Von den unendlichen Facetten des Lebens erzählt der US-amerikanische Jazzsaxophonist Charles Lloyd mit poetischer Kraft und großer Leidenschaft. Auch mit 86 Jahren begeistert die Jazzlegende mit mitreißender Spielfreude und beehrte mit seinem hochkarätigen Sky Quartet wieder einmal das ausverkaufte Wiener Porgy & Bess.
Den Wirren der Welt setzt Lloyd seine Träume und Hoffnungen entgegen, die er in seinem aktuellen Projekt „The Sky Will Still Be Here Tomorrow“ zusammenträgt und den musikalischen Bogen mit jedem Ton über Zeit und Raum spannt: unendlich zärtlich und fulminant furios mit allen Zwischentönen. Mit dem lyrisch-impressionistischen Klavierspiel von Jason Moran spinnt das Saxophon einen angeregten Dialog, begibt sich dann auf ausgedehnte energetische Ausflüge und verweilt in gefühlvoll-weitschweifenden Nachdenkphasen.
Das flirrt ganz fantastisch dahin mit Larry Grenadiers melodiöser Kontrabasslinie und Eric Harlands variationsreichem und pointiert wuchtige auftretenden Schlagzeug. Manchmal muss man auch laut sein. Wenn Lloyd schließlich das Tenorsaxophon gegen die Querflöte tauscht, treten Pan und Orpheus in einer Person auf: Beschwingt, höchst schelmisch und bezaubernd steigert sich da die Dramatik in ein prächtiges Crescendo. Ein sehr charmanter Meister!
Verena Kienast
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