Der Protest gegen den Umbau des Michaelerplatzes im Herzen Wiens hält an. Experten konfrontieren das Rathaus mit Ideen abseits einer gesichtslosen Behübschung. Davon hätte Wien in jeder Hinsicht mehr. Es bräuchte aber auch mehr Mut dafür.
Bäume, Beete und ein Wasserspiel auf dem Michaelerplatz sind für die Stadt angesichts des Klimawandels eine „zeitgemäße Umgestaltung“. Dieses Argument halten die ständig mehr werdenden Experten, die gegen die Umgestaltung des Platzes protestieren, für Unfug.
„Entsiegelung am Heldenplatz hätte viel größere Wirkung“
„Ich glaube nicht, dass der Platz durch die jetzt geplanten Maßnahmen wesentlich kühler wird“, stellt Universitätsprofessorin Lilli Lička klar. Als Institutsvorstand der BOKU-Landschaftsarchitektur weiß sie, wovon sie spricht. Für sie ist klar, was es bräuchte, wenn man es mit der klimafitten Stadt ernst meint: „Dass am Heldenplatz eine viel größere Klimawirkung aufgrund der zu entsiegelnden Fläche erzielt würde, ist eindeutig.“
Wenn man den Heldenplatz von Beton befreien würde, könnte er (siehe die Ansicht von Franz Alt aus dem Jahr 1877 oben) sein ursprüngliches Gesicht als Garten wiedergewinnen . Er verlor es ab den 1930er-Jahren. Das war damals „zeitgemäß“. Der Heldenplatz „gehört“ dem Bund, das hätte für die Stadt mühsame Verhandlungen bedeutet, schätzt Lička. Man habe sich mit dem Michaelerplatz wohl einfach für ein leicht umsetzbares Projekt entschieden, und das in der denkbar schlechtesten Form.
Die Pläne für den Michaelerplatz deuten darauf hin, dass schnell und öffentlichkeitswirksam zu handeln einer mühsameren Verhandlung für eine nachhaltigere Wirkung vorgezogen wird.

Professorin Lilli Lička, BOKU-Vorstand für Landschaftsarchitektur
Bild: Natascha Unkart
Sorge um „Charakter von speziellen Orten in Wien“
Das Argument der Stadt, dass ein klimafitter Michaelerplatz so aussehen müsse, lässt Lička nicht gelten: „Um diese Optik führt eben schon ein Weg herum.“ Es brauche etwa kein „Wasserspiel, wie man es auf jedem Spielplatz und in jedem Bezirk finden könnte“. Ihr geht es außerdem „nicht nur um den Michaelerplatz: Es geht darum, dass spezielle Orte in Wien mit ihrem ganz eigenen Charakter nicht in 08/15-Plätze verwandelt werden.“
Die international tätige Gartenarchitektin Maria Auböck warnt zudem, dass der Platz nicht so aussehen wird, wie das Rathaus auf Visualisierungen verspricht: Die Stadt habe vor, schnell wachsende hohe Bäume zu pflanzen. Die würden die ersten zehn Jahre mickrig, dann eventuell zehn Jahre akzeptabel aussehen – und ab dann den ganzen Platz mitsamt Hofburg und Loos-Haus verstecken oder ohnehin regelmäßig zurechtgestutzt werden.
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