Temporeich, musikalisch astrein, mit viel Schmäh – und jeder Menge Wiener Dialekt ging in Mörbisch die Premiere des Musicalklassikers „My Fair Lady“ über die Seebühne. Wunderbar die Hauptdarsteller: Anna Rosa Döller als Eliza Doolittle und Mark Seibert als Professor Higgins!
„My fair Lady“ zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Musicals rund um das Blumenmädchen Eliza, das durch den Philologen Professor Henry Higgins in eine feine Dame verwandelt wird. In Mörbisch hat man daraus nun eine moderne Version gemacht und diese in tiefen Wiener Dialekt getaucht.
Das verleiht dem Ganzen Pep, und es ist schon eine Hetz, wenn die wunderbare Anna Rosa Döller als Punkerin aus East Simmering in der Londoner U-Bahnstation herumstänkert, um keinen Kraftausdruck verlegen ist, gefühlt an jeden zweiten Satz ein „Oida“ (zu viel) anhängt, um schließlich im Loft des feinen Professors zu landen. Diese Rolle ist für Mark Seibert maßgeschneidert wie sein Slim fit Anzug, und es macht jede Minute Spaß den ungleichen Paarlauf der beiden zu verfolgen – bis zum Pferderennen nach Ascot, wo es dann richtig lustig wird: Wenn sich Eliza erstmals in Parlierkunst übt und Dolli Schmidinger einen köstlichen Auftritt als Queen hinlegt.
Großes Kino liefert Herbert Steinböck als herrlich besoffener Daddy Doolittle, der das Lied „With a Little Bit of Luck“ in die schwungvoll orchestrierte Revuenummer „Wannst a Mazel host im Leb’n“ verwandelt. „Just You Wait Henry Higgins“ mutiert in Mörbisch zu „Wirst scho’ seh‘n Henry Higgins“ – und wenn es grünt so grünt am Neusiedler See, dann wird aus dem berühmten Musicalhit schon einmal eine farbenfrohe Flamencoeinlage.
Fad wird einem keinesfalls in dem für seine Längen bekannten „My Fair Lady“. Immer wieder sorgen flotte Balletteinlagen (Akrobatiknummer inklusive!) in dem von Walter Vogelweider clever arrangierten Bühnenbild im Schatten des Big Ben für Abwechslung.
Das Ende kommt dann aber fast zu abrupt, Regisseur Simon Eichenberger verzichtet auf ein Happy End zwischen Eliza und dem Professor, das man sich aber in einer lauen Sommernacht gerne gewünscht hätte.
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