"Er war an und für sich gut ausgerüstet und hatte auch eine Beschreibung mit, in der die Route mit Schwierigkeitsgrad '3+' angegeben war - was natürlich im Winter nicht stimmt. Der Russe war also mit ungleich schwierigeren Bedingungen konfrontiert. Zudem war er das erste Mal im Großglocknergebiet", erzählt Franz Riepler, der Chef der Osttiroler Alpinpolizei.
"Mir war furchtbar kalt und ich war schon sehr schwach"
Der 36-Jährige war am Donnerstag bereits um 7 Uhr von der Stüdlhütte losgegangen, verstieg sich aber derart, dass er sich gegen 17.30 Uhr - als es schon stockdunkel war - entschied, einen Notruf abzusetzen. "Ich hatte Angst, dass ich die Nacht nicht überlebe, wenn mir nicht jemand hilft. Mir war furchtbar kalt und ich war schon sehr schwach", so der Autohändler, der 200 Meter unterhalb des Gipfels am Stüdlgrad festsaß - bei minus 15 Grad plus Wind.
"Uns blieb nichts anderes übrig, als sofort einen Suchtrupp aufzustellen", so Riepler. Gegen 2.30 Uhr hatten die Retter den Großglockner erreicht und mussten dann den Stüdlgrat abklettern. Um 3.30 Uhr stießen sie auf den Russen, päppelten ihn auf und stiegen mit ihm gemeinsam ab. "Es war sehr schwierig. Ich konnte nur sehr schwer gehen, und alles war total vereist", berichtet Riepler über die Rettung.
"Tausend Dank den Rettern"
Erst um 7 Uhr erreichte die Gruppe den Gletscher. Aber es war überall Nebel. Sie musste eine Stelle finden, wo der Rettungshubschrauber landen konnte. Um 8 Uhr früh war es dann geschafft. Der Russe wurde ins Bezirkskrankenhaus Lienz geflogen. Dort stellte man eine Unterkühlung sowie Erfrierungen an Fingerkuppen fest. "Aber sonst geht es mir gut. Tausend Dank den Rettern", sagt er.
Der anstrengende und äußerst gefährliche Einsatz forderte jedoch seinen Tribut, einer der Retter wurde schwer verletzt. Der Mann stürzte am Stüdlgrat beim Hinabklettern zehn Meter ins Seil, erlitt Kopfverletzungen und Prellungen. Während der Russe noch am Freitag entlassen werden konnte, muss der verletzte Bergretter länger im Spital bleiben.
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