08.11.2012 09:16 |

"Zu weiß, zu alt"

"Wolke des Trübsinns" über US-Republikanern

Eigentlich war die Ausgangslage für die Republikaner und Mitt Romney bei der US-Präsidentenwahl perfekt: Rund acht Prozent Arbeitslosigkeit in den USA, laue Konjunktur und dann noch weit verbreitete Zukunftsangst - die Bilanz von Präsident Barack Obama sieht mau aus. Umso mehr erschüttert die Republikaner das Ausmaß der Niederlage: Nur einen einzigen von rund einem Dutzend Swing States konnten sie gewinnen - das kann wohl kaum allein die Schuld des Kandidaten sein.

"Eine Wolke des Trübsinns" hänge über den Köpfen der Republikaner, meint das "Wall Street Journal" am Tag nach der Wahlnacht. Die Zeitung, die im Wahlkampf durchaus Nähe zum Wirtschaftsliberalismus der Republikaner zeigte, sieht bereits ein Hauen und Stechen innerhalb der "Grand Old Party" aufziehen. Zwar halten sich die Granden am Tag danach noch zurück. Doch die Probleme, die bei der Wahl an den Tag traten, sind zu groß, um noch länger ignoriert werden zu können.

"Zu alt, zu weiß, zu männlich"
Kein Zweifel: Die krachende Niederlage geht nicht nur auf das Konto Romneys. Die wirklichen Ursachen liegen tiefer, sind in grundlegenden sozialen Verschiebungen der US-Gesellschaft zu suchen. Das Dilemma der Republikaner: "Die Partei ist zu alt, zu weiß, zu männlich", wie die Internet-Plattform "Politico" schreibt. Vor allem: Den Republikanern entgleiten immer mehr die Minderheiten der Latinos, der Schwarzen und der Asiaten. Doch das sind just die Bevölkerungsschichten, die stark wachsen.

Noch 1992 etwa waren 87 Prozent der Wähler weiß, diesmal lediglich 72 Prozent - der Rest sind Minderheiten. Zwar hatte Romney bei den Weißen mit 52 Prozent die Nase vorn. Doch das genügt eben nicht mehr. Obama schaffte 69 Prozent Zustimmung bei den Hispanics, 74 Prozent bei den Asiaten und sage und schreibe 93 Prozent bei Afroamerikanern. Die Stärke der Republikaner sind nach wie vor die weißen Wähler, die Älteren und die Reichen. Eine große Schwäche sind dagegen die Frauen, die offenbar die harte Haltung in Sachen Abtreibung abgeschreckt hat. Obama räumte bei ihnen mit 55 zu 43 Prozent ab.

Republikaner können weiter jedes Gesetz zu Fall bringen
Allerdings: Schwach und zahnlos sind die Republikaner noch lange nicht. Immerhin haben sie erneut die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert - und können damit jedes Gesetz der Demokraten zu Fall bringen. Die Frage ist: Werden die Republikaner an ihrer Blockadepolitik der vergangenen zwei Jahre festhalten? Oder bekommen die Moderaten in der Partei wieder eine Chance, mit Obama und den Demokraten Kompromisse auszuhandeln?

"Das einzige und wichtigste Ziel, das wir erreichen wollen, ist, dass Obama ein Präsident mit nur einer Amtszeit wird", hatte der republikanische Senator Mitch McConnell als Parole ausgegeben. Ein böser Satz, der zum Credo der populistischen Tea-Party-Bewegung wurde - und zeitweise zum Stolperstein für den Mann im Weißen Haus. Die Republikanische Partei dürfe jetzt keinesfalls mit einem erneuten Rechtsruck reagieren, warnt der Politikexperte John Hudak vom US-Forschungsinstitut Brookings. Um den Abwärtstrend zu stoppen, müsse sie sich stattdessen "den Realitäten einer sich verändernden Gesellschaft stellen".

Wahlbeteiligung bei rund 57 Prozent
Es ist allerdings eine Gesellschaft, die offenbar immer politikverdrossener wird. Denn nach neuesten - allerdings nicht endgültigen - Zahlen haben am Dienstag nur 57 Prozent der Amerikaner gewählt, Drittkandidaten und ungültige Stimmen nicht eingerechnet. 2008 war die 60-Prozent-Marke noch überboten worden. Bei der ersten Kandidatur Obamas sei die Euphorie über den ersten schwarzen Präsidenten vielerorts riesig gewesen, nach vier Jahren im Amt sei eben sogar Obamas Glanz durch den Alltag im Politikgeschäft etwas verblichen, erklären US-Medien.

Der Präsident jedenfalls nahm inzwischen seine Arbeit in Washington wieder auf. Er traf am Mittwochabend Ortszeit mit seiner Familie in der Hauptstadt ein (siehe Video in der Infobox), nachdem er zuvor den Wahlsieg mit Tausenden Anhängern in seiner Heimatstadt Chicago gefeiert hatte. Für den Vormittag steht das tägliche Briefing mit seinen engsten Beratern auf dem Programm - Republikaner und Demokraten müssen sich in den kommenden Wochen auf seinen seit Langem überfälligen Sparkompromiss einigen.

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