Di, 19. März 2019
15.06.2012 00:57

Doppeltes Flottchen

Subaru BRZ und Toyota GT86 lassen alte Zeiten aufleben

Früher war nicht alles besser, aber manches. Doch es besteht Hoffnung: Es gibt endlich wieder einen leistbaren Sportwagen mit Heckantrieb, der den Spaß am Autofahren zelebriert. Er wurde gemeinsam von Subaru und Toyota entwickelt und ist wahlweise mit entsprechendem Logo zu bestellen. Und, ja, auf ihn hat die Autowelt gewartet!

Es handelt sich um im Wesentlichen baugleiche Drillinge (in den USA gibt es noch den Toyota-Ableger Scion), alle drei werden bei Subaru in Japan gebaut. Für Europa relevant sind Subaru BRZ und Toyota GT86.

Echter Spaß kommt von hinten
Man sieht dem Wagen auf den ersten Blick an: Er ist einer vom alten Schrot (mit nur einem "t"!) und Korn. Motor vorne, Antrieb hinten, Torsen-Sperrdifferenzial, lange Front, kurze Überhänge, klassische Sportwagensilhouette, der man die Tradition des Klassikers Toyota 2000 GT ansieht. Bei Toyota legt man besonderen Wert darauf, dass der Chefdesigner ein Toyotamann ist. Tatsächlich tritt der GT86 so was wie die Nachfolge der seligen Celica an.

Ohne den 2-Liter-Boxermotor von Subaru würde das Konzept aber nicht funktionieren, denn der baut extrem flach, lässt sich tief einbauen, was die flache Schnauze ermöglicht, vor allem aber einen besonders tiefen Schwerpunkt. Der wiederum trägt wesentlich zum Fahrspaß bei. Die D-4S genannte sequentielle Einspritzanlage stammt von Toyota und spritzt den Sprit je nach Bedarf ausschließlich direkt in die mit 86 x 86 mm quadratisch ausgelegten Zylinder oder zusätzlich ins Saugrohr.

Saugmotor mit 100 PS Literleistung
Der Hochdrehzahl-Saugmotor (dreht bis 7.500/min.) leistet 200 PS bei 7.000/min., bei 6.400 Touren schiebt das maximale Drehmoment an - wobei Toyota 209 Nm angibt, Subaru 205 Nm (was bei angeblich baugleichen Motoren interessant ist); 200 Nm stehen bereits ab 3.000/min zur Verfügung (zwischendurch wird's dann noch mal weniger). Bei rund 1.230 kg Leergewicht macht das ein Leistungsgewicht von 6,3 kg/PS, was günstig ist, auch wenn 7,6 Sekunden (100 werden im 3. Gang erreicht) für den Standardsprint jetzt nicht der Oberhammer sind.

Doch das ist ohnehin kein Auto, in dem man sich für Datenblätter interessiert. Normverbrauch 7,8 Liter, mit einem Downsizing-Turbomotor wäre es sicher weniger, aber wir lechzen nach solchen Saugern! Die Leistung entwickelt sich schön linear, mit einem Buckel nach oben bei 3.000 Touren. Das ist stets berechenbar, auch wenn man anfängt, Erfahrungen mit dem Driften zu sammeln. Ja, Driften. Das ist das berühmte Quer-bist-wer, das mit solchen Autos richtig Freude macht, wenn die Umstände passen (wie etwa bei der Präsentation auf dem Wachauring (Toyota) und in Teesdorf (Subaru).

Fühlt sich an wie erhofft
BRZ und GT86 lassen sich auch höchst behände durch die Kurven jagen, sie eignen sich bestens zum Einstieg in das sportliche Fahren mit Heckantrieb. Der tiefe Schwerpunkt und das straffe Fahrwerk (der Toyota ist vorne noch eine Spur härter) sind eifrige Diener des Herrn am kleinen Sportlenkrad. Die Lenkung vermittelt gut zwischen Fahrer, Wagen und Straße. Okay, in einem Münchner fühlt sich das noch mal anders an, aber wir wollen mal nicht übertreiben.

Knackiges und präzise ist das Sechsgang-Schaltgetriebe, durch das der kurze Schalthebel auf kurzen Wegen flutscht. Nur vom zweiten auf den dritten Gang sollte man nicht schlampig schalten, sonst kann es etwas haken. Als Alternative wird eine Sechsgang-Automatik angeboten, mit der sich alles etwas fader und schaumgebremst anfühlt. Das hat dieses Spaßauto nicht verdient!

