Rebellen ziehen ein

40.000 Syrer aus umkämpfter “Öl-Stadt” geflohen

Ausland
15.02.2013 13:47
Der Vormarsch syrischer Rebellen in mehreren Provinzen des Bürgerkriegslandes verschärft die Sicherheitslage weiter: Nach schweren Gefechten in der ostsyrischen Stadt Al-Shadadi sind UN-Schätzungen zufolge in den vergangenen Tagen rund 40.000 Menschen von dort geflohen. Zudem gab es Berichte in regierungstreuen Medien über Dutzende getötete Angestellte einer staatlichen Ölfirma und Hunderte verschleppte Zivilisten.

Die Islamisten der Al-Nusra-Front berichteten ihrerseits, die "Gotteskrieger" hätten Al-Shadadi am Donnerstag nach einer dreitägigen Schlacht vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Während der Kämpfe sollen nach Informationen der oppositionellen Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter 40 Angehörige der Al-Nusra-Front - unter ihnen mehrere Kuwaiter und Iraker - getötet worden sein. Die Regierungstruppen sollen etwa 150 Mann verloren haben. Ihren Angaben zufolge soll es sich bei den bewaffneten Entführern um Bewohner eines schiitisch geprägten Dorfes gehandelt haben - die meisten Aufständischen sind Sunniten.

Die Eroberung der strategisch wichtigen Stadt in der ölreichen Provinz Hasaka markiert einen weiteren Teilerfolg der bewaffneten Oppositionellen im Kampf gegen das Regime von Präsident Bashar al-Assad. So sollen die Rebellen laut Angaben der Opposition in den vergangenen Tagen die Kontrolle über einen Militärstützpunkt im Südwesten des Landes und über einen nahe gelegenen Staudamm des Landes erlangt haben.

Situation für Flüchtlinge verschärft sich
Durch die neuen Fluchtbewegungen verschärft sich die Lage sowohl in den Flüchtlingslagern im Landesinneren - hier wird die Zahl der Binnenvertriebenen auf über eine Million Menschen geschätzt - als auch in den Nachbarländern Syriens. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat warnte vor einer humanitären Katastrophe, denn die Zahlen würden eine deutliche Sprache sprechen: Waren es am 1. Dezember noch 359.000 Flüchtlinge, die Syrien verlassen hatten, so sind es laut UNHCR derzeit mehr als 740.000. Das heißt, die syrische Massenflucht hat sich in den vergangenen zwei Monaten mehr als verdoppelt. Über 70 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder.

Am stärksten betroffen vom Flüchtlingszug sind die Türkei, Jordanien und der Irak. Die Regierungen in den betroffenen Ländern müssen den großen Ansturm nun logistisch bewältigen, doch finanzielle Hilfen des Westens kommen nur schleppend an. Hinzu kommt der Winter, die Temperaturen von null bis 15 Grad sind für viele Betroffene lebensbedrohlich.

Baldige Verhandlungen unwahrscheinlich
Unterdessen zeigen sich die syrische Regierung und Vertreter der Opposition, die aber in sich so inhomogen ist, dass sich bei Weitem nicht sämtliche Gruppen vertreten fühlen, zwar grundsätzlich zu Friedensgesprächen bereit - doch die Bedigungen, unter denen sich die beiden Parteien an den Verhandlungstisch setzen wollen, divergieren deutlich. Während die Opposition den Rücktritt von Präsident Assad und die Freilassung von 160.000 Gefangenen verlangt, ist das Regime prinzipiell gegen jeden Vorstoß, der lediglich das Ziel einer Machtübernahme verfolgt.

Der Bürgerkrieg in Syrien hatte mit der Revolte gegen Präsident Assad im März 2011 seinen Anfang genommen. Seitdem wurden nach Schätzungen der UNO fast 70.000 Menschen getötet.

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