Ein Rumäne wollte sich im Prozess am Landesgericht Feldkirch am Dienstag partout nicht an seine zahlreichen Straftaten erinnern. Ein Urteil gab es trotzdem.
Unter einer besonders schweren Form von Amnesie schien gestern ein Rumäne (38) zu leiden. Verantworten muss sich der bislang Unbescholtene wegen Sachbeschädigung, Zechprellerei und Verleumdung, Körperverletzung sowie Widerstand gegen die Staatsgewalt. Auf die Kardinalfrage von Richterin Silke Sandholzer, ob er sich zu den Vorwürfen schuldig bekenne, zuckt der Arbeitslose mit den Achseln. „Ich weiß nicht, ob ich mich schuldig fühlen soll oder nicht. Ich kann mich an nichts erinnern“, übersetzt die Dolmetscherin. Heißt, weder an die Zechprellereien in drei Bregenzer Lokalen und die anschließende Randale, bei dem er Gläser zerschmetterte, weil er nichts mehr zu trinken bekam.
Ganz zu schweigen von der Kopfnuss für einen Barbesitzer und den massiven Widerstand gegen Polizeibeamte. „Ich bin eigentlich nicht aggressiv“, behauptet er, weshalb er das alles auch eher für eine Farce hält. „Ich bin Ausländer und kann mir vorstellen, dass alle zusammenhalten“, fühlt er sich zu Unrecht beschuldigt.
Kein psychiatrisches Gutachten
Weshalb er auch die Polizei bezichtigt, Videos aus der Überwachungskamera manipuliert zu haben. Dass der Angeklagte nach einem missglückten Poloshirt-Diebstahl in einem Bregenzer Modegeschäft vom dortigen Mitarbeiter gefilmt wurde, als er mit Pflastersteinen die Schaufensterscheibe einschlug, kratzt den Täter wenig. „Es gibt viele, die so aussehen wie ich.“ Ein Antrag auf Einholung eins psychiatrischen Gutachtens wird abgelehnt. Nachdem der 38-Jährige das Gericht stundenlang zum Narren gehalten hat, fällt schließlich das rechtskräftige Urteil: Vier Monate Haft auf Bewährung und 1200 Euro Geldstrafe.
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