Vormundsysteme sind abschaltbar
Unterstützung kann sich der Fahrer vom fünfstufigen ESP (heißt hier VDC bzw. VSC) holen, wobei Stufe fünf das echte Kappen der Systeme (außer ABS) bedeutet. Ja, hier traut man uns noch zu, dass wir die Verantwortung für uns und die Maschine übernehmen können. ESP im Sportmodus (Stufe vier ist die richtige Einstellung für ambitioniertes Fahren mit einer schützenden Hand, die Gröberes verhindert. Damit lassen sich etwa am Wachauring (auch bei Nässe) hohe Kurvengeschwindigkeiten erzielen, ohne dass im Grenzbereich die Hände feucht werden (die Höchstgeschwindigkeit von 226 km/h haben wir dabei nicht angetestet).

All das wird untermalt von herrlichem, fast schon ein wenig räudigem Sound – aber nur im Innenraum. Außen rauscht der flotte Japaner selbst unter Vollast fast schon unauffällig vorbei. Möglich macht dies ein "Soundgenerator", also ein Rohr, das Sound aus dem Motor abzweigt und den Ohren der Insassen zuführt. Dies können theoretisch vier Leute sein, aber wie bei 2+2-Sitzern üblich, ist die Rückbank eher als Erweiterung des hier 243 Liter großen Kofferraumes zu verstehen, auch wegen der umständlichen Sitzklappmechanik.

Fahrer und Beifahrer sind dagegen perfekt untergebracht. Die serienmäßigen Sportsitze (im Subaru sogar serienmäßig in Leder und Alcantara, im Toyota gegen Aufpreis) bieten guten Seitenhalt, es ist Platz genug auch für große Menschen, die Sitzposition passt auch für aktives Fahren (ist leider keine Selbstverständlichkeit!), auch der Qualitätseindruck geht in Ordnung.

Feine Unterschiede gibt es doch
Wie gesagt, Subaru BRZ und Toyota GT86 sind praktisch baugleich, aber doch nicht ganz. In folgenden Punkten unterscheiden sie sich (nach Toyota-Angaben):

  • Reibwert der Toyota-Bremsbeläge ist höher, also bessere Bremsleistung
  • Federn vorne sind beim Toyota härter
  • Scheinwerfer-Einheit
  • Nebelscheinwerfer-Partie
  • Kühlergrill beim Subaru gröber und mit einer breiten, schwarzen Leiste hinter dem Kennzeichen
  • seitliche Lufteinlässe beim Subaru ausgeprägter
  • Metallicblau nur bei Subaru, Metallicorange nur bei Toyota
  • natürlich die jeweiligen Hersteller-Embleme
  • Nicht zu vergessen die Garantie: bei Subaru 3 Jahre oder 100.000 km, bei Toyota 5 Jahre.

Die Ausstattung ist ebenfalls sehr ähnlich und in jedem Fall nahezu komplett, von der Airbag-Armada über Zwei-Zonen-Klima, Bi-Xenon mit LED-Tagfahrlicht, LED-Heckleuchten bis zum Tempomat. Leder kostet im Toyota extra. So ist der Subaru ab 33.990 Euro, der Toyota ab 33.684 Euro zu haben.

In jedem Fall geht aber erst mal das Warten weiter. Die ersten Toyotas werden im September ausgeliefert, immerhin stehen ab Juli schon mal welche beim Händler. 280 Stück sollen noch dieses Jahr in Österreich verkauft werden, während man bei Subaru von einem geringen zweistelligen Betrag spricht, den man zugeteilt bekommen wird – die Nachfrage dürfte allerdings höher sein.

Kein Wunder: Die Welt hat tatsächlich auf diese Autos gewartet. Und womit? Mit Recht.

Warum?

Weil hier großer Spaß samt Sport zu einem extrem fairen Preis angeboten wird.

Warum nicht?

Wer sein Auto rein vernunftgesteuert auswählt, wird sich woanders umschauen.

Oder vielleicht …

... warten auf stärkere Motorversionen.

Sonst gibt's nicht wirklich was Vergleichbares in der Preisregion. Nissan 370Z ist eine andere Liga und teurer, Peugeot RCZ hat Frontantrieb (und ist teurer!), Mazda RX-8 wird nicht mehr angeboten (und war auch teurer), Mazda MX-5 ist in Sachen Heckspaß noch am ehesten dabei.

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