Fr, 19. Oktober 2018

Rockt wahrhaftig

29.10.2012 15:23

Plastik-Controller war gestern: "Rocksmith" im Test

Wenn es ein Schicksal gibt, das viele Österreicher miteinander teilen, dann ist es wohl, nicht Gitarre spielen zu können. Dies zu ändern, tritt nun Ubisofts "Rocksmith" an: Der Titel revolutioniert das Genre der Musikgames, indem er echte Instrumente ins Spiel bringt. Das macht nicht nur Spaß, sondern hat auch einen positiven Nebeneffekt.

Mit Titeln wie "Guitar Hero" und "Rock Band" wurde die Spielebranche Ende 2005 von einem regelrechten Musikspiel-Hype erfasst. Es folgten immer weitere Ableger und Plastik-Controller, auf denen Gamer ihr Können unter Beweis stellen sollten, bis der Nachschub an Spielen und Zubehör vor rund zwei Jahren schließlich wieder verebbte – wohl auch, weil viele Spieler zwischenzeitlich begriffen haben dürften, dass sie "Guitar Hero" zwar auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad beenden, deswegen aber noch lange nicht Gitarre spielen können.

"Kein Plastikmüll"
Hier kommt nun Ubisofts "Rocksmith" ins Spiel. Der Titel des französischen Publishers nimmt von den kleinen Plastik-Gitarren mit ihren bunten Tasten Abschied und setzt stattdessen auf Authentizität: Mittels eines Klinke-USB-Adapters werden echte E-Gitarren (oder -Bässe) aus echtem Holz und mit echten Saiten an die Konsole oder den PC angeschlossen. Oder, wie es Ubisoft ausdrückt: "Kein Plastikmüll. Keine Imitationen. (…) Nach dem Anschließen an die Konsole entwickeln die Spieler echte Fähigkeiten und echten Style, während sie wirkliche Musik spielen."

Wo war doch gleich noch mal der siebte Bund?
Das klingt verlockend, ist aber leichter gesagt als getan, denn das Lerntempo ist hoch. Kaum hat man die Gitarre gestimmt und erfahren, was ein einzelner Bund ist, geht es auch schon los. Hauptproblem hierbei: Während man als Anfänger, den Blick starr auf Gitarrenhals und Finger gerichtet, damit beschäftigt ist, den richtigen Bund und die richtige Saite ausfindig zu machen, ziehen die zu spielenden Noten auf dem Bildschirm erbarmungslos vorüber. Immerhin: Zur besseren Orientierung am Gitarrenhals legt Ubisoft ein paar Aufkleber bei, mit denen sich die wichtigsten Bünde markieren lassen.

Kontinuierlich steigender Schwierigkeitsgrad
Erschwerend kommt gerade anfangs hinzu, dass "Rocksmith" eigenständig am Schwierigkeitsgrad schraubt und Noten beim wiederholten Durchlauf eines Songs hinzufügt. Vorteil: Der Spieler wird konstant gefordert. Nachteil: Die Chance, bestimmte Abläufe motorisch zu erfassen und sich einzuprägen, schwindet. Fingerfertigkeit erlangt man schließlich nur durch ständiges Üben. Auch in diesem Punkt hat "Rocksmith" Verbesserungspotenzial: Die einzelnen "Lerneinheiten" sind oftmals zu kurz, um das gerade Gelernte zu verinnerlichen.

Bis die Fingerkuppen schmerzen
Wer sich von kleineren Hindernissen wie diesen nicht abschrecken lässt, wird jedoch schon bald Blut lecken. Das Gefühl, einen Song wirklich zu spielen und nicht nur so zu tun als ob, lässt dann auch den Schmerz in den Fingerkuppen vergehen und spornt zu weiteren Übungseinheiten an, bis man schließlich seinen ersten – wenn auch nur virtuellen - Auftritt absolvieren kann. Mit etwas Glück verlangt das Publikum sogar nach einer Zugabe. Rund 50 Songs namhafter Künstler und Bands wie Eric Clapton, den Rolling Stones, Muse, Soundgarden oder Queens of the Stone Age, um nur ein paar zu nennen, sind auf der DVD enthalten.

Spielerisches Lernen im "Guitarcade"-Modus
Wer vom Tourleben eine Pause machen möchte, kann sich abseits des Karriere-Modus in "Guitarcade" einer Reihe von Mini-Games mit Lerncharakter widmen. So bietet ein "Galaga"-Verschnitt mit Quietscheentchen etwa Gelegenheit, die Bund-Treffsicherheit zu trainieren. Frischgebackene Gitarreros können außerdem diverse Technik-Herausforderungen in Angriff nehmen, um Hammer-Ons, Slider oder Powerchords zu erlernen, oder einen Blick auf die Akkordabfolgen einzelner Songs werfen, um diese dann eines Tages vielleicht mal ganz ohne "Rocksmith" und Konsole auf einer echten Bühne wiedergeben zu können. Im Verstärker-Modus wiederum können zuvor freigeschaltete Amps und Effektpedale dazu verwendet werden, eigene Sounds zu kreieren.

In Sachen Präsentation und Aufmachung könnte sich "Rocksmith" noch ein Stückchen von "Guitar Hero" abschneiden. Zugutehalten muss man dem Spiel allerdings, dass es auf billige Effekthascherei zugunsten einer besseren Übersicht verzichtet und so Gamer nicht unnötig durch blinkende oder sonstwie irritierende Anzeigen ablenkt und stört.

Fazit: "Rocksmith" stellt die logische Weiterentwicklung zu bisherigen Musikspielen mit Plastik-Controllern wie "Guitar Hero" und "Rock Band" dar. Der Spaß mag anfangs vielleicht nicht ganz so hoch wie bei diesen liegen, ist er doch mit reichlich Arbeit verbunden; wer die Mühen jedoch auf sich nimmt, wird am Ende reichlich belohnt - nicht mit einem Highscore, sondern dem Talent, wahrhaftig Gitarre spielen zu können. Wir freuen uns jedenfalls schon jetzt auf "Drumsmith", "DJSmith" und Co.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 8/10

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