Meine Jugendfreundin Kathi hat einiges mit Toni Polster gemeinsam. Sie ist wegen der Arbeit nach Spanien gegangen, liebt das Eis des Favoritner Eissalons Tichy und ist Fan der Wiener Austria. Niemand konnte Kathi bisher für Real Madrid oder ein anderes Eis gewinnen.
Letzten Sommer spazierten wir während ihres Wienbesuchs über die Favoritenstraße. Plötzlich stellte Kathi fest: „Hier hört man ja fast kein deutsches Wort. Wienerisch gar nicht mehr, schade.“
Bei unserem letzten Telefonat habe ich ihr berichtet, dass Toni Polster in einem Interview dasselbe festgestellt hatte. Da er sehr bekannt ist, hat seine Äußerung klarerweise Aufmerksamkeit erregt. Erst recht, als der FPÖ-Vorsitzende Herbert Kickl ihn auf Facebook zitierte.
Polster habe sich instrumentalisieren lassen, er sollte das tunlichst richtigstellen, waren noch die wohlwollendsten Tipps, die ich in Kommentaren lesen konnte. Die Kernaussage seines Interviews wurde allerdings nicht erwähnt: „Man muss bei den Kindern ansetzen. Integration erreicht man auch durch Sport und Disziplin.“
Leider waren weder Herr Kickl noch seine Gegner interessiert, darauf näher einzugehen. Toni Polster hat sich dazu nicht mehr geäußert. Er leistet mit seinem Verein ohnehin weitaus mehr Integrationsarbeit als all jene, die sich nun Wortgefechte über genug oder zu wenig Deutsch am Reumannplatz liefern. Tore schießt man nicht mit schönen Sätzen, sondern nur durchs Tun.
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