Griechisches Drama
Widerstands-Urgesteine kämpfen gegen Spardiktat
Zusammen mit Theodorakis, ebenfalls ein ehemaliger Widerstandskämpfer, hat Glezos die Protestbewegung Elada gegründet, die sich gegen die immer neuen Sparauflagen zur Wehr setzt. Es ist die Garde der alten Herren - Glezos ist 89 Jahre alt, Theodorakis 87 -, die sich nur zu genau an die Kriegszeiten erinnern.
Der Widerstand von Glezos gegen die Nazis begann in der Nacht auf den 31. Mai 1941, als die deutsche Wehrmacht die Insel Kreta eroberte. "Hitler sagte in einer Rede, dass Europa frei ist. Wir wollten ihm zeigen, dass der Kampf erst beginnt", erinnert er sich an seine spektakuläre Aktion auf der Akropolis.
"Griechenland hat seine Freiheit errungen, aber nicht seine Unabhängigkeit", sagt Glezos mit Blick auf das heutige Spardiktat der Euro-Zone, die ein zweites Hilfspaket von 130 Milliarden Euro von immer weiteren Einsparungen abhängig macht. "Auf einer Skala der Unterwerfung kommen wir auf fast 100 Prozent."
Glezos wurde während der deutschen Besatzung dreimal festgenommen und entkam nur knapp einem Erschießungskommando. Sein jüngerer Bruder wurde 1944 hingerichtet. Das Foto des jungen Mannes hängt über den Bergen von Büchern, Unterlagen und Erinnerungsstücken, die Glezos in seiner Erdgeschoßwohnung in einem Vorort Athens aufbewahrt. Sein Engagement im Widerstand gegen die Nazis und für die Kommunisten während der griechischen Militärdiktatur brachten ihm zwei Todesurteile und zwölf Jahre Haft "in fast allen Kerkern des Landes" ein, wie er sagt.
"Alle Fahnen der Unterdrückung niederreißen"
Heute wünscht er sich, dass die Jugend seinen Widerstandskampf fortsetzt, "um alle Fahnen der Unterdrückung niederzureißen". Doch während viele Griechen die immer schmerzhafteren Sparpakete als demütigendes Diktat vor allem der deutschen Regierung empfinden, macht Glezos einen klaren Unterschied zwischen den Besatzern von einst und dem strengen EU-Partner von heute: Der eigentliche Feind, das seien die G-20 und die "Imperialisten".
Aus der Krise müsse Griechenland ohnehin selbst herauskommen, sagt Glezos. Seine Vorschläge: "Keinen einzigen Cent mehr in die Militärausgaben stecken." Außerdem solle sich Griechenland weigern, seine "nicht rechtmäßigen" Schulden zu bezahlen. Die Regierung solle den Steuerbetrug bekämpfen und gleichzeitig Geld für "Gesundheit, Bildung und Forschung" ausgeben.
Deutschland solle erst einmal seine eigenen Schulden bezahlen, fordert der Mann mit dem weißen Schnurrbart mit Blick auf die während der Besatzungszeit erhobenen Zwangsanleihen. "Das war das einzige Mal, dass Griechenland Geld verliehen hat, statt sich welches zu leihen", sagt Glezos mit einer gewissen Boshaftigkeit. Zusammen mit von Athen eingeforderten Reparationszahlungen komme Griechenland auf "162 Milliarden Euro, ohne Zinsen", wie Glezos betont.
Von Polizei bei Demo mit Tränengas malträtiert
Doch die Symbolfigur der radikalen Linken belässt es auch heute nicht bei bloßen Appellen gegen die rigide Sparpolitik: Am Sonntagabend, als das Parlament in Athen das neueste Sparpaket absegnete, schlossen sich Glezos und Theodorakis, ebenfalls ein früherer Widerstandskämpfer, den Demonstranten auf dem Syntagma-Platz an. Weil die Polizei dort jedoch mit Tränengas gegen Randalierer vorging und dabei auch Glezos attackierte (weitere Bilder), mussten die beiden alten Herren ihre Teilnahme an der Demonstration vorzeitig wegen Atemnot abbrechen.
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.