Vor 20 Jahren gab es in Tirol viermal so viele Einbürgerungen wie zuletzt. Gegenüber dem Vorjahr zeigt der Trend aber nach oben - plus 13,3 Prozent. Deutsche und Italiener wollen hingegen kaum noch Österreicher bzw. Tiroler werden, die Experten kennen die Gründe dafür . . .
In Tirol erhielten im Vorjahr 775 Personen die österreichische Staatsbürgerschaft (um 13,3 Prozent mehr als 2021 mit 684 Personen). Der Höchststand wurde 2004 mit 3431 Einbürgerungen erreicht. In den darauffolgenden sechs Jahren sank die Zahl kontinuierlich und betrug 2010 rund ein Sechstel (574 Personen) des Höchstwertes.
Seit 2010 ist die Zahl der Einbürgerungen relativ konstant – mit im Schnitt 596 pro Jahr. Insgesamt wurden 39.431 Personen seit 1981 eingebürgert.
Gesetz geändert, daher erfolgte der Rückgang
Der markante Rückgang bei den Einbürgerungszahlen ab 2004 ist einerseits auf veränderte rechtliche Rahmenbedingungen (z. B. die Novelle des Staatsbürgerschaftsgesetzes im Frühjahr 2006) zurückzuführen. „Andererseits ging in den vergangenen Jahren die Zahl der eingebürgerten Personen mit einem mindestens zehnjährigen, ununterbrochenen Hauptwohnsitz in Österreich zurück“, erhoben Adrian Maldet und Manfred Kaiser von der Landesabteilung Raumordnung und Statistik.
Für EU-Bürger besteht angesichts der weitestgehenden rechtlichen Gleichstellung mit Österreichern nur mehr geringes Interesse an einer Einbürgerung.
Adrian Maldet und Manfred Kaiser, Landesabteilung Raumordnung und Statistik.
Für Deutsche und Italiener kaum mehr interessant
Mitte der 1980er Jahre entfielen 60 bis 70 Prozent der Einbürgerungen auf deutsche und italienische Staatsangehörige, die damit zu „Wahl-Tirolern“ wurden. Mittlerweile haben sich diese Anteile stark verringert. Im Jahr 2022 wurden nur noch 37 Personen (4,8 Prozent) mit deutscher Staatsangehörigkeit und 13 Personen (1,7 Prozent) mit italienischer Staatsangehörigkeit in Tirol eingebürgert. Der Grund ist einleuchtend: Für EU-Bürger besteht angesichts der weitestgehenden rechtlichen Gleichstellung mit Österreichern nur mehr geringes Interesse.
Langjähriger Aufenthalt aus häufigster Grund
Häufigste Anlässe für Einbürgerungen in Tirol: ein sechsjähriger Aufenthalt mit nachgewiesener Integration und Deutschkenntnissen (344 Fälle); die „Erstreckung“ der Verleihung auf Ehepartner oder Kinder (210 Fälle); ein Aufenthalt von zehn Jahren in Österreich (93 Fälle). Zwei Personen wurden wegen „außerordentlicher Leistungen“ eingebürgert.
Generell waren 14,7 Prozent vorher EU-Bürger. 25,8 Prozent hatten den Flüchtlingsstatus, das ist ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr (15,9 Prozent).
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