Arbeiter abgezogen
Dach auf Gelände der Tschernobyl-Ruine eingestürzt
Die Unfallursache werde innerhalb der nächsten 14 Tage von einer Sonderkommission untersucht, teilten der Zivilschutz der früheren Sowjetrepublik sowie die Kraftwerksleitung am Mittwoch mit.
Das französische Unternehmen Bouygues, das mit Hunderten Beschäftigten an dem Bau der neuen Schutzhülle beteiligt ist, erklärte, zur Sicherheit etwa 80 Arbeiter abgezogen zu haben. Ihr Einsatzort hätte sich demnach 150 Meter vom Maschinensaal entfernt befunden. Der Abzug sei aufgrund des radioaktiven Staubs erfolgt, der das Gebäude 1986 kontaminiert hatte.
Greenpeace: "Beunruhigendes Signal"
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bezeichnete den Unfall als "beunruhigendes Signal". "Es gibt keine Garantie, dass in naher Zukunft nicht auch der Sarkophag einzustürzen beginnt", teilte ein Sprecher am Mittwoch in der etwa 110 Kilometer entfernten Hauptstadt Kiew mit.
Der Tschernobyl-Block vier war am 26. April 1986 explodiert. Die Havarie wirbelte über Tage radioaktive Teilchen in die Luft, von der Ukraine breitete sich die abgeschwächte Wolke über weite Teile Europas aus. Danach wurde eine Schutzhülle um den explodierten Reaktor errichtet.
2012 schließlich wurde unter Leitung der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung mit dem Bau eines rund 1,5 Milliarden Euro teuren neuen Sarkophags begonnen. Derzeit arbeiten etwa 1.500 Beschäftigte aus 22 Ländern an dem Mantel, der im Jahr 2015 die alte Konstruktion ersetzen soll.
Tschernobyl als "Baustelle für Generationen"
Läuft alles nach Plan, werden am Ende etwa 29.000 Tonnen Stahl (Bild 2) den radioaktiv strahlenden Betonklotz umhüllen. Laut den Behörden soll der neue Sarkophag ein Jahrhundert lang halten. Tschernobyl bleibe somit eine "Baustelle für Generationen", hatte der Chef der Anlage, Igor Gramotkin, kürzlich erklärt.
Dass seit der Fukushima-Katastrophe in Japan mehrere Länder laut über einen Atomausstieg nachdenken, sei "deren Sache", meinte Gramotkin. "Das ist absolut zu respektieren. Aber die Ukraine ist arm und kann sich das derzeit nicht leisten." Damit betreibt der zweitgrößte Flächenstaat Europas weiterhin 15 Reaktoren. Bis 2030 soll sich deren Zahl verdreifachen.







Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.