Aus Gier gehandelt

Acht Jahre Haft für französischen Zahnarzt

Ausland
20.10.2023 14:49
Porträt von krone.at
Von krone.at

Weil er etwa 3900 gesunde Zähne aus Geldgier abgetötet hatte, wurde ein ehemaliger Zahnarzt aus Marseille zu acht Jahren Haft verurteilt. Seine Praxis in einem der ärmsten Viertel der Stadt sei „eine reine Geldmaschine“ gewesen, sagte der Staatsanwalt. Das Gericht ordnete am Freitag die Beschlagnahmung einer Villa und weiterer Reichtümer an.

Der 43-Jährige hatte mithilfe seiner brutalen Machenschaften Autos, ein Boot, Kunstwerke und Bankkonten in der Höhe von mehr als 2,2 Millionen Euro angehäuft. Die Villa hatte der ehemalige Zahnarzt vor Beginn des Verfahrens noch an seine Frau überschrieben. Zu dem Geld war der Mann gekommen, weil er seinen Patientinnen und Patienten das Lächeln von Filmstars versprochen hatte, um ihnen dann so viele Zähne wie möglich zu ziehen oder abzutöten und ihnen teuren Zahnersatz anzudrehen.

Bis zu 70 Patienten am Tag
Viel Zeit für die nicht notwendigen Behandlungen blieb dabei nicht: Der 43-Jährige empfing bis zu 70 Patientinnen und Patienten pro Tag, viele ohne Termin. „Nach dem ersten Termin gab es systematisch einen Behandlungsplan, um möglichst viele Zähne abzutöten und zu überkronen“, heißt es in einem Bericht. Seine Operationen führte er schnell und nachlässig aus. Viele Patientinnen und Patienten klagten anschließend über Entzündungen und schlecht sitzenden Zahnersatz.

Sein Prothesenhersteller gab an, dass der ehemalige Mediziner Brücken bestellte, ohne sie vorher anzupassen. Laut der Sekretärin schreckte der Mann auch nicht davor zurück, Röntgenaufnahmen zu manipulieren. Er rechnete so viele Eingriffe ab, dass sein Arbeitstag bis zu 52 Stunden dauern hätte müssen.

Die 374 Opfer können nun auf Entschädigungszahlungen hoffen. Eine junge Frau hatte sich etwa mit 18 Jahren 24 Zähne ziehen lassen. Daraufhin habe sie mitunter Schwierigkeiten beim Essen und eine feuchte Aussprache gehabt, erzählte die Betroffene. Sie habe sich nach der Behandlung geschämt und immer mehr zurückgezogen.

80.000 Euro Monatseinkommen
Seine Praxis hatte der Ex-Mediziner 2005 im Norden von Marseille eröffnet, wo viele Menschen mit geringem Einkommen und nordafrikanischen Wurzeln leben. Fünf Jahre später war er mit einem Monatseinkommen von bis zu 80.000 Euro der bestbezahlte Zahnarzt Frankreichs.

Der ehemalige Zahnarzt verfolgte die Verkündung des Urteils per Videokonferenz aus seinem Gefängnis. Sein Sohn habe „vielleicht etwas zu schnell gearbeitet“, räumte der 71-jährige Vater noch im Prozess ein. Dieser wurde wegen Mithilfe zu fünf Jahren Haft verurteilt.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Ausland
20.10.2023 14:49
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung