"Costa"-Drama

Schettino klagt: “Schlimmer als Bin Laden dargestellt”

Ausland
07.01.2013 12:48
Rund ein Jahr nach dem Unglück der "Costa Concordia" mit 32 Toten klagt Kapitän Francesco Schettino über eine Hetzkampagne. "Ich empfinde einen tiefen Schmerz für das, was geschehen ist. Ich werde schlimmer als Bin Laden dargestellt, während mein Bedauern enorm ist", erklärte der 52-Jährige am Montag der Turiner Tageszeitung "La Stampa". Zudem habe er im Gegensatz zu von Medien kolportierten Behauptungen nie in seinem Leben Drogen genommen und sei auch nie betrunken gewesen.

Bei der Havarie des 290 Meter langen Kreuzfahrtschiffes am Abend des 13. Jänners 2012 waren 30 Menschen ums Leben gekommen, zwei gelten immer noch als vermisst. Die "Costa Concordia" war zu nahe an die Insel Giglio vor der toskanischen Küste herangefahren, hatte einen Felsen gestreift und war mit mehr als 4.200 Personen an Bord, darunter 77 Österreichern, gekentert. Schettino werden mehrfache fahrlässige Tötung, das vorzeitige Verlassen des Schiffes während der Evakuierung sowie die Verursachung von Umweltschäden vorgeworfen. Ihm drohen 20 Jahre Haft pro Todesopfer.

"Habe alles Mögliche unternommen"
In dem Interview mit "La Stampa" bestreitet der Kapitän, dass er das Schiff verlassen habe, um sein Leben zu retten, während sich Tausende Passagiere noch an Bord der "Costa Concordia" befanden. Demnach habe sich das Schiff nach dem Aufprall auf den Felsen stark geneigt. "Dort, wo ich mich befand, war es unmöglich, an Bord zu bleiben. Ich wäre unter Wasser geraten. Wäre ich so nützlicher gewesen? Ich glaube es nicht. Ich habe alles Mögliche unternommen, damit das Schiff unweit der Felsen stranden würde", erklärte Schettino.

Er sei nicht in Panik geraten, so der 52-Jährige, im Gegenteil: "Ich war ruhig und habe die Nerven bewahrt - weil ein Kapitän so agieren muss." Schettino meinte, auch die Bordoffiziere seien für die Umstände in jener Nacht verantwortlich. "Ich habe stets für den Respekt der Regeln gekämpft. Ich war Präsident der Kapitäne der Costa Crociere (Kreuzfahrtgesellschaft und Betreiber der 'Costa Concordia', Anm.) und bin von allen anderen gewählt worden. Jetzt kritisieren mich alle."

Der Kapitän weiter: "Ich wehre mich gegen das Image, das man aufgebaut hat, indem man nicht nur meine 30-jährige Arbeit, meine Erfahrung in aller Welt, sondern auch das Ansehen unseres Landes lächerlich gemacht hat. Doch ich will mich nicht bemitleiden. Ich denke an die Personen, die gelitten haben und immer noch wegen der Tragödie leiden."

Bergung des Wracks verzögert sich
Indes liegt die "Costa Concordia" immer noch wie ein gestrandeter Wal vor der Insel Giglio. Die Bergungsarbeiten, die im Sommer begonnen haben, kommen nur schleppend voran und gestalten sich schwieriger als erwartet. Hatte man vor Kurzem noch gehofft, bis zum ersten Jahrestag des Unglücks das Schiff abschleppen zu können, so ist jetzt nicht vor kommendem September damit zu rechnen. Die Herausforderung ist gigantisch: Das Schiff wiegt leer so viel wie rund 100 Maschinen des Typs Boeing 747. 400 Fachleute und 20 Schiffe sind rund um die Uhr im Einsatz.

Das italienische Unternehmen Micoperi und die US-Firma Titan Salvage, die mit der Bergung beauftragt wurden, berichteten über Probleme bei der Verankerung der 30 Meter langen Pfähle im Meeresboden. Diese werden die große Unterwasser-Plattform tragen, die das Wrack stützen soll, nachdem es wieder in eine senkrechte Position gebracht worden ist. Zuvor muss die "Costa Concordia" aber erst am Meeresgrund gesichert und dann mithilfe von Containern und Kränen aufgerichtet werden.

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