Pässe für Investoren
Inselstaat in der Karibik: “Part of the game” für Mafia?
Eine Projektentwicklungsfirma "Range Developments" aus Dubai wirbt unter anderem in Pakistan, wo zahlreiche militante Extremisten sitzen. Grundlage für einen Antrag auf Staatsangehörigkeit ist die Bereitschaft, 400.000 US-Dollar (umgerechnet 309.693 Euro) für eine Dauer von mindestens fünf Jahren in ein Hotel in St. Kitts und Nevis zu investieren. Das soll nach seiner Fertigstellung von der Luxuskette Park Hyatt betrieben werden.
"Strenge Überprüfung" oder Persilschein?
In der Verordnung der Regierung von St. Kitts und Nevis zum Programm "Staatsbürgerschaft durch Investition" heißt es, der Hintergrund jedes Antragstellers werde geprüft. Gegebenenfalls werde dafür ein Gremium eingesetzt, das den Antragsteller persönlich vorladen könne. Ein polizeiliches Führungszeugnis muss vorgelegt werden, und aufgenommen wird nur, wer keine kriminelle Vergangenheit habe bzw. kein "potenzielles Sicherheitsrisiko für St. Kitts und Nevis oder für ein anderes Land" darstellt.
Range Developments wirbt auf der eigenen Homepage hingegen damit, dass kein Interview mit der Regierung notwendig sei. Weiter heißt es: "Die Regierung von St. Kitts und Nevis erlaubt die doppelte Staatsbürgerschaft und wird weder Informationen über Personen veröffentlichen, die die Staatsbürgerschaft erlangen, noch das Land Ihrer derzeitigen Staatsbürgerschaft informieren." Pässe könnten für den Investor und den Ehepartner sowie für Kinder bis zum Alter von 25 Jahren und für über 65 Jahre alte Eltern ausgestellt werden - wer will, kann also die ganze Familie versorgen.
430.000 Euro und 120 Tage Wartezeit
Die deutsche Nachrichtenagentur dpa, die auf die Inserate aufmerksam machte, fragte beim Marketing-Direktor von Range Developments, Vipin Sharma, nach. Per E-Mail teile der Firmensprecher mit, das "Staatsbürgerschaft durch Investition"-Programm von St. Kitts und Nevis sei bereits 1984 ins Leben gerufen worden. Es sei "das älteste und meist respektierte" Programm dieser Art weltweit. Wer die Bedingungen erfülle, werde "sicherlich" die Staatsbürgerschaft angeboten bekommen. Auf die Frage, ob das Programm nicht Kriminelle oder Terroristen anziehen könne, antwortete Sharma, die Regierung prüfe "sehr streng", bevor sie Anträge bewillige.
In einer in der pakistanischen Zeitung "Dawn" in diesem Monat landesweit veröffentlichten Anzeige von Range Developments stand hingegen: "Erlangen Sie volle Staatsbürgerschaft für sich und Ihre Angehörigen von St. Kitts und Nevis innerhalb von 120 Tagen" - das ermögliche "visafreie Reisen in 139 Länder, darunter Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Kanada und die Schweiz". In einer Beispielrechnung im Internet werden die Gesamtkosten für eine vierköpfige Familie inklusive der Investition und aller Gebühren auf 564.500 US-Dollar (rund 430.000 Euro) beziffert. Range Developments habe außer in Pakistan auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Saudi-Arabien für das Projekt geworben. Künftig solle es weltweit angeboten werden, so Sharma.
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