Ein wegen schweren Betrugs angeklagter Nigerianer tauchte unter. Das betrogene Opfer wartete am Donnerstag vergeblich vor dem Gerichtssaal in Feldkirch.
Wäre es Liebe gewesen, würde man von einer kurzen und heftigen Liaison sprechen. In dem Fall war es nur eine kurze und heftige Abzocke eines dreisten Internetbetrügers, der die 66-jährige Pensionistin aus Vorarlberg um knapp 40.000 Euro erleichterte. Und das ging so: Vor drei Jahren bestätigt die Frau eine Freundschaftsanfrage des Angeklagten über Messenger. Dass der neugewonnene Freund, der sich als Ingenieur ausgibt, mit ihr nichts Gutes im Sinn hat, ahnt sie zu dem Zeitpunkt noch nicht. Stattdessen freut sich die Vorarlbergerin über die tägliche Korrespondenz mit dem Mann und erfährt dabei, dass er in Hannover aufgewachsen, mit 14 Jahren nach Liverpool ausgewandert und nun als Ingenieur auf einer Bohrinsel in der Südsee arbeitet. Als er ihr kurze Zeit später mit Komplimenten den Charmeurschleim um die Ohren haut und ihr seine Liebe gesteht, ist die Ruheständlerin im siebten Himmel.
Erst recht, als er ihr verspricht, so rasch wie möglich nach Vorarlberg zu kommen, um sie in die Arme zu schließen. Der Haken daran: Der Mann denkt nicht im Traum daran, dies auch zu tun. Sein einziges Interesse ist, den psychischen Ausnahmezustand der Pensionistin auszunutzen und diese abzuzocken. Und so gibt er immer wieder neue Hürden an, die seinen Besuch unmöglich machen. Zuerst bittet er sie um Geld für einen Geschäftsdeal in Zypern. Als Zeichen seiner Seriosität schickt er ihr eine Kopie seines Reisepasses, der sich am Ende als Fake herausstellt. Dann steht einem Wiedersehen eine offene Steuerschuld über tausende von Franken in der Schweiz entgegen usw..
Wo ist er abgeblieben?
Die Frau überweist immer brav Geld auf unterschiedliche Konten, nimmt sogar einen Kredit über 15.000 Euro auf. Als bei der 66-Jährigen nach zwei Monaten und 40.000 Euro das Ende der Fahnenstange erreicht ist, bricht der Nigerianer den Kontakt ab. Die Frau geht zur Polizei. Zwar stöbert diese den Mann in Italien auf. Doch im Prozess am Landesgericht Feldkirch glänzt der Betrüger mit Abwesenheit. Ob er auf einer Bohrinsel abgetaucht ist, darüber kann spekuliert werden.
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