Stephan Suschke inszeniert im Linzer Schauspielhaus „Julius Cäsar“ von William Shakespeare und ignoriert dabei die Mächtigen der Gegenwart. Das willige Ensemble darf nichts zeigen. So bleibt das „Römerdrama“ verzichtbar.
Der Feldherr und Politiker Julius Cäsar will Alleinherrscher sein. Eine Gruppe von Verschwörern tötet ihn am Fuß des Kapitols. Das „Römerdrama“ zeigt die Bedrohung der Demokratie durch Tyrannentum – ausreichend Potenzial, um die Gegenwart zu kommentieren.
Cäsar, ein Tyrann unserer Zeit
Was hat uns Cäsar in Stephan Suschkes Inszenierung hier und jetzt zu sagen? Der Regisseur setzt den Figuren lieber Köpfe auf, die antiken Idealvorstellungen entspringen, statt nach „Befreiern“ und Tyrannen im Zeitgeschehen zu suchen. Davon gäbe es doch genug! Er belässt die Damen in Nebenrollen, anstatt dass sie den Größenwahn der Männer kommentieren.
Regie vom Reißbrett
Die Besetzung von Cäsar, Brutus, Cassius und Marc Anton mit Alexander Julian Meile, Helmuth Häusler, Klaus Müller-Beck und Christian Taubenheim bietet schauspielerisch enorme Möglichkeiten, doch Suschke traut ihnen weder Machtrausch, noch Zweifel zu, keine Emotionen bitte! Er lässt sie lieber ein paar Schritte links, ein paar rechts gehen, als dass er konturierte Charaktere seziert. Cäsar und vor allem Brutus und Marcus Antonius, die eigentlich im Zentrum des Dramas stehen, werden sowohl in der aktuellen Deutung, als auch schauspielerisch ausgebremst.
So bleibt diese Inszenierung flach wie eine Textprobe, das Theaterblut peinlich, die Reden vor dem Smartphone (den Massen) belanglos.
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