privaten Sicherheitsdiensten schikaniert worden sein. Amazon kündigte der Sicherheitsfirma daraufhin.

Streiks erwartet - Amazon will trotzdem liefern
Die angedrohten Streiks beim Versandhändler sollen für die Kunden möglichst ohne Auswirkungen bleiben: "Wir werden auch im Falle eines Streiks alles dafür tun, dass unsere Kunden zuverlässig beliefert werden", sagte Deutschland-Chef Ralf Kleber der "Bild"-Zeitung. Streiken könnten Beschäftigte von Amazon an den Standorten Bad Hersfeld in Hessen und in Leipzig.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di will für die Amazon-Beschäftigten eine höhere Bezahlung erreichen, die dem Branchen-Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels entspricht. Bisher gibt es in den deutschen Amazon-Standorten keine Tarifbindung. Amazon orientiert sich an der Bezahlung in der Logistikbranche.

Amazon hat kein Verständnis für Forderung nach mehr Lohn
Deutschland-Chef Kleber sagte der "Bild", Amazon habe für die Forderung der Gewerkschaft "kein Verständnis". Die Mitarbeiter leisteten "logistische Tätigkeiten und liegen mit ihrem Einkommen am oberen Ende dessen, was in der Branche üblich ist".

In Bad Hersfeld, dem größten Standort von Amazon in Deutschland, bereitet ver.di nach ergebnislosen Gesprächen mit der Geschäftsführung Urabstimmungen vor, bei denen sich die Gewerkschaftsmitglieder für Streiks entscheiden könnten. Im Leipziger Logistikzentrum haben sich bereits 97 Prozent der Verdi-Mitglieder für Arbeitsniederlegungen ausgesprochen.

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