Fr, 20. Juli 2018

Für Hobbypiloten

19.03.2012 15:59

Gratis fliegen wie im Minimundus: "Microsoft Flight"

"Es wird seinen ersten Flug nehmen der große Vogel vom Rücken des Hügels aus, das Universum mit Verblüffung, alle Schriften mit seinem Ruhm füllen", erkannte schon Leonardo da Vinci. Der Traum vom Fliegen ist zwar alt, hat aber seine Faszination bis heute, obwohl er leicht zu erfüllen ist, nicht verloren. Darauf baut auch das vor Kurzem erschienene, in der Basisversion kostenlose "Microsoft Flight".

Die Historie des "Flight Simulator" reicht weit zurück. Die erste Version gab es bereits im Jahr 1982, sie lief auf einem Apple-Computer. Schlussendlich, landete der Klassiker der Flugsimulationen 1984 bei Microsoft. Mit "Microsoft Flight Simulator X" kam vor knapp sechs Jahren die bis dato letzte Version auf den Markt.

Obwohl noch immer eine treue Fangemeinde vorhanden ist, schien das Spielprinzip nicht mehr markttauglich. Es gab zwar so etwas wie Missionen, um Gelegenheitsspieler bei Laune zu halten, aber im Kern ging es darum, eine Vielzahl an Fluggeräten möglichst realitätsnah pilotieren zu können. Aufgrund der unzähligen Erweiterungen konnte man mit einem Jumbo praktisch um die Welt zu fliegen. Es schien sich zu bewahrheiten, dass der digitale Himmel über den Wolken wohl grenzenlos sein muss. Rahmenhandlung oder Arcade-Funktionen existierten nicht.

Microsoft hat dem Warten nun ein Ende gesetzt und mit "Microsoft Flight" doch eine Fortsetzung herausgebracht. Ob alle Fans aufatmen können, lässt sich nicht eindeutig beantworten, da es doch wesentliche Änderungen im Spielkonzept gibt.

Stundenlange Atlantikflüge ade
Am wenigsten wird die Tatsache stören, dass die Basisversion kostenlos zum Download bereitsteht. Damit haben auch Gelegenheitsspieler eine einfache Möglichkeit auszuprobieren, ob sie das Talent zum Kapitän haben. Anfangs steht nur ein Leichtflugzeug zur Verfügung und das Fluggebiet beschränkt sich auf eine Insel. Hier finden sich dann auch die ersten Knackpunkte. Es zwar wird laufend Erweiterungen geben, die neue Flugzeuge und Umgebungen beinhalten, aber es dürfte nicht mehr möglich sein, fast die ganze Welt zu umfliegen. Man könnte, nicht zu Unrecht, einwenden, dass ein Atlantikflug - bei dem stundenlang nichts als Wasser zu sehen ist - wenig prickelnd ist, aber allein die Möglichkeit, es tun zu können, hat einen gewissen Charme.

Welt zum Minimundus geschrumpft
Im Moment ist nur die erste Erweiterung "Hawaii" zu haben. Das ist im Gegensatz zu den Vorgängern fast so, als wäre die Welt zum Minimundus geschrumpft. Natürlich lässt sich Microsoft die Zusätze bezahlen - zwanzig Euro werden etwa für "Hawaii" fällig. Grundsätzlich ist dagegen auch nichts einzuwenden. Die Frage, ob dieses Bezahlsystem nicht teurer kommt als eine kommerzielle Version mit einem nennenswerten Spielumfang, lässt sich nicht leicht beantworten. Für Gelegenheitsspieler, die nur selektiv einzelne Erweiterungen erwerben, dürfte es vermutlich nicht kostspieliger werden. Dementsprechend greifen Fans und Sammler tiefer in die Tasche.

Microsoft scheint auch mehr auf neue Zielgruppen als die alte Community zu setzen, denn Drittanbieter, die dafür gesorgt haben, dass nahezu jedes Flugzeug und jeder Flughafen verfügbar war, wird es nicht geben.

Einfacher Einstieg
Als unbedarfter Spieler hat man vor Simulationen einen gewissen Respekt. Die vielen Tasten, die auf dem Keyboard gedrückt werden müssen, bis das Ding überhaupt erst zu Rollen beginnt, versprechen nicht unbedingt den großen Spaß. Bei "Microsoft Flight" landet man zuallererst im Tutorial in einem Leichtflugzeug. Praktischerweise ist es schon in der Luft. In der ersten Übung muss der Spieler Heißluftballone umkurven und die Geschwindigkeit erhöhen sowie senken. Siehe da, es geht selbst mit der Maus überraschend unkompliziert. Ein gewisser Stolz stellt sich rasch ein. Für alle Flugsimulationsenthusiasten werden selbstverständlich die spezifischen Joysticks unterstützt.

Auch Profis kommen zum Zug
Im nächsten Schritt wartet die erste Landung. Das Leichtflugzeug entpuppt sich dabei immer mehr wie ein Kleinwagen mit Propeller, also einfach und unkompliziert in der Handhabung. Zum Abschluss der Einführung stehen noch ein Start sowie eine Wasserlandung an. Danach kann man entweder frei fliegen oder Aufträge erledigen. Der Realismusgrad lässt sich so weit hinaufschrauben, dass auch Fans auf ihre Kosten kommen.

Wohltuend entschleunigt
Dennoch geht es friedlich und entschleunigt zur Sache. Dieser Charakter des Spiels wirkt wie eine wohltuende Antithese zu vielen anderen Produkten auf dem Markt. Wenn man über die bewaldete Landschaft oder das Meer langsam dahingleitet und die schön dargestellte Umgebung bewundert, vergisst man beinahe die Zeit.

Ebenfalls der Entspannung dienlich: Für die Vorgänger des "Flight Simulator" war nur die neueste, leistungsfähigste Hardware gerade gut genug. Dem ist nun glücklicherweise nicht mehr so. Auch weniger schnelle Rechner zaubern eine ansehnliche und vor allem flüssige Grafik auf den Schirm.

Fazit: Microsoft hat seinen Fokus mehr auf Gelegenheitsspieler gelegt und riskiert, alteingesessene Spieler zu vergraulen, die mit einer viel kleineren Spielwelt auskommen müssen und auch keine Erweiterungen mehr selbst erstellen können. Neulingen und "Vielleicht-Hobbypiloten" kommen aber sowohl der kostenlose Einstieg als auch die einsteigerfreundliche Steuerung zugute. "Microsoft Flight" ist mit dem Vorgänger nur bedingt vergleichbar, entspricht aber wohl am ehesten den heutigen Anforderungen für kurzweilige Unterhaltung.

Plattform: PC
Publisher: Microsoft
krone.at-Wertung: 7/10

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