Zu viele Fettnäpfchen

D: Desaströse Werte für SPD-Kanzlerkandidat

Ausland
11.01.2013 12:31
Dass sich Peer Steinbrück, der Kanzlerkandidat der SPD für die kommende Bundestagswahl im Oktober, mit zahlreichen umstrittenen Aussagen in den letzten Wochen nicht überall Freunde gemacht hat, war klar. Doch aktuelle Umfragewerte zeichnen ein geradezu desaströses Bild: Nur noch 36 Prozent der Deutschen sind mit seiner Arbeit zufrieden - und selbst jeder vierte SPD-Anhänger wünscht sich einen anderen Kanzlerkandidaten.

Steinbrück ist laut des ARD-Deutschlandtrends in der Wählergunst massiv abgerutscht, wie die ARD am Donnerstag berichtete. Noch im Oktober, nach Bekanntgabe seiner Nominierung als SPD-Kanzlerkandidat, hatte er eine Zustimmung von 59 Prozent erhalten. Nun liegt Steinbrück 29 Prozentpunkte hinter der Erstplatzierten Kanzlerin Angela Merkel, die ihre Beliebtheit weiter ausbauen konnte - mit ihrer Arbeit sind 65 Prozent der Deutschen zufrieden.

Bei der Frage, welcher Kandidat bei einer Direktwahl ihre Stimme erhalten würde, gaben 55 Prozent der Befragten Merkel an, nur 30 Prozent Steinbrück - sie hat damit sechs Prozentpunkte an Zustimmung seit der letzten Umfrage gewonnen, er neun Prozentpunkte verloren. Der Abstand zwischen den beiden Kandidaten ist damit laut ARD so groß wie nie zuvor.

Merkel beliebter, sympathischer, glaubwürdiger
Dass die SPD einen anderen Kanzlerkandidaten aufstellen sollte, verneinen 49 Prozent der Befragten, während 45 Prozent die Ansicht unterstützen. Selbst 26 Prozent der SPD-Anhänger finden, Steinbrück sollte durch einen anderen ersetzt werden. Generell gilt die Kanzlerin der Umfrage zufolge als sympathischer und glaubwürdiger als Steinbrück, zudem wird ihr mehr Rückhalt in ihrer Partei und eine stärkere Führungspersönlichkeit zugesprochen. 

Steinbrücks viele Probleme: Millionenhonorare und mehr
Steinbrück sagt von sich selbst, er nehme kein Blatt vor den Mund und rede Klartext. Das allerdings kommt bei den Wählern nicht immer gut an, Steinbrück wirkt oft arrogant und abgehoben. Dieser Eindruck begann schon, als Steinbrück erst unter Druck eine Liste seiner Honorare für diverse Vorträge während seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter 2009 bis 2012 veröffentlichte - insgesamt 1,25 Millionen Euro. Für eine Rede allein soll er 25.000 Euro erhalten haben. Doch er habe auch 237 unentgeltliche Vorträge gehalten, etwa um Spenden für karitative Zwecke zu sammeln, so Steinbrück. Wie viel Geld er durch Buchverträge eingenommen hat, will der SPD-Kanzlerkandidat allerdings bis heute nicht verraten.

Billiger Wein? Nichts für den SPD-Kanzlerkandidaten
Seither ist Steinbrück in zahlreiche weitere Fettnäpfchen getreten. So musste sein Sprecher zugeben, dass der Kanzlerkandidat die Bahncard, die Vorteilscard der Deutschen Bahn, für Reisen zu Vorträgen genutzt habe - obwohl Bundestagsabgeordnete sie nur für dienstliche Zwecke nützen dürfen. Bei einer Diskussionsveranstaltung wiederum missglückte ein Vergleich Steinbrücks. Eine Kindergelderhöhung um zehn Euro würde Familien kaum etwas bringen, schließlich könne man darum gerade mal zwei Flaschen Wein kaufen - "beziehungsweise zwei Gläser". Schließlich würde er keine Flasche Pinot Grigio "für nur fünf Euro" kaufen, so Steinbrück.

Ärger um Forderung nach höherem Bundeskanzler-Gehalt
Der Eindruck der finanziellen Abgehobenheit hat sich seither weiter verstärkt - in Zeiten von Finanzkrise, Arbeitslosigkeit und schwächelnder Wirtschaft ein echtes Imagedesaster. Vor allem seine Aussagen zu Politikergehältern dürften ihm bei der aktuellen Umfrage zum Verhängnis geworden sein. In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sagte er Ende Dezember: "Nahezu jeder Sparkassendirektor in Nordrhein-Westfalen verdient mehr als die Kanzlerin." Abgeordnete des Bundestags seien "gemessen an ihrer Leistung nicht überbezahlt", die Debatte darüber sei "sehr schief". Und weiter: "Ein Bundeskanzler oder eine Bundeskanzlerin verdient in Deutschland zu wenig - gemessen an der Leistung, die sie oder er erbringen muss und im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mit weit weniger Verantwortung und viel größerem Gehalt."

"Frauenbonus" und Lobbyisten-Vorwürfe
Im selben Interview meinte Steinbrück auch, die Beliebtheit von Kanzlerin Merkel beruhe auf einem "Frauenbonus", weil sie sich durchsetzen könne. Kurz darauf machte er sich bei Politikern und Bevölkerung des Regierungssitzes Bonn - und damit seinem eigenen Landesverband - unbeliebt, als er das Ende doppelter Ministeriumsstandorte voraussagte. Dabei kämpft gerade die SPD in Bonn und dem Bundesland Nordrhein-Westfalen um die verbliebenen Arbeitsplätze und gegen die komplette Umsiedelung nach Berlin. Und schließlich kam heraus, dass Steinbrück im Aufsichtsrat des Unternehmens Thyssen-Krupp angeboten haben soll, sich politisch für Rabatte bei den Stromkosten einzusetzen.

Steinbrück zieht SPD nach unten
All diesen unglücklichen bis ungeschickten Äußerungen versucht die SPD mit Themen wie einer Mietpreisbremse, einer Reform des Kindergelds, Mindestlohn, Frauenquote, Vermögenssteuer und mehr Unterstützung für Geringverdiener-Familien entgegenzutreten. Doch ob das ausreichen wird, um bei der Wahl im Oktober und diversen Landtagswahlen zuvor zu punkten, bleibt abzuwarten. Im Magazin "Stern" stellte der Chef des Umfrageunternehmens Forsa, Manfred Güllner, jedenfalls fest, dass Steinbrück die SPD nach unten ziehe.

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