Mi, 24. Oktober 2018

Verzweifelte Jugend

03.12.2012 10:38

EU "empfiehlt" Jobgarantie für Unter-25-Jährige

Die Zahlen sind dramatisch, die Zukunftsaussichten düster: Besonders in den von der Krise am stärksten gebeutelten südlichen EU-Staaten ist die Jugendarbeitslosigkeit bedrohlich. In Griechenland und Spanien finden derzeit über 55 Prozent der Unter-25-Jährigen keinen Job, der EU-Durchschnitt liegt bei immer noch dramatischen 22,6 Prozent. Nun will die Union einschreiten und den Ländern empfehlen, eine Jobgarantie für Menschen unter 25 abzugeben. Die Details sind allerdings schwammig.

Die Kosten für die Jugendarbeitslosigkeit liegen laut EU-Kommission bei über 150 Milliarden Euro pro Jahr, das sind etwa 1,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Neben Griechenland und Spanien sind auch Jugendliche in anderen EU-Ländern stark von Arbeitslosigkeit betroffen: In Italien, Portugal, Irland, Bulgarien, Zypern, Lettland, Ungarn und der Slowakei liegt der Anteil der Unter-25-Jährigen ohne Job bei über 30 Prozent. Zudem ist ein Drittel der Betroffenen seit über einem Jahr arbeitslos.

Neuer Job binnen vier Monaten
Dieses Problem möchte die EU nun laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung" entschärfen: Innerhalb von vier Monaten sollen Unter-25-Jährige künftig - nach Ende ihrer Ausbildung oder dem Verlust eines Arbeitsplatzes - einen neuen Job, Ausbildungs- oder wenigstens Praktikumsplatz erhalten. Diesen Plan will der zuständige Sozialkommissar Laszlo Andor am Mittwoch in Brüssel präsentieren, so die "FAZ".

Österreich als Vorbild
Wie die einzelnen Staaten diese Vorgaben umsetzen, sollen sie offenbar selbst entscheiden können. Die EU hoffe auf eine Zusammenarbeit der Sozialpartner und ein frühes Eingreifen der Arbeitsämter, zudem sei Geld aus dem Europäischen Sozialfonds denkbar, so der Entwurf. Laut "FAZ" könnten ähnliche Initiativen in Österreich, den Niederlanden und Norwegen Vorbild für den Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit sein. In Österreich liegt die Quote der Unter-25-Jährigen ohne Job bei 8,5 Prozent, das ist hinter Deutschland mit 8,1 Prozent EU-weit Platz zwei.

Empfehlung ohne Sanktionen
Ob der Plan von Sozialkommissar Andor aufgeht, ist fraglich - unter anderem, weil keine Sanktionen bei Nichterfüllung der Jobgarantie-Ziele vorgesehen sind. Zudem ist offenbar kein rechtlich bindender Vertrag, sondern eher eine Empfehlung an die EU-Staaten geplant. Daran könnte der Widerstand von Ländern wie Großbritannien und Schweden schuld sein, wo die Meinung vorherrscht, die EU solle sich nicht in die Jugendarbeitslosigkeit einmischen.

"Verlorene Generation" als Gefahr
Dabei ist es laut einer EU-Studie von Ende Oktober höchste Zeit, das Problem anzupacken - und zwar nicht nur aufgrund der entgangenen Wirtschaftsleistung und der Kosten für den Sozialstaat. Die "verlorene Generation" könnte zum Problem für die Union werden, wenn sie sich vom System im Stich gelassen fühlt und sich aus dem demokratischen Prozess zurückzieht bzw. sich ihm sogar entgegenstellt, so die Studienautoren der Europäischen Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen. Die sozialen Unruhen in den Ländern des Arabischen Frühlings hätten jene junge Menschen bedeutend mit ausgelöst, die trotz Investitionen in Bildung und Wirtschaftsaufschwung mit Arbeitslosigkeit konfrontiert waren (siehe Infobox).

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