Es war kein erfreulicher Dienstagabend in Leipzig, als die Hoffnungen der Österreicher auf die Fortsetzung des Fußball-Sommermärchens von der Türkei jäh gestoppt wurden. Dabei hatte unser Team diese Mannschaft im Frühjahr in Wien 6:1 besiegt – trotz Anfeuerung durch Zehntausende türkische Fans.
„Türkische Fans“ – kann man das so sagen? Nein, die allermeisten, die sich in Wien wie jetzt in Leipzig für die Türkei die Seele aus dem Leib schrien und Österreich auspfiffen, sind Österreicher oder Deutsche – mit Wurzeln in der Türkei.
Das nennt man Integration, wenn Kinder oder Kindeskinder von vor Jahrzehnten nach Mitteleuropa zugewanderten und später hier eingebürgerten Menschen mit Inbrunst die türkische Mannschaft unterstützen und die österreichische mit Hass auspfeifen.
Man wirft der Politik in Österreich (und Deutschland) schwere Versäumnisse bei der Integration vor. Zu Recht. Aber man traut sich gleichzeitig kaum zu sagen, dass Integration keine Einbahnstraße sein kann. Wie sollte man Menschen integrieren, die sich nicht integrieren wollen?
Man könnte es nicht besser auf den Punkt bringen als der türkischstämmige Soziologe Kenan Güngör, der heute im Interview mit Conny Bischofberger zur Migrationspolitik sagt: „Wir müssen öfter Nein sagen.“
Nein – bevor alles endgültig zu spät ist.
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