Neuer Roman

„Lichtspiel“: Kehlmanns ganz großes Kino

Literatur
09.10.2023 18:48

Der neue Roman „Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann: Über das Leben des in Vergessenheit geratenen Regisseurs Georg Wilhelm Pabst, der den Verlockungen der Nazis erlag.

kmm

In den Glanzzeiten des deutschen Stummfilms war er so bekannt wie F. W. Murnau und Fritz Lang, er drehte mit der jungen Greta Garbo und das aufsehenerregende Action-Spektakel „Die weiße Hölle vom Piz Palü“ mit Leni Riefenstahl. Trotzdem nimmt der österreichische Regisseur Gustav Wilhelm Pabst (1865-1967) in der Filmgeschichte der ganz Großen nicht mehr als eine übersehbare Nebenrolle ein.

Fakten in ein eigenes Drehbuch gebettet
Aus dieser Versenkung holt ihn nun der Bestseller-Autor Daniel Kehlmann, der Pabsts Lebensdrama in seinem neuen Roman „Lichtspiel“ ins Scheinwerferlicht rückt. Wie schon in seinen auf Tatsachen beruhenden Erfolgsbüchern „Vermessung der Welt“ und „Tyll“ hat Kehlmann die historischen Hintergründe genau recherchiert. Und dennoch hat er die Geschichte quasi in sein eigenes Drehbuch eingebettet. Dazu hat er einige Figuren erfunden - und was die Filmgeschichte im Dunklen lässt, das erhellt er mit erzählerischem Licht.

Zur Person

Daniel Kehlmann, geb. 13. 1. 1975 in München als Sohn des österreichischen Regisseurs Michael Kehlmann und der deutschen Schauspielerin Dagmar Mettler  

Philosophie und Germanistik-Studium  

Sein 5. Buch „Ich und Kaminski“ wurde 2004 ein internationaler Erfolg.  

2005: „Die Vermessung der Welt“ wurde zu einem der größten Erfolge der deutschen Nachkriegsliteratur.  

Er beschäftigt sich privat auch mit Zauberkunst.

Kamera läuft, Ton ab für das tragische Leben von G. W. Pabst: In Hollywood konnte der Regisseur nicht Fuß fassen, woran auch sein schlechtes Englisch schuld gewesen sein könnte, wie Kehlmann humorvoll festhält. Nachdem sein Film gefloppt ist, kehrt er nach Europa zurück - erst nach Frankreich und dann trotz der Nazis zu seiner kranken Mutter nach Österreich bzw. in die „Ostmark“.

Und hier der harte Schnitt in seinem Leben: Was als Kurzbesuch gedacht war, wird durch den Kriegsausbruch vereitelt. Eine Ausreise der Familie Pabst ist nicht mehr möglich. Stattdessen wird Pabst vom Propagandaministerium umworben - und er arrangiert sich mit den Nazis. Die Liebe zur Kunst dient ihm als Rechtfertigung, um die Augen zu verschließen.

„All das geht vorbei“, meint er zu seiner verzweifelten Frau Traude, „aber die Kunst bleibt.“ Dass diese blutig und beschmutzt sei, will er nicht sehen. Diesen Konflikt zwischen privater Ausweglosigkeit und Verblendung durch ein Regime inszeniert Daniel Kehlmann in einem Erzählton so mitreißend wie ein Film. Aus unterschiedlichsten Perspektiven, mit vielen rasanten Schnitten, großen Stars und fein nuancierten Nebenrollen, mit packenden Dialogen, intimen Nahaufnahmen und überblickendem Weitwinkel - großes Kino eben.

Daniel Kehlmann präsentiert „Lichtspiel“ (Rowohlt Verlag) am 15. 10. um 15 Uhr im Theater in der Josefstadt. Informationen und Tickets hier. 

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