Laut NATO-Bericht

Afghanistan: “Bald Machtübernahme durch Taliban”

Ausland
01.02.2012 09:41
Laut einem geheimen NATO-Bericht bereiten die radikalislamischen Taliban ihre Machtübernahme in Afghanistan vor. Sobald die NATO-Truppen abgezogen sind, würden die Taliban ihren Sieg als "unabwendbar" ansehen, zitierte die britische Zeitung "Times of London" am Mittwoch aus dem Bericht. Die BBC meldete unter Bezugnahme auf dieselben geheimen Dokumente, dass der pakistanische Geheimdienst ISI die Taliban bei Anschlägen auf ausländische Truppen unterstütze. Das afghanische Außenministerium wies den Vorwurf als haltlos zurück.

Die NATO hat dem Bericht der britischen BBC zufolge Beweise, dass pakistanische Sicherheitskräfte direkte Unterstützung für die Taliban in Afghanistan leisten. Der Bericht basiere auf 27.000 Verhören von Taliban-Kämpfern und Al-Kaida-Mitgliedern. Demnach könnten die Taliban weiter auf die Unterstützung weiter Teile der afghanischen Bevölkerung bauen. Pakistan wisse außerdem über den Aufenthaltsort führender Taliban Bescheid, hieß es.

Der NATO-Bericht zeige erstmals auf, wie eng die Bande zwischen dem pakistanischen Geheimdienst ISI und den Taliban wirklich seien. Zuvor waren bereits französische Geheimdienstberichte bekannt geworden, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen waren. Offiziell bestreitet die pakistanische Regierung jede Zusammenarbeit mit den Taliban.

Einfluss der Taliban nimmt immer mehr zu
In dem Bericht, den ein NATO-Sprecher gegenüber der BBC als "nicht für die Öffentlichkeit bestimmt" eingestuft hatte, werde auch dargelegt, wie stark afghanische Truppen und Polizeieinheiten mit den Aufständischen verflochten seien. Während der Einfluss des Terrornetzwerks Al-Kaida schwinde, steige der der Taliban immer weiter. Besonders dort, wo sich die Internationale Afghanistan Schutztruppe ISAF zurückziehe. Die letzten Truppen sollen das Land bis 2014 verlassen.

Regierung tritt mit Rebellen in Verhandlungen
Nach dem mehr als zehn Jahre dauernden Krieg gegen die Taliban versucht die Regierung von Präsident Hamid Karzai in Kabul, mit den Rebellen zu verhandeln. Treffen sollen in den kommenden Wochen in Saudi-Arabien stattfinden, hieß es. 

Die Taliban hatten Anfang des Jahres die Eröffnung eines Auslandsbüros im Golf-Emirat Katar angekündigt, um einen Dialog mit der internationalen Gemeinschaft zu erleichtern. Karzai hatte befürchtet, durch diesen von den USA unterstützten Schritt an den Rand gedrängt zu werden. Nach Medienberichten soll es in Katar in der Vergangenheit schon mehrfach Gespräche von afghanischen Regierungsmitgliedern und US-Emissären mit Taliban-Vertretern gegeben haben.

Die vom pakistanischen Geheimdienst gesteuerten paschtunischen Taliban waren 1996 in Kabul einmarschiert und hatten einen Gottesstaat ("Islamisches Emirat") ausgerufen. Ihr Regime wurde 2001 durch eine US-Militärintervention gestürzt. ISAF übernahm 2006 das Kommando von den US-geführten Koalitionstruppen und dehnte ihren Verantwortungsbereich auf ganz Afghanistan aus.

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