Anschlag in Flugzeug

USA: “Unterhosen-Bomber” lebenslang hinter Gitter

Ausland
16.02.2012 22:17
Der sogenannte "Unterhosen-Bomber" Umar Farouk Abdulmutallab, der Weihnachten 2009 ein Passagierflugzeug über der amerikanischen Stadt Detroit in die Luft sprengen wollte, muss lebenslang hinter Gitter. Das Bundesgericht in Detroit begründete das Urteil mit der großen Gefahr, dass Abdulmutallab erneut einen Terrorangriff verüben könne. Vor der Verkündung des Strafmaßes sagte der 25-Jährige, er sei "stolz, im Namen Gottes zu töten".

Der in einem weiten weißen T-Shirt gekleidete Nigerianer zeigte keine Regung, als Richterin Nancy Edmunds die in diesem Fall mögliche Höchststrafe von vier Mal lebenslänglich plus weiteren 50 Jahren Haft gegen ihn verhängte. "Der Angeklagte hat erklärt und es ist eindeutig, dass er eine enorme Motivation hat, eine weitere Terrorattacke zu verüben", sagte Edmunds.

Staatsanwältin Barbara McQuade sagte, das Urteil sende die Botschaft, dass "Amerika von Al-Kaida nicht besiegt wird". US-Justizminister Eric Holder begrüßte das Strafmaß und nannte Abdulmutallab "einen reuelosen Terroristen, der es als seine Pflicht begreift, Amerikaner zu töten".

Familie appelliert an US-Justiz
Während der Angeklagte das Urteil emotionslos hinnahm, appellierte seine Familie in Nigeria an die US-Justiz, das Urteil zu überdenken. Außerdem solle sich die nigerianische Regierung für ihren Sohn einsetzen, hieß es in einer in Nigeria an die Medien verschickten Erklärung der Eltern. Diese hatten nach eigenen Angaben nach dem versuchten Anschlag "mit großen Schock erfahren", dass ihr Sohn offenbar der Täter war. "Wir danken Gott, dass bei diesem Vorfall niemand verletzt oder getötet wurde", setzte die Familie in der Erklärung vom Freitag hinzu.

Im Oktober hatte Abdulmutallab beim Auftakt der Verhandlung auf schuldig plädiert, seine Tat aber als Rache für die Tötung von Muslimen durch die USA gerechtfertigt. Am Donnerstag erklärte der junge Mann im Gerichtssaal erneut, er habe das Werk Gottes gegen die "Unterdrücker" von Muslimen ausführen wollen. Außerdem beharrte Abdulmutallab darauf, dass Al-Aulaqi und der im Mai getötete Al-Kaida-Chef Osama bin Laden noch am Leben seien.

Passagiere überwältigten Nigerianer
Abdulmutallab hatte am Weihnachtstag 2009 auf einem Flug von Amsterdam nach Detroit kurz vor der Landung einen Sprengstoff gezündet, den er in seiner Unterhose ins Flugzeug geschmuggelt hatte. Es entstand ein Feuer. Mutige Passagiere überwältigten den Nigerianer und verhinderten eine Katastrophe. An Bord der Maschine befanden sich 289 Menschen.

Dem Gericht hatte der Nigerianer gesagt, er sei zwar nach US-Recht schuldig, nach islamischem Recht träfe ihn aber keine Schuld. Gegen die USA in einen heiligen Krieg zu ziehen, sei eine tugendhafte Handlung für einen Muslim. Abdulmutallab stand mit dem radikalen Prediger Anwar al-Aulaqi in Kontakt, der als führender Kopf des Terrornetzwerks Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel galt, bis er bei einem US-Drohnenangriff im Jemen ums Leben kam.

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