30 Jahre habe die Idee zu "The Cave" in Gilberts Kopf herumgespukt, wie er verrät. Er sei nun mal ein langsamer Entwickler, entschuldigt sich der mittlerweile 49-Jährige, der hofft, dass sich das Warten gelohnt hat. Ja, definitiv, können wir vorab schon einmal verraten und Gilbert damit beruhigen.
Doch was ist "The Cave" genau? "The Cave" ist der Titel eines seit Mittwoch via Xbox Live, PlayStation Network, Steam und dem eShop der Wii U erhältlichen Downloadtitels und zugleich der eigentliche und namensgebende Star des Spiels: die Höhle. Nicht irgendeine Höhle wohlgemerkt, sondern eine ziemlich fantastische und humorige, mit einem Faible für untergriffige Bemerkungen.
Sieben Helden auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück
In ihr verborgen liegen mehrere "Schätze" ganz unterschiedlicher Art, die zu bergen sich die sieben (rechnet man ein Zwillingspärchen doppelt, sind es sogar acht) zur Auswahl stehenden Spielcharaktere zur Aufgabe gemacht haben. Während der Ritter etwa nach Ruhm und Ehre sucht, dürstet es dem Mönch nach Erleuchtung und dem Hillbilly nach seinem Teddy.
Doch nicht nur die persönliche Motivation, in die Hölle hinabzusteigen, unterscheidet jeden Charakter, auch die Fähigkeiten der einzelnen Figuren sind verschieden: So kann sich etwa der Ritter auf Knopfdruck unverwundbar machen, der Hillbilly lange Zeit unter Wasser atmen, die Wissenschaftlerin Computerterminals hacken und die Abenteuerin sich mit einem Haken über Abgründe schwingen.
Unterschiedliche Talente erkennen und nutzen
Der Spieler darf sich bei der Wahl glücklich schätzen: Statt sich auf eine Figur und deren Fähigkeit festlegen zu müssen, brechen gleich drei Charaktere gleichzeitig zu ihrer Expedition auf. Abhängig von der gewählten Helden-Kombination, eröffnen sich in der Höhle somit ganz unterschiedliche Pfade mit variierenden Herausforderungen. Das Ziel ist also immer das gleiche, der Weg dorthin jedoch ein anderer, was letztlich stark zur Erhöhung des Wiederspielwerts beiträgt.
Da die drei Charaktere jeweils andere Talente haben, braucht wohl nicht weiter erwähnt zu werden, das Teamwork beim Lösen der teils sehr kniffligen Rätsel großgeschrieben wird. Am naheliegendsten ist das wohl noch, wenn drei Hebel gleichzeitig betätigt werden müssen, doch häufig bedarf es größerer gedanklicher Anstrengungen, um die oftmals über mehrere Räume verzweigten Herausforderungen zu meistern.
Spielspaß zu dritt vor einem Bildschirm
Der Spieler kann dazu entweder mittels Steuerkreuz zwischen den Charakteren wechseln oder sich Hilfe von bis zu zwei weiteren menschlichen Mitspielern holen, die jederzeit ins Spielgeschehen einsteigen können, um dann zu dritt auf einem – nicht geteilten – Bildschirm den Rätseln auf den Grund zu gehen. Viel Laufarbeit ist dennoch vonnöten, denn im Gegensatz zur eher bewegungsfaulen Point&Klick-Adventure-Konkurrenz muss in "The Cave" aktiv der Controller "geschwungen" werden, um klaffende Abgründe, tiefe Gewässer und dergleichen mehr zu überwinden.
Viel Laufarbeit, kein Inventar
Der Mix aus Plattformer und Adventure bereitet anfangs großen Spaß, kann aber auch schnell lästig werden. Insbesondere dann, wenn für ein und dasselbe Rätsel immer wieder die gleichen Leitern und Seile rauf- und runtergekraxelt werden müssen. Erschwerend hinzu kommt, dass jeder Charakter – auch das ein Genre-Novum - nur jeweils einen Gegenstand in der Hand mit sich führen kann, was nicht selten zusätzliche Laufmeter bedeutet. Die prinzipiell gute Idee, das klassische Inventar zu streichen und die Anzahl der benötigten Gegenstände auf ein Minimum zu reduzieren, ist jedoch lobenswert.
Gleiches gilt für Gilberts Ansatz, den Bildschirm weitestgehend frei von störenden Anzeigen zu halten. Bis auf ein kleines Charakterauswahl-Menü am unteren linken Bildschirmrand gibt es in "The Cave" nur eine weitere Einblendung: die Untertitel. Spieler können sich dadurch voll und ganz auf das Wesentliche konzentrieren und sich zugleich an der liebevollen Inszenierung erfreuen. Vor allem die ulkigen Animationen der Spielfiguren sorgen für Erheiterung. Weiter gesteigert wird diese durch die bereits eingangs erwähnten (englischsprachigen) Kommentare der Höhle, die stets perfekt pointiert und mit einer gehörigen Portion Sarkasmus gewürzt vorgetragen werden.
Fazit: Mit "The Cave" beweist Entwicklerveteran Ron Gilbert eindrucksvoll, dass er in seinem Metier nichts verlernt hat. Zugegeben: Nicht jede Neuerung stimmt hundertprozentig zufrieden, manchmal wären beispielsweise ein Inventar, etwas weniger virtuelle Bewegung, eine stringente Handlung sowie die eine oder andere Hilfestellung durchaus wünschenswert. Doch in den wesentlichen Punkten überzeugt "The Cave" voll und ganz: Die Rätsel sind originell und vor allem knackig und der Humor schön trocken bis schwarz. Mit einer Spiellänge von - je nach eigenem Grips – vier bis sieben Stunden beim ersten Durchgang braucht sich der für rund 13 Euro erhältliche Downloadtitel zudem vor vielen Vollpreisspielen nicht zu verstecken.
Plattform: XBLA (getestet), PSN, Steam, Wii U (Download)
Publisher: Sega
krone.at-Wertung: 8/10
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