Am besten abreißen?

Experte: “Nächstes Desaster” für Flughafen Berlin

Ausland
10.01.2013 10:54
Der Flughafen Berlin-Brandenburg ist ein Milliardengrab - er wird mit geschätzten 4,3 Milliarden Euro mindestens doppelt so teuer wie ursprünglich geplant - und eine Katastrophe für die Verantwortlichen, darunter diverse Politiker. Nun sagt ein Experte "das nächste Desaster" voraus, wenn der Flughafen auf Grundlage der jetzigen Planung in Betrieb gehe. Es spreche "nicht viel" dagegen, den Flughafen abzureißen und neu zu bauen. Er hält "im schlimmsten Fall" eine Eröffnung 2017 für möglich - und eine weitere Kostenexplosion auf insgesamt zehn Milliarden Euro.

Die "Berliner Morgenpost" hat Flughafen-Experte Dieter Faulenbach da Costa zum Interview über den Flughafen Berlin-Brandenburg (BER) gebeten. Faulenbach da Costa geht hart mit den Verantwortlichen ins Gericht - das Projekt sei "von den Verantwortlichen mit voller Wucht an die Wand gefahren" worden, die verantwortlichen Bauexperten und Fachleute hätten "gemeinsam versagt". Auch der Aufsichtsrat sei seiner Kontrollpflicht nicht nachgekommen, kritisiert der Experte. Zudem lasse tief blicken, dass an mehreren Stellen gegen Baugenehmigungen verstoßen worden sei - "jeder normale Bau wäre sofort stillgelegt worden".

Experte beklagt zu geringe Kapazitäten
Doch es könnte noch schlimmer kommen, prophezeit Faulenbach da Costa. Das "nächste Desaster" stehe bevor, wenn der Flughafen auf Grundlage der jetzigen Planung in Betrieb gehe: "Der BER wird in dieser Form nicht in der Lage sein, die Nachfrage abzudecken. Die Kapazitäten reichen nicht aus, um die jährlich steigende Zahl an Passagieren abzufertigen", so Faulenbach da Costa im Interview.

"Katastrophe ins Auge sehen"
Um das Fiasko noch zu retten, dürfe man nun "auch vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschrecken", ist der Experte überzeugt: "Man muss der Katastrophe jetzt ins Auge sehen." Schon der Standort sei falsch, so Faulenbach da Costa. Als größte Schwachstellen sieht er aber die Abfertigungseinrichtungen wie die Gepäckausgabe, die nicht genug Passagiere abfertigen könnten und so zum Nadelöhr würden. Als eine Lösung, die der Experte in einem Gutachten beschreibt, sieht er unter anderem mehrere Regionalflughäfen in der Berliner Umgebung - es dürfe jetzt "keine Denkverbote" geben.

Warnung vor vorschneller Inbetriebnahme
Die Eröffnung des BER könnte "im schlimmsten Fall 2016 oder sogar 2017" erfolgen, so Faulenbach da Costa. Damit würde sogar der nun zum vierten Mal verschobene Eröffnungstermin 2014 um Jahre verfehlt. Am wichtigsten sei, den Flughafen jetzt nicht vorschnell in Betrieb zu nehmen: "Zum Bau-, Zeit- und Finanzdesaster käme dann auch noch der Betrieb dazu", warnt der Experte.

"Keine Zukunft" trotz zehn Milliarden Euro Kosten?
Er rechne mit Mehrkosten von 3,3 Milliarden Euro - zusätzlich zu bis zu zwei Milliarden Euro, um gravierende technische Probleme, etwa bei der Brandschutzanlage, zu lösen. Alles in allem, so Faulenbach da Costa, könnte der Flughafen Berlin-Brandenburg am Ende fast zehn Milliarden Euro kosten - "und trotzdem keine Zukunft haben". Schließlich sei eine notwendige dritte Piste von den verantwortlichen Politikern bisher nicht einmal angedacht.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
10.01.2013 10:54
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung