Flotte Flitzer

“F1 Race Stars” schrumpft Alonso, Vettel und Co.

Spiele
21.11.2012 12:29
Die Formel 1 steht kurz vor der verdienten Winterpause, da beginnt andernorts der Rennspaß gerade erst: "F1 Race Stars" nennt sich der jüngste Titel aus dem Hause Codemasters, das mit "F1 2012" bereits das offizielle Spiel zur heurigen Rennsaison ablieferte. Doch während dort Realismus großgeschrieben wurde, steht beim kleineren Arcade-Ableger der Spaß im Vordergrund.

"F1 Race Stars" bringt Sebastian Vettel, Felipe Massa, Fernando Alonso, Lewis Hamilton und andere prominente Fahrer als Miniatur-Ausgaben mit großem Kopf in ebenso geschrumpften Boliden auf Xbox 360, PS3 und PC. Das Spielprinzip ist Nintendos "Mario Kart" entlehnt, was zur Folge hat, dass sich die Formel-1-Stars wie im japanischen Original mit Hilfe diverser Power-Ups während des Rennens gewisse Vorteile verschaffen und ihre Gegner frotzeln können.

Da wäre beispielsweise das Safety-Car, das sich vor den Spitzenfahrer setzt und diesen so kurzzeitig daran hindert, seinen Vorsprung weiter auszubauen. Oder die Regenwolke, die über dem Kopf eines Kontrahenten kreist, um unter Geblitze und Gedonner für rutschige Verhältnisse auf der Strecke zu sorgen. Darüber hinaus stehen Pendants zu bekannten Extras wie dem von Nintendo bekannten Schildkrötenpanzer oder der Banane zur Verfügung, mit denen sich die Konkurrenz unter Beschuss nehmen und ausbremsen lässt.

Zur Reparatur in die Boxengasse
Ein paar spielerische Eigenheiten hat "F1 Race Stars" dann aber doch zu bieten, allen voran die Boxengasse, in der man seinen Flitzer betanken oder reparieren lassen kann. Denn die gegnerischen Power-Ups hinterlassen nicht nur optische Spuren am Fahrzeug, sondern sorgen auch dafür, dass dieses zunehmend langsamer wird. Spezielle Rennen verlangen wiederum, dass man seinen Boliden mit Sprit füllt, um nicht auf halber Strecke auf eben dieser liegenzubleiben.

Ebenfalls direkt aus der Formel 1 entnommen wurde das sogenannte KERS-System zur Energierückgewinnung, das im Spiel allerdings anders umgesetzt wurde als in der Realität: Auf speziell gekennzeichneten KERS-Abschnitten lässt sich hier durch mehrfaches Drücken der Schultertaste zusätzlicher Schub erzeugen. 

Lahme Formel 1
Leider ist dieser aber stets nur von kurzer Dauer, die meiste Zeit tuckert man in "F1 Race Stars" eher gemächlich über den Parcours. Ein wahrer Geschwindigkeitsrausch will sich selbst in der stärksten von drei Klassen (1.000, 2.000 und 3.000 ccm) nicht so recht einstellen. Hinzu kommt, dass die Boliden nicht driften. So mancher Spieler mag dies begrüßen, weil das Fahrzeug auf diese Weise kontrollierbarer bleibt, auf der anderen Seiten verlieren die Rennen gerade dadurch noch zusätzlich an "Drive".

Die Wahl des Fahrers entscheidet
Wertvolle Sekunden herausholen kann man allerdings durch die Wahl des richtigen Fahrers. Denn im Gegensatz zu den Boliden, die durch die Bank dieselben Spezifikationen aufweisen und damit gleich schnell bzw. langsam sind, verfügt jeder Fahrer über spezielle Eigenschaften, die ihn beispielsweise im Windschatten schneller aufholen oder besser boosten lassen. Andere wiederum sind noch vor dem Start mit bestimmten Power-Ups gesegnet.

Mageres Streckenangebot
So groß die Auswahl bei den Fahrern und ihren individuellen Talenten ist, so klein ist sie leider bei den Strecken: Gerade einmal elf Kurse haben es ins Spiel geschafft. Sie können wahlweise einzeln oder kombiniert im Rahmen einer Meisterschaft absolviert werden. Die Kurse selbst wurden von den populärsten Rennstrecken der Formel 1 inspiriert, haben bis auf Schlüsselstellen wie die berühmte Eau-Rouge-Kurve in Spa oder die erste Schikane in Monza jedoch nur wenig mit den Originalen gemein. Stattdessen dominieren Rampen, waghalsige Loopings und andere, für Arcade-Racer typische Elemente das Renngeschehen.

Kein Klischee wird ausgelassen
Sehr schön anzusehen ist dabei, wie "F1 Race Stars" mit den jeweiligen Klischees des Grand-Prix-Gastgeberlandes spielt. Während in Deutschland, untermalt von Volksmusik, etwa hohe Tannen, Autobahnen (mit Zivilverkehr!) und Schlösser die Landschaft prägen, bekommt man es in Italien mit Säulen, Aquädukten und anderen Überbleibseln der römischen Kultur zu tun – inklusive einer Legion Soldaten in Schildkrötenformation, welche die Straße quert und so zum wandernden Hindernis wird. Asterix und Obelix lassen grüßen.

Leicht zu fahren, schwer zu gewinnen
Wie bei allen anderen Kart-Racern, gilt leider auch für "F1 Race Stars", dass der Ausgang des Rennens aufgrund der verwendeten Power-Ups zu einem Gutteil Glückssache ist. Erschwerend hinzu kommt in dem Codemasters-Titel aber, dass den Gegnern selbst auf normaler Schwierigkeitsstufe kaum Fehler unterlaufen, sodass Frustmomente nicht ausbleiben.

Umgehen lassen sich diese - wie so oft - im Spiel mit Freunden. Bis zu vier Spieler können sich bei "F1 Race Stars" per Splitscreen einen Bildschirm teilen und gegeneinander um die Wette flitzen. Online verdreifacht sich die Zahl der maximal teilnehmenden Fahrer auf zwölf. Über Codemasters Racenet, das auch in "F1 Race Stars" integriert wurde, lassen sich zudem diverse Statistiken von Freunden miteinander vergleichen.

Fazit: "F1 Race Stars" ist rein optisch zwar ein Arcade-Racer, verlangt vom Spieler aber größeres fahrerisches Können als dies beispielsweise das jüngst erschienene "Little Big Planet Karting" von Sony tut, was vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgrad zurückzuführen ist. Abheben von der Konkurrenz kann sich "F1 Race Stars" zudem durch die Boxengasse, die ein gewisses strategisches Element ins Spiel bringt. Der größte Nachteil gegenüber dem erwähnten Sony-Titel ist neben dem fehlenden Geschwindigkeitsgefühl jedoch der geringe Spielumfang. Mit gerade einmal elf Kursen ist das Angebot stark überschaubar, einen Editor, mit dem sich weitere Strecken konstruieren ließen, sucht man zudem vergeblich. Spaßig ist die Fahrerei mit den geschrumpften Formel-1-Stars aber allemal, insbesondere im Spiel mit Freunden, on- wie offline.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Codemasters
krone.at-Wertung: 7/10

